Dienstag, 08.09.2015

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Vor allem im produzierenden Gewerbe achtet die indonesische Regierung auf die Einhaltung der Quotenregelung von zehn einheimischen Mitarbeitern pro Expat.

Zukunftsmärkte
Mittelstand kämpft mit Quotenregelung

Indonesien: beschränkter Arbeitsmarktzugang für Ausländer

Pro Expatriate müssen Firmen in Indonesien mindestens zehn Einheimische beschäftigen. Vertriebsbüros ausländischer Mittelständler geraten durch diese neuen Visaregeln in Gefahr.

Mittelständler in Indonesien müssen ihr Geschäft neu strukturieren. Denn einem Erlass von Juli 2015 zufolge muss eine Firma pro angestelltem Expatriate mindestens zehn Indonesier beschäftigen. Hiervon ausgenommen sind lediglich Mitglieder des Vorstands eines Unternehmens. Zuvor lag die Quote bei einem Expat pro fünf Indonesier.

Für kleine Vertriebsbüros deutscher Firmen vor Ort ist eine Einhaltung dieser Regelung kaum möglich. Denn häufig sind in ihnen weniger als zehn Leute angestellt. Fahrer und Reinigungskräfte dürfen zur Berechnung der Quote nicht hinzugezogen werden.

Dennoch sollten deutsche Firmen die Neuerung ernst nehmen. Denn wie die Außenwirtschaftsgesellschaft Germany Trade und Invest (GTAI) berichtet, gibt es immer häufiger Kontrollen. Vor allem ausländische Firmen und Handelskammern erhielten in den vergangenen Monaten Besuch von der Einwanderungsbehörde.

Für Geschäftstreffen ist Arbeitserlaubnis notwendig

Auch kurze Geschäftsbesuche bedürfen einer neuen Organisation. Denn für Schulungsmaßnahmen an Anlagen beim Kunden, für Besuche der eigenen Niederlassung in Indonesien oder für Geschäftstreffen mit dem Vertreter vor Ort brauchen Ausländer neuerdings eine Arbeitserlaubnis. Zuvor war der kurzzeitige Aufenthalt in Indonesien hierfür auch mit einem Besuchsvisum möglich.

Da die Bearbeitung von Visumsanträgen mehrere Monate dauern kann, sollten deutsche Firmen sich frühzeitig um eine entsprechende Genehmigung kümmern. Zudem sei zu beachten, dass Arbeitsgenehmigungen lediglich noch für die Dauer eines halben Jahres ausgestellt werden, so die GTAI. Zuvor waren zwei Jahre üblich.

Protektionismus schreckt Investoren ab

Die aktuelle indonesische Visapolitik stellt für deutsche Firmen ein großes Investitionshindernis dar. Nur wenn sie qualifiziertes Personal aus Deutschland mit nach Indonesien schicken könnte, ist der Geschäftsaufbau für deutsche Firmen möglich beziehungsweise attraktiv.

Die Restriktion des indonesischen Arbeitsmarkts für Ausländer geschieht zudem vor dem Hintergrund weiterer protektionistischer Maßnahmen der Regierung in Jakarta. Unter anderem hat sie in den vergangenen Monaten die zugelassenen Geschäftsfelder für ausländische Beteiligungen begrenzt und Warenverkehr in anderen Währungen außer der Rupiah verboten.

Asienexperten erstaunt diese Entwicklung. Denn eigentlich ist die indonesische Konjunktur von ausländischen Direktinvestitionen abhängig. 2014 stießen ausländische Investoren nach Angaben der indonesischen Investitionsbehörde BKPM Projekte im Wert von 28,5 Milliarden US-Dollar an. Aus Deutschland kamen Direktinvestitionen von knapp 25 Millionen Euro.