Freitag, 11.04.2014
Die Kolumbianische Regierung will bis 2021 rund 100 Milliarden Dollar in den Ausbau der Infrastruktur stecken.

Quelle: Thinkstock / Getty Images

Die Kolumbianische Regierung will bis 2021 rund 100 Milliarden Dollar in den Ausbau der Infrastruktur stecken.

Zukunftsmärkte
Chancen für die deutsche Exportwirtschaft

Exportmärkte 2014: Neue Perspektiven für Mittelstand

Das Wachstum in den BRIC -Staaten geht schleppend voran. Länder wie Kolumbien, oder Sri Lanka entwickeln sich zu neuen attraktiven Märkten. Doch vor allem für Mittelständler bleibt auch der europäische Boden interessant.

Zu den Volkswirtschaften mit starkem Wachstum und  robuster Wirtschaft zählen mittlerweile auch die Länder Kolumbien, Indonesien, Peru, Philippinen und Sri Lanka. Darüber hinaus haben sich Kenia, Tansania, Sambia, Bangladesch und Äthiopien zuletzt wirtschaftlich positiv entwickelt.
Der Kreditversicherer Coface hat unterschiedliche Länder in Bezug auf Kapitalentwicklung, Wachstum und diversifizierter, stabiler Wirtschaft untersucht und diese Länder positiv hervorgestellt. Um in die engere Wahl zu kommen, mussten die Länder außerdem Mindestkapitalreserven aufweisen, um nicht von Auslandskapital abhängig zu sein. Zudem durfte die Gefahr einer Kreditblase nur gering sein.

„Neue“ Wachstumsmärkte auf dem Vormarsch

Die Studie unterteilt die zehn genannten Länder in zwei Gruppen. Kolumbien, Indonesien, Peru, Philippinen und Sri Lanka haben ein vernünftiges Geschäftsumfeld, das in der aktuellen Bewertung dem der BRICS vergleichbar ist. Kenia, Tansania, Sambia, Bangladesch und Äthiopien haben ein sehr problematisches Geschäftsumfeld, das die Entwicklung erschweren könnte. „Natürlich wird es für die zweite Gruppe schwieriger, sie dürfte länger brauchen, um ihr Wachstumspotenzial voll zu entfalten“, sagt Julien Marcilly, Leiter Country Risk bei Coface.
Allerdings seien ihre Probleme mit dem Geschäftsumfeld relativ zu sehen. 2001 war die Governance in Brasilien, China, Indien und Russland mit der heutigen in Kenia, Tansania, Sambia, Bangladesch und Äthiopien vergleichbar.

Die Rahmenbedingungen dieser „neuen“ Schwellenländer sind jedoch schlechter, als die der BRIC-Länder in 2001: Die zehn Länder repräsentieren derzeit nur elf Prozent der Weltbevölkerung, während die BRIC 2001 zusammen 43 Prozent ausmachten. Desweiteren erreicht ihr Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur 70 Prozent von dem der BRIC-Staaten im Jahr 2001.

China bleibt vorerst größte Außenhandelsnation

Ähnlich sehen auch die Prognosen einer Studie von Germany Trade and Invest (GTAI) aus, die sich mit den Top-Exportmärkten für 2014 beschäftigt. Auch dieses Papier stellt vor allem auf die Geschäftschancen der Mittelständler ab, bezieht dabei allerdings auch bereits bekanntere Wachstumsmärkte mit ein.
In Asien sehen die GTAI-Experten für das laufende Jahr China und Indonesien als die Top-Exportmärkte. China ist wahrlich kein neuer Wachstumsmarkt, auch Indonesien erfreut sich in den vergangenen Jahren bei deutschen Mittelständlern zunehmender Beliebtheit.

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Volksrepublik China

Erwartetes BIP 2014: 7,5 Prozent
Branchen: Maschinenbau, Automobilindustrie, Bausektor, Chemiebranche, Medizinbranche
Marktchance: Die chinesische Regierung will eine modernere Industrie und investiert in hochwertige Maschinen und Anlagen. Außerdem hat China in den Ballungsregionen große Probleme mit massiver Luftverschmutzung, daher wächst der Bedarf an Umwelttechnik und „grüner“ Gebäudetechnik. Desweiteren soll kräftig in die Gesundheitsversorgung investiert werden.

Quelle: GTAI

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Indonesien

Erwartetes BIP 2014: 5,8 Prozent
Branchen: Maschinen- und Anlagenbau, Automobilindustrie, Textil- und Bekleidungsbranche
Marktchance: Mit dem Start der ASEAN-Wirtschaftsgemeinschaft AEC ist Indonesien ein günstiger Standort zur Erschließung des regionalen Marktes. Im Kfz-Markt fuhr Indonesien 2013 Rekorde bei der Produktion ein, doch die Fertigung besteht noch überwiegend aus Montage, weshalb bereits internationale Automobilkonzerne die Produktion vor Ort noch weiter ausbauen wollen. Großer Nachholbedarf besteht auch bei der Trinkwasserversorgung  und Abfallentsorgung.


Quelle: GTAI

Kolumbien setzt auf erneuerbare Energien

In Lateinamerika kämpft Brasilien schon seit Längerem mit dem berüchtigten „Custo Brasil“, was vielen deutschen Mittelständlern im Land zu schaffen macht. Auch deshalb rücken andere Länder wie Mexiko oder Kolumbien stärker in den Fokus der Unternehmen.

In Kolumbien ist vor allem die Bauwirtschaft einer der interessantesten Sektoren. Die Kolumbianische Regierung will bis 2021 rund 100 Milliarden Dollar in den Ausbau der Infrastruktur stecken. „Herzstück der Offensive ist der Bau von 46 Autobahnen mit einer Gesamtlänge von über 8.000 km“, sagt Edwin Schuh, GTAI-Repräsentant in Bogota.
Neben dem vielversprechenden Erdölsektor ist auch der Bergbau ein weiterer Wachstumstreiber. „Kolumbien ist zehntgrößter Produzent und fünftgrößter Exporteur von Steinkohle weltweit, ein Großteil davon geht nach Europa“, erklärt Schuh. So war Kolumbien 2013 drittwichtigster Lieferant Deutschlands von Steinkohle.
Außerdem erwartet die brasilianische Regierung in den nächsten 20 Jahren eine Verdopplung des Energiebedarfs. „Um den Energiemix zu diversifizieren und die Abhängigkeit von Wasserkraft und Kohle sowie Gas zu reduzieren soll verstärkt auf erneuerbare Energien gesetzt werden, insbesondere in ländlichen Regionen“, verdeutlicht Schuh.

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Kolumbien

Erwartetes BIP 2014: 4,7 Prozent
Branchen: Bauwirtschaft, Erdölsektor, Bergbau, erneuerbare Energien
Marktchance: Kolumbien senkte mit Inkrafttreten eines Handelsabkommens für 65 Prozent aller Warenpositionen mit Ursprung in der EU die Einfuhrzölle auf null. Weitere 20 Prozent werden fünf Jahre nach Inkrafttreten liberalisiert sein. Außerdem erlebte das Land einen Boom im Erdölsektor: Bis 2015 will Kolumbiens größtes Unternehmen, Ecopetrol, rund 80 Milliarden Dollar investieren, um die Förderung auf 1,3 Millionen bpd (Barrel pro Tag) zu steigern.

Quelle: GTAI

Handelsabkommen bietet neue Chancen

„Von dem 2013 eingeführten Handelsabkommen zwischen Kolumbien und der EU profitieren auf deutscher Seite in erster Linie Maschinenbauer, die chemische Industrie, die Pharmaindustrie und mittelfristig auch die Kfz-Hersteller“, erläutert der GTAI Experte Schuh. Kolumbien senkte mit Inkrafttreten des Abkommens für 65 Prozent aller Warenpositionen mit Ursprung in der EU die Einfuhrzölle auf null. Spätestens nach zehn Jahren werden alle Maschinenarten zollfrei nach Kolumbien eingeführt werden können. Die bislang sehr hohen Einfuhrzölle auf Pkw in Höhe von 35 Prozent werden schrittweise innerhalb von sieben Jahren abgebaut.

„Zudem öffnet Kolumbien seinen Markt für öffentliche Ausschreibungen so weit wie kein anderes Drittland“, erläutert Schuh. Das Abkommen beinhalte außerdem den Schutz geistigen und gewerblichen Eigentums. Über 100 europäische geographische Bezeichnungen werden im kolumbianischen Markt geschützt, wie beispielsweise Bayerisches Bier.

London lockt mit vielen kleinen Projekten

In Europa gewinnt 2014 das Vereinte Königreich für den deutschen Export wieder an Bedeutung. Die Vorteile für mittelständische Unternehmen sind zum einen die geografische Nähe zum anderen ein großer Absatzmarkt, gute Wirtschaftslage, stabile Kostensituation sowie, wegen der Zugehörigkeit zum EU-Binnenmarkt,  kaum rechtliche Hürden oder Zoll-Hürden.  
Das Vereinte Königreich war für deutsche Unternehmen 2013 der drittwichtigste Ausfuhrmarkt und auch 2014 dürften die britischen Importe um 2,5 bis 3 Prozent zulegen. „Es erscheint realistisch, dass der bilaterale Handel zwischen dem Großbritannien und Deutschland 2014 mindestens in einer ähnlichen Größenordnung zulegt“, sagt Steffen Ehninger GTAI-Repräsentant in London und Berlin.

Derzeit sind die wichtigsten deutschen Handelspartner Frankreich, USA und das Vereinte Königreich. Auf den Plätzen 4 und 5 stehen die Niederlande und China. Laut dem GTAI-Experten, ist es sehr wahrscheinlich, dass die ersten 3 Plätze 2014 gleich bleiben. „Irgendwann jedoch wird China als Zielland für deutsche Exporte wahrscheinlich wichtiger werden als Großbritannien, aber das wird mit ziemlicher Sicherheit noch nicht 2014 oder 2015 passieren“, sagt Ehninger.

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Vereinigtes Königreich

Erwartetes BIP 2014: 2,5 Prozent
Branchen:
Bauwirtschaft, Energiewirtschaft und Energieübertragung, Elektrotechnik, Eisenbahntechnologie, Windenergie
Marktchance:
Der Bauboom konzentriert sich stark auf London, das Rekultivierungsprojekt „Earls  Court“ in West-London, das 2015 starten soll, beläuft sich auf umgerechnet 9,4 Milliarden Euro. Zudem hat die britische Regierung sieben Standorte ausgewählt, auf denen in den kommenden Jahren Atomkraftwerke entstehen sollen.

Quelle: GTAI

Am Vereinten Königreich sind allerdings nicht nur die großen Projekte lukrativ. Deutsche Betriebe sind beispielsweise im britischen Wohnungsbau traditionell gut im Geschäft. Davon abgesehen gibt es Wirtschaftszweige, die auch weitgehend unabhängig von Großprojekten boomen. „Auch im Informations-und Kommunikationstechniksektor oder in der Luft- und Raumfahrttechnik, sowie im Bereich der Automobilindustrie gibt es eine Reihe von Investitionsvorhaben“, sagt Ehninger.