Donnerstag, 06.06.2013
Zukunftsmärkte
Neue Märkte: Export Russland

Die Tücken beim Russland-Export

Seit dem WTO-Beitritt des Landes sollte der Handel mit Russland eigentlich einfacher sein. In der Praxis sehen sich Mittelständler nach wie vor mit unterschiedlichen Hürden beim Export konfrontiert. 5 Tücken auf die der Mittelstand beim Russland-Export achten muss.

Die 159 Mitglieder der WTO wollen untereinander den Austausch von Gütern vereinfachen und Zölle abbauen. Lkw-Schlangen vor russischen Grenzübergängen sind aber noch immer Alltag. Anstatt Zölle abzubauen, erschwert Russland mit immer neuen Auflagen und Abgaben dem export-orientierten Mittelstand den Zugang zum russischen Markt. Fehler in der Prozessabwicklung beim Export kosten Zeit und Geld. Mittelständler mit fehlender Erfahrung sind besonders gefährdet.

Russland-Export-Tücke 1: Verantwortung in fremder Hand

Den Waren-Export nach Russland kann der Mittelstand nur in den wenigsten Fällen eigenverantwortlich abwickeln. „Dafür ist nämlich eine russische Tochtergesellschaft notwendig“, erklärt Grigory Talanov, Russland-Experte bei Ernst & Young. Viele Mittelständler haben jedoch keine eigene Repräsentanz in Russland. Die Abwicklung der Verzollung erfolgt in einem solchen Fall über den russischen Handelspartner. Wichtig ist dabei, dass der Mittelstand den Versand der Ware gemeinsam mit dem russischen Partner vorbereitet und die Export-Dokumente vollständig (siehe Checkliste unten) vorbereitet und dem Spediteur zur Verfügung stellt. Die beauftragte Spedition sollte außerdem Erfahrung mit dem Waren-Export nach Russland haben. Dies können Mittelständler am besten mittels Referenzen bei Kunden oder Geschäftspartnern überprüfen.

Info

Checkliste: Notwendige Dokumente für den Russland-Export

 

  • Vollständige Adresse des Empfängers inkl. Telefonnummer und Ansprechpartner
  • Vollständige Adresse des Zolllagers inklusive der gültigen Lizenznummer
  • Handelsrechnung mit Lieferbedingungen und -adresse inklusive Zolltarifnummer pro Position mit jeweiligem Brutto-, Netto-Gewicht und Warenwert (2-fach Original abgestempelt, unterschrieben und ohne Korrekturen)
  • CMR-Frachtbrief
  • Ausfuhrbegleitpapier und Ausfuhrgenehmigungen
  • Packliste
  • Zertifikate und Import-Lizenzen
  • Gefahrgutspezifische Dokumente

 

Quelle: Militzer & Münch, Markt und Mittelstand

Russland-Export-Tücke 2: Risiko Zollbroker

Nicht selten beauftragt der russische Handelspartner einen Dienstleister mit der Abwicklung der Verzollung der Ware. Dieser Zollbroker übernimmt die Verantwortung für den Export. Allerdings lauert hier für den Mittelstand die Gefahr der so genannten „grauen Verzollung“. Der Broker ist in diese Transaktionen, die aufgrund der geographischen Nähe zu Russland gerne in den baltischen Staaten erledigt werden, meist involviert. So verschwinden plötzlich Handelsrechnungen oder der Preis der Waren ändert sich. Die Papiere werden zum Beispiel in Litauen neu erstellt, so wie mit dem Zöllner vorher vereinbart. „Problematisch ist das deswegen, weil der deutsche Mittelständler dann möglicherweise keinen Ausfuhrnachweis für seine Waren bekommt“ erklärt Sven-Boris Brunner, Leiter des GUS Kompetenzzentrums bei Militzer & Münch die mögliche Konsequenz. Mittelständler sollten sich daher unbedingt auch von ihren Geschäftspartner oder dem Importeur in Russland Informationen über den beauftragten Broker geben lassen.

Russland-Export-Tücke 3: Falsche Sprache und Angaben

Die Sprache wird zur Export-Hürde.

Die Sprache wird zur Export-Hürde.

Obwohl Russland WTO-Mitglied ist und deutsche Unternehmen zuletzt Reformen am russischen Markt forderten, haben Mittelständler nach wie vor sämtliche Exportdokumente in russischer Sprache vorzulegen. Um die notwendigen Übersetzungen kümmern sich Exporteur und Importeur ebenfalls bereits vor dem Waren-Export gemeinsam. Im wichtigsten Dokument, dem Frachtbrief, ist auch die Zolltarifnummer anzuführen. „In der Praxis kommt es dabei jedoch zu Problemen, weil die deutsche und die russische Zolltarifnummer nicht übereinstimmen. Die russische Nummer hat zwei Stellen mehr“, erläutert Brunner. Es kommt vor, dass der Exporteur aus dem Mittelstand mehrere Komponenten einer Maschine mit unterschiedlichen Nummern versendet, der russische Zoll diese Teile aber als eine Einheit sieht und diese auch so zu deklarieren ist. Mittelständler klären das ebenso am besten vorab. Auch um entsprechende Produktzertifikate für den Import in Russland müssen sich Exporteur und Importeur vor dem Export gemeinsam kümmern. Auskunft dazu erteilen die Zollbehörden. Durch die saubere Vorbereitung lässt sich an den meist überfüllten Zollstellen für den Mittelstand wiederum Zeit sparen.

Russland-Export-Tücke 4: Überlastete Zollterminals

Im Großraum Moskau wurden in den vergangenen Jahren etwa 100 Zollterminals geschlossen. Ersatz gibt es nicht. Lkw müssen dort nun oft tagelang anstehen, bis sie abgefertigt werden. Für die zügige Abfertigung mangelt es an Mitarbeitern und Strukturen. Der Mittelstand kann daher beim Export Zeit sparen, wenn der Spediteur auf andere Zollstellen in den Regionen ausweicht. Dabei ist zu beachten, dass Broker oder Importeur beim Zollterminal, bei dem die Ware verzollt werden soll, registriert sein muss. Um flexibel zu bleiben und auf Überlastungen reagieren zu können, sollten Unternehmen eine Registrierung bei verschiedenen Zollterminals vornehmen. Die Registrierung dauert drei Tage, kann elektronisch erfolgen (siehe Linktipps unten) und muss vor Eintreffen der Ware beim Zoll abgeschlossen sein.

Russland-Export-Tücke 5: Hohe Gebühren

Falsche Dokumente, fehlende Übersetzungen und nicht bekanntgegebene Lieferungen bedeuten hohe Zusatzkosten für den Mittelstand beim Export. Jede Einfahrt, Ausfahrt und Zwischenlagerung im Zolllager kostet extra. Kann der Importeur oder der Broker die Fehler nicht sofort beheben, droht ein Stillstand für bis zu mehrere Tage. Die Abfertigung der Waren erfolgt erst, wenn die Import-Abgaben vollständig entrichtet wurden. Diese setzen sich aus einem Grundtarif und einem Multiplikator zusammen, welcher allerdings viel Spielraum bietet. Mittelständler sollten den Broker im Vorfeld mit den Zollstellen die Details zur Eingruppierung und dem angewendeten Multiplikator klären lassen, um Überraschungen zu vermeiden. Der Zöllner wird sonst versuchen, den Zollwert nach oben zu korrigieren. Schließlich können Zusatzkosten auch noch für einen Zollbegleitschutz beim Export anfallen. Diese Begleitung wird ab einem Warenwert von 60.000 Euro notwendig. Auch daran sollten Unternehmen aus dem Mittelstand im Vorfeld denken, sonst muss bei der Grenze ein privater Zollschutz angeheuert werden. Für diesen sind nochmals bis zu 3.000 Euro fällig.

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Nützliche Links zum Russland-Export