Dienstag, 23.08.2016
Informationen aus der Datenbank via Datenbrille: Bis 2020 wird der Markt rund um Virtual und Augmented Reality jedes Jahr um 37 Prozent wachsen.

Fotoquelle: polygraphus/Thinkstock/Getty Images

Informationen aus der Datenbank via Datenbrille: Bis 2020 wird der Markt rund um Virtual und Augmented Reality jedes Jahr um 37 Prozent wachsen.

Zukunftsmärkte
Augmented Reality

Des Mittelstands Pokémon Go

Mit Pokémon Go ist Augmented Reality im Alltag angekommen. Doch längst unterstützt die Technologie dahinter auch Logistik und Fertigung. Gerätehersteller profitieren ebenso vom wachsenden Markt wie Softwarefirmen.

Sie hassen sie, sie lieben sie, aber eines müssen sie alle anerkennen: Spätestens mit dem Spiel "Pokémon Go" hat es die Augmented-Reality in unseren Alltag geschafft. Bei diesem Spiel können die Spieler über ihr Handy virtuelle Fantasiewesen (Pokémon) fangen, trainieren etc., allerdings fangen sie die in der echten Welt ein, auf der Autobahn, auf den Straßen, in den Bergen – es ist eine computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung.

Was im Alltag erst jetzt angekommen ist, kennen Mittelständler längst aus ihrem Unternehmeralltag. Günstige und praktikable Lösungen bieten etwa IT-Anbieter an, die Augmented-Reality-Systeme verkaufen: Sie statten Unternehmen mit Datenbrillen samt Software aus, die die Diagnose und Wartung aus der Ferne erheblich vereinfachen. Ein Experte aus Deutschland sieht dann am PC genau das, was der Werker beim australischen Kunden zeitgleich durch seine Datenbrille betrachtet – und kann das Problem aus der Ferne analysieren. Wenn der Werker mit der Reparatur beginnt, kann ihn der Experte in Deutschland durch die Arbeitsschritte leiten: Er projiziert ihm Symbole, Marker, Bilder, Zahlen oder Text direkt in sein Blickfeld – kurzum, er nutzt Augmented Reality, wörtlich übersetzt „erweiterte Realität“, um das Sichtfeld von Menschen per Datenbrille um computergenerierte Zusatzinformationen zu ergänzen. „Augmented Reality bietet Industrieunternehmen viele Vorteile“, sagt Timm Lutter vom IT-Verband Bitkom. „Mit Datenbrillen können neue Mitarbeiter schnell eingearbeitet werden, und solche mit weniger Erfahrung können schwierigere Aufgaben übernehmen.“

Hohe Investitionssummen geplant

Mittelständischen IT-Unternehmen, die Augmented-Reality-Lösungen anbieten, entstehen durch die marktreife Technik vielversprechende Geschäftschancen. Seit Datenbrillen von Herstellern wie Google und Vuzix in größerer Stückzahl zu günstigeren Preisen produziert werden, steigt die Nachfrage nach zugehörigen Anwendungen, beobachtet Angelika Huber-Straßer vom Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG.

Und Deloitte hat ausgerechnet, dass Unternehmen in Deutschland bis zum Jahr 2020 rund 840 Millionen Euro in Virtual, Augmented oder Mixed Reality investieren werden.

Anwendungsbereiche Augmented Reality

Die möglichen Anwendungen sind vielfältig, die Technologie kann zahlreiche Prozesse in Logistik, Fertigung und Instandhaltung deutlich optimieren. So kommt Augmented Reality zum Beispiel in der Logistikbranche zum Einsatz, um Mitarbeitern zu zeigen, welche Waren sie aus einem Lager holen sollen – die Barcodes werden via Datenbrille gescannt, die Hände sind für andere Aufgaben frei. Zudem kann es für Unternehmen interessant sein, Augmented Reality zu Marketingzwecken einzusetzen, wie Deloitte einschätzt. So könnten Unternehmer mit Hilfe von Smart Glasses ihre Produkte und deren Eigenschaften interaktiv präsentieren.

Deloitte prognostiziert für die kommenden fünf Jahre jährliche Zuwachsraten von 37 Prozent für den Markt rund um Virtual und Augmented Reality. Dabei spielen Anbieter aus dem Mittelstand eine wichtige Rolle, denn sie leisten das, was oft nicht zum Geschäftsmodell großer Konzerne gehört: „Mittelständische IT-Unternehmen können individuelle Lösungen für die speziellen Anforderungen der Kunden schaffen“, erklärt Ralf Esser von Deloitte. Für Google und andere große Konzerne sei das kein lohnender Markt. Vom Wachstum im Augmented-Reality-Markt können neben innovativen Start-ups daher Gerätehersteller und etablierte IT-Lösungsanbieter profitieren.

Individuelle Software

Ein Großteil der Investitionen im B2B-Markt fließt nicht in die Hardware, sondern in die Software, zeigen die Deloitte-Zahlen: 90 Prozent des B2B-Umsatzes entfallen auf die Entwicklung, Lizenzierung und Instandhaltung individueller Software. „Solche Lösungen sind so wichtig, weil jede Branche und auch jedes Unternehmen andere Anforderungen hat“, erklärt Bitkom-Experte Lutter.

Darauf setzt auch das Start-up Picavi aus Herzogenrath nahe Aachen, das sich auf den Einsatz von Datenbrillen in der Lager- und Prozesslogistik spezialisiert hat. Im Jahr 2015 wurde das System des zwei Jahre zuvor gegründeten Softwareanbieters zum ersten Mal in einem Hochregallager installiert, es folgten weitere Kunden und die mittlerweile dritte Finanzierungsrunde. „Smart-Glasses-Projekte unterscheiden sich deutlich von anderen IT-Projekten“, erklärt Ralph Schraven, Business-Development-Manager bei Picavi. Veränderte Bedienkonzepte, kleine Bildschirme, besondere Anforderungen an das Datenmanagement – deshalb würden sich Unternehmen überwiegend dafür entscheiden, Programmieraufgaben externen Experten zu übergeben, statt sie von der eigenen IT-Abteilung entwickeln zu lassen.

Auch Ubimax erlebt das immer wieder. Der Bremer Softwareentwickler bietet seinen Kunden Komplettlösungen an. Viele Kunden lassen sich individuelle Softwarelösungen für die gekaufte Hardware entwickeln. So beauftragte ein Küchengerätehersteller Ubimax beispielsweise damit, eine Anwendung zu entwickeln, die auf Grundlage des im Kühlschrank vorhandenen Essens mögliche Rezepte vorschlägt. Die Datenbrille soll dann durch das Anzeigen der einzelnen Schritte beim Kochen helfen.

Wareneingang via Brille

Eine individuelle Anpassung der Software werde bei fast allen Anwendungen auf Dauer notwendig sein, urteilen Beobachter. Auch weil viele Kunden verlangen, verschiedene Anwendungsmöglichkeiten in einer Datenbrille zu bündeln. So könnten zum Beispiel Wareneingang, Kommissionierung, Fertigung und Schulungen mit einer einzigen Brille erfolgen.

Ein weiterer Trend sind nach Einschätzung von Anbietern sogenannte binokulare Brillen, also Geräte, die Bilder vor beide Augen projizieren, statt nur vor eines. „Bei der aktuellen Hardware handelt es sich gerade einmal um die erste oder zweite Smart-Glasses-Generation, die in größeren Stückzahlen erhältlich ist“, sagt Ubimax-Geschäftsführer Witt. Mit einer neuen Brillen-Generation könnten sich nach Expertenmeinungen neue Anwendungsmöglichkeiten ergeben – und für Hersteller und Softwareentwickler nochmals neue Geschäftschancen.

Info

Steckbrief
Industrie, Logistik und Marketing per Augmented Reality optimieren

Wer profitiert: Unternehmen, die Software und Apps entwickeln. Sie sollten sich auch mit der Hardware auskennen, da Unternehmen meist eine Komplettlösung zur Optimierung ihrer Produktions- oder Logistikprozesse kaufen wollen. Daneben können auch Agenturen, die auf Augmented Reality basierende Marketingprojekte erstellen, einsteigen.

Marktvolumen: Bis zum Jahr 2020 werden Unternehmen in Deutschland laut einer Prognose rund 840 Millionen Euro in Virtual, Augmented oder Mixed Reality investieren. Experten rechnen für die kommenden fünf Jahre mit jährlichen Zuwachsraten von 37 Prozent für den Markt rund um Virtual und Augmented Reality. Dabei entfällt im B2B-Markt ein Großteil der Investitionen auf Software, nicht auf Hardware.

Mittelstandsanteil: Hoch. Für große Konzerne wie Google und Microsoft ist die Entwicklung individueller Softwarelösungen kein lohnenswerter Markt. Deshalb ist die Entwicklung spezieller Augmented-Reality-Lösungen fast ausschließlich bei mittelständischen Unternehmen angesiedelt.

Herausforderungen: Das Segment wird bisher eher von innovativen Start-ups dominiert.