Dienstag, 08.03.2016
Smartphones werden in Indien nicht nur für Selfies genutzt. Immer mehr Inder shoppen online übers Handy. Deutsche Mittelständler sollten ihren Onlineshop daher auch als mobile Version anbieten.

Bildquelle: paulprescott72/Thinkstock/Getty Images

Smartphones werden in Indien nicht nur für Selfies genutzt. Immer mehr Inder shoppen online übers Handy. Deutsche Mittelständler sollten ihren Onlineshop daher auch als mobile Version anbieten.

Zukunftsmärkte
Goldrausch im indischen Onlinehandel

Indiens E-Commerce-Boom lockt deutsche Mittelständler

Indien erlebt einen Online-Boom, zahllose Handelsgeschäfte wandern ins Internet. Ein Milliardenmarkt wird verteilt. Für den deutschen Mittelstand ist das eine Riesenchance. Doch die rechtlichen Untiefen sind gefährlich.

100 Millionen weitere Inder sollen Zugang zum Internet erhalten – allein in diesem Jahr. Dieses enorme Entwicklungsziel hat die  indische Regierung vorgestellt. Für deutsche Mittelständler, die ihre Waren auf dem Subkontinent verkaufen, ist das eine gute Nachricht – je mehr Handelsgeschäft ins Internet abwandert, desto weniger wird es nötig, ein teures Filialnetz aufzubauen.

Indien: Auch B2C-Onlinehandel wird liberalisiert

Doch die Hürden für ausländische Investoren haben die Inder nicht eingerissen. Nur im B2B-Geschäft mit Industriekunden erlaubt das indische Recht schon jetzt 100-prozentige Firmengründungen. Maschinenbauer oder Automobilzulieferer können ohne weiteres eine eigene Onlineplattform einrichten, über die sie Kunden ansprechen und Verkäufe mit ihnen abwickeln.

Im Endkundengeschäft sieht es derzeit noch anders aus, der Onlinehandel mit Konsumgütern ist für ausländische Firmen noch rechtlich beschränkt. Im Einzelhandel dürfen deutsche Mittelständler bislang nur offline agieren. Der Betrieb von Internetshops ist ihnen untersagt.

Jedoch plant die indische Regierung im Zuge ihrer generellen Öffnung für ausländisches Kapital auch eine Liberalisierung ausländischer Direktinvestitionen in der E-Commerce-Branche. Wie die deutsche Außenwirtschaftsgesellschaft GTAI berichtet, stehen schon einige ausländische Anbieter in den Startlöchern, um die enorme Zahl an potentiellen indischen Käufern künftig online zu bedienen – es sind mehrere hundert Millionen.

Dieser Markt wird in Kürze verteilt. Das setzt auch deutsche Mittelständler unter Zugzwang: Wollen sie beim Boom des indischen Onlinegeschäfts mit von der Partie sein, müssen sie sich jetzt dafür in Position bringen.

Umsätze im E-Commerce wachsen zweistellig

Von den 400 Millionen Indern, die  bereits jetzt Zugang zum Internet haben – nach Umsetzung der Regierungspläne zum Jahresende vielleicht schon 500 Millionen –  nutzt allerdings erst ein Sechstel das Internet schon für den Einkauf von Konsumwaren. Doch das Interesse an Onlineshops steigt, und die Marktstruktur des indischen Einzelhandels spricht dafür, dass E-Commerce auf dem Subkontinent schneller abheben könnte als das auf anderen Märkten der Fall war.

Der Hauptgrund  dafür ist die starke Fragmentierung des indischen Einzelhandels, diagnostiziert die GTAI. Die Produktauswahl in den Ladenlokalen sei begrenzt.  Online fänden Inder hochwertigere Produkte zu internationalen Standards in größerer Auswahl.

Mobile Version des Onlineshops ist Schlüssel zum Erfolg

Da die meisten Inder über ihr Handy ins Internet gehen, sollten deutsche Mittelständler bei der Einrichtung eines Onlineshops darauf achten, auch mobile Shop-Versionen anzubieten. Fast die Hälfte aller Onlineeinkäufe in Indien wurde 2015 über Smartphones abgewickelt – Tendenz steigend.

Ebenso wie Chinesen und Afrikaner haben auch viele Inder das Internet via Desktop-PC übersprungen und nutzen Internet ausschließlich über ihr Handy. Das liegt unter anderem daran, dass die festnetzbasierte Internetinfrastruktur in Indien unterentwickelt ist. Stattdessen hat die Regierung aber massiv in die Verfügbarkeit von 3G-Netzen investiert. Die Preise für deren Nutzung sind stark gesunken, der Konkurrenzdruck zwischen den Anbietern ist hoch. Auch Smartphones sind inzwischen günstig verfügbar, sofern sie aus lokaler oder chinesischer Produktion stammen.

Dadurch hat der Markt selbst jetzt schon eine kritische Größe erreicht, obwohl die Grundlagen für die Reifung des Marktes gerade erst gelegt werden. Seit 2011 ist der Onlinehandel in Indien pro Jahr im Durchschnitt um 34 Prozent gewachsen, 2015 wurden 22 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Wenn sich das Wachstum fortsetzt, können deutsche Mittelständler den Großteil ihrer potentiellen indischen Kunden bald wohl nur noch online erreichen.