Freitag, 27.09.2013
Zukunftsmärkte
China: Freihandelszone in Pudong geht an den Start

In Shanghai setzt China auf das Freihandel-Experiment

Einmaliger Pilotversuch oder ein weiterer Schritt in Richtung Öffnung Chinas? In Shanghai wurde Ende September eine Freihandelszone eröffnet. Dort sollen wirtschaftlich westliche Bedingungen herrschen. Die konkrete Umsetzung bleibt unklar.

Gute Nachrichten kommen in den letzten Tagen aus China: Das Land hat seine Delle im Wirtschaftswachstum überwunden, und am kommenden Sonntag startet ein neues Wirtschaftsprojekt.: Im Stadtteil Pudong der China-Metropole Shanghai wird die erste Freihandelszone des Landes außerhalb von Hongkong eröffnet – ein Experiment, wie China-Experten meinen: „In China wird so etwas nicht wie bei uns von langer Hand geplant. und dann nach vielen Jahren landesweit eingeführt. Da wird eher mal gemacht und ausprobiert“, sagt China-Experte Tobias Busch von Personalglobal. Shanghai ist jetzt vorgeprescht, natürlich unter Duldung der Zentralregierung in Peking.

Knapp 30 Quadratkilometer wird die Freihandelszone im Stadtteil Pudong groß sein, sie umfasst den Tiefseehafen Yangshan und das Zollfrei-Gebiet Waigaoqiao. „Hinter der Einrichtung der Freihandelszone steht der Wunsch, in Shanghai bewusst Konkurrenz für die großen Staatsbetriebe zu schaffen“, sagt Busch. Je weiter es von Peking weggeht, desto eher streben die Provinzen nach Unabhängigkeit und eigenen Regeln. Darin liegt auch die Attraktivität der Zone für ausländische Unternehmen, so etwa auch für Mittelständler aus Deutschland.

Freihandelszone umfasst den Stadtteil PudongDie Freihandelszone in Pudong, einem Stadtteil von Shanghai, umfasst den Tiefseehafen Yangshan und das Zollfrei-Gebiet Waigaoqiao. Quelle: Ralf Hanke / pixelio.deWeniger InternetzensurInnerhalb der Freihandelszone in Shanghai soll die Internetzensur gelockert werden. Das wird vor allem private Blogger und Aktivisten freuen. Webseiten ausländischer Medien und Unternehmen können schon heute in Shanghai erreicht werden. Quelle: Patrick Fischer / Wikimedia CommonsPraktischer Betrieb noch nicht klarAuch wenn die Freihandelszone am Sonntag offiziell ihren Betrieb aufnimmt, rechnen Experten damit, dass es noch dauern kann, bis Unternehmen wirklich alle Vorzüge der Zone auskosten können. Die administrative Umsetzung, also die Eingrenzung auf Pudong, ist ebenso noch nicht ganz klar wie die Frage, wie schnell der Renminbi wirklich für Kapitaltransaktionen freigegeben wird. Quelle: Wechselberger / Wikimedia CommonsFreihandelszone ab SonntagIn Pudong gelten ab Sonntag formal liberalere Regeln für die Wirtschaft. „Unternehmen sind von bürokratischen Vorschriften weitgehend befreit, man kann ein Unternehmen ohne Genehmigung gründen“, sagt China-Experte Busch. Im Gespräch ist auch eine Reduzierung der Unternehmenssteuer auf 15 Prozent. Quelle: Marmotta666 / Wikimedia CommonsRenminbi frei handelbarEin zentraler Punkt der Freihandelszone ist die freie Handelbarkeit der China-Währung Renminbi. Nicht mehr die Zentralregierung in Peking legt dann die Zinssätze fest, sondern Banken und Unternehmen können diese im Sinne eines freien Marktes selbst bestimmen. „Dadurch soll ausländisches Kapital angezogen werden und das wird auch funktionieren“, ist sich Busch sicher. Quelle: Dmitry Fironov / Wikimedia Commons

 

China öffnet zunehmend seinen Markt für ausländische Kapitalgeber. Die Eröffnung der Freihandelszone in Shanghai ist ein weiteres Indiz dafür. Neben dieser Freihandelszone hat China auch bereits ein Freihandelsabkommen mit den ASEAN-Ländern, was für Mittelständler einen Markt von über 2 Milliarden Verbrauchern entstehen lässt. Auch ein Freihandelsabkommen mit der EU wurde zuletzt immer wieder diskutiert, Deutschland zeigte sich dabei allerdings zurückhaltend.