Montag, 20.02.2017
Am sogenannten German Desk können Vertreter deutscher Firmen im Ausland künftig Finanzierungsmöglichkeiten und Marktinformationen aus einer Hand beziehen.

Bildquelle: Keith Brofsky/Thinkstock/Getty Images

Am sogenannten German Desk können Vertreter deutscher Firmen im Ausland künftig Finanzierungsmöglichkeiten und Marktinformationen aus einer Hand beziehen.

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Geld und Rat aus einer Hand

German Desk soll Handelsfinanzierungslücke schließen

Um Zugang zu lokalen Finanzierungslösungen zu erhalten, können sich deutsche Mittelständler in Peru künftig an einen „German Desk“ wenden. Die DEG testet damit ein Kooperations- und Beratungsangebot.

In Peru hat die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) ein Pilotprojekt gestartet, mit dem sie deutsche Mittelständler bei deren Auslandsaktivitäten praxisnäher unterstützen möchte. Am sogenannten German Desk können Vertreter deutscher Firmen künftig Finanzierungsmöglichkeiten und Marktinformationen aus einer Hand beziehen. Ersteres ermöglicht eine lokale Bank, Zweiteres die örtliche Auslandshandelskammer, die als Kooperationspartner eingebunden ist.

Mit dem German Desk reagiert die DEG nach eigenen Angaben auf die eingeschränkten Möglichkeiten deutscher Mittelständler, im Ausland eine Investitions- oder Handelsfinanzierung zu erhalten. Aufgrund schärferer Regularien bauen deutsche und europäische Privatbanken ihr Korrespondenzbankennetz im Ausland ab. Auf ihrer Suche nach einer Finanzierung für Exporte oder Investitionen ihrer lokalen Handelspartner stehen Mittelständler daher häufig ohne Partner da. 

Kleine Handelsfinanzierungen über lokale Kooperationsbank

„Hinzu kommt, dass die Volumina, die eine Firma für eine Handelsfinanzierung braucht, in der Regel so gering sind, dass sie sich für eine Bank, die nicht vor Ort ist, kaum lohnen“, berichtet Bruno Wenn, Sprecher der DEG-Geschäftsführung. Weil sich jedoch nur wenige lokale Kunden eine deutsche Maschine oder Anlage ohne Finanzierung leisten könnten, brächen dem Mittelstand durch den Finanzierungsengpass Aufträge weg.

Im Rahmen des German Desk können deutsche Mittelständler nun einfacher die Finanzierungsangebote einer lokalen Bank nutzen und sich damit Exportaufträge sichern. Den ersten Schreibtisch in Peru besetzt eine deutschsprachige Mitarbeiterin der Banco Financiero, die für deutsche Firmenvertreter oder ihre lokalen Kunden passgenaue Finanzierungsmöglichkeiten ausarbeitet. Den Firmen werde dadurch der Kontakt zu einem lokalen Institut erleichtert, der Mittelständlern selbst möglicherweise fehlt, erläutert DEG-Geschäftsführer Wenn.

Konkret wird der German Desk kurz- und mittelfristige Kreditlinien bereitstellen, Dienstleistungen für Handelsfinanzierungen und Transaktionen bieten sowie bei der Einrichtung eines lokalen Bankkontos behilflich sein. Für ein über die Finanzierung hinausgehendes Beratungsangebot stellt die Mitarbeiterin den Kontakt zur Deutsch-Peruanischen Industrie- und Handelskammer (AHK) her, die am German Desk als Kooperationspartner beteiligt ist. Die Inanspruchnahme der Beratung des German Desk ist für deutsche Mittelständler kostenlos. Für den Abschluss einer Finanzierung gelten marktübliche Konditionen.

DEG: Weltweites Netz von German Desks angedacht

Den nächsten German Desk will die DEG noch in diesem Jahr auf dem afrikanischen Kontinent eröffnen. „Wir sind dafür im Gespräch mit einer kenianischen und einer nigerianischen Bank“, erklärt Wenn. Außerdem ist ein German Desk in Asien geplant, voraussichtlich in Indonesien. Bei beiden weiteren German Desks sind auch die jeweiligen Auslandshandelskammern mit im Boot.

Mit diesen drei Standorten möchte die DEG austesten, ob deutsche Mittelständler das Angebot annehmen und welche zusätzlichen Beratungsleistungen diese noch über den German Desk in Anspruch nehmen möchten. Wenn sich das Format als erfolgreich herausstellt, will die DEG ihre German Desks weltweit in Schwellen- und Entwicklungsländern ausrollen, in denen der deutsche Mittelstand geschäftlich aktiv ist. Die Pilotphase soll zunächst fünf Jahre dauern, dann werde man weitere Schritte planen, sagt Wenn.