Freitag, 15.04.2016
Viele Köche verderben in China den Brei? Das muss nicht sein, wenn beide Joint-Venture-Partner genaue Regeln beachten.

Bildquelle: wx-bradwang/Thinkstock/Getty Images

Viele Köche verderben in China den Brei? Das muss nicht sein, wenn beide Joint-Venture-Partner genaue Regeln beachten.

Zukunftsmärkte
Geschäftsgründung

Fünf Tipps für problemlose Joint Ventures in China

Joint Ventures haben in China keinen guten Ruf. Denn häufig wurden deutsche Firmen von ihren Geschäftspartnern enttäuscht oder übervorteilt. Fünf Tipps, wie es doch klappen kann.

In den meisten Branchen gibt es keine Joint-Venture-Pflicht mehr in China. Dennoch lohnt sich häufig die Einbindung eines lokalen Partners. Um Probleme zu vermeiden, sollten deutsche Mittelständler einige Grundregeln beachten.

1. Bringen Sie für die Joint-Venture-Gründung Zeit mit

In vielen Fällen wird die Dauer der Anbahnungsphase bei der Gründung eines Joint Ventures (JV) unterschätzt. Im Optimalfall kann die Gründung zwar innerhalb weniger Monate durchgeführt werden, in der Praxis zeigt sich jedoch oft, dass sich Geduld bei der Partnersuche und bei Verhandlungsgesprächen später auszahlt.

2. Finden Sie einen geeigneten Partner

Die Wahl des richtigen Partnerunternehmens ist wohl die entscheidende Aufgabe bei der Gründung eines Joint Ventures. Deshalb sollte auch auf lange Sicht sichergestellt werden, dass die Interessen und Strategien des potenziellen Partners nicht mit den eigenen interferieren. Unterstützung bei der Suche nach einem Joint-Venture-Partner können Beratungsunternehmen mit einem großen lokalen Netzwerk bieten. In jedem Fall ist jedoch im Voraus eine unverbindliche Zusammenarbeit mit dem chinesischen Unternehmen ratsam. Dadurch lernt man die Arbeitsweise des potentiellen Partners kennen und kann die Unternehmensführung besser einschätzen.

3. Denken Sie an die Due-Diligence-Prüfung

Vor der Gründung des Joint Ventures sollte unbedingt eine Due-Diligence-Prüfung des potenziellen Partnerunternehmens durchgeführt werden. Zur besseren Einschätzung gibt es die Möglichkeit einer Vorabprüfung durch ortsansässige Prüfer. Diese ist im Vergleich zu einer vollständigen Risikoanalyse kostengünstiger und gibt Gewissheit, bevor man persönlich die Reise nach China antritt. Besonders bei größeren Joint Ventures ist eine umfangreiche Prüfung durch ein fachkundiges Prüfungsunternehmen essenziell, um spätere Überraschungen zu vermeiden.

4. Definieren Sie Zuständigkeiten im JV-Vertrag

Das Kernstück jedes Joint Ventures bilden Joint-Venture-Vertrag und Gesellschaftssatzung. Während im Joint-Venture-Vertrag die Einzelheiten und Pflichten für jeden Partner festlegt werden, wird im Gesellschaftsvertrag bestimmt, wie die festgelegten Pflichten umzusetzen sind. Beide sind rechtlich bindend und sollten nur in Zusammenarbeit mit erfahrenem Fachpersonal erstellt werden.

5. Behalten Sie in China die Finanzen im Blick

Einer der häufigsten Gründe für das Scheitern von Joint Ventures ist die mangelnde Kontrolle des deutschen Partners über die Finanzen. Der üblichste Fehler ist, dem chinesischen Partner die gesamte Finanzbuchhaltung zu überlassen. Aufgrund der vielen lokalen Besonderheiten ist es stattdessen ratsam, die Buchhaltung an ein externes Unternehmen auszulagern, das sowohl mit lokalen Gegebenheiten als auch mit den deutschen Standards vertraut ist.

Autor

Richard Hoffmann ist Partner bei der Steuer- und Rechtsberatungskanzlei Ecovis Beijing China. Er ist China-Experte für komplexe juristische und steuerrechtliche Fragestellungen und Autor von zahlreichen internationalen Publikationen.