Freitag, 13.11.2015

Bildquelle: michaeljung/Thinkstock/Getty Images

Die Weiterverarbeitung von Maschinen oder anderen Produkten in der Türkei sichert ihnen Zollfreiheit auf dem Weg in den Iran.

Zukunftsmärkte
Grosser Bedarf durch Wegfall der Sanktionen

Iran-Handel: Zollfrei exportieren über die Türkei

Wenn in Kürze die Handelsbeschränkungen gegen den Iran fallen, eröffnet sich deutschen Firmen ein riesiger Markt. Schon jetzt zeichnet sich ein Weg ab, den viele Mittelständler beschreiten werden: Wer den Iran über die Türkei erschließt, profitiert von Zollvorteilen – und noch mehr.

Mit dem Wegfall der größten Sanktionen gegen den Iran eröffnet sich dem deutschen Mittelstand eine enorme Chance. „Alle Anlagen im Iran sind veraltet“, berichtet beispielsweise Ahmet Yilmaz, Geschäftsführer des Automobilzulieferers Extim und Repräsentant des türkischen Maschinenbauverbandes. Und das ist nur ein Beispiel. Auf deutsche Unternehmen, die historisch schon immer wichtige Handelspartner des Irans waren, wartet ein äußerst aufnahmebereiter Markt mit gewaltigem Investitionsbedarf.

Ein Weg in den Iran verspricht deutschen Unternehmen besonders profitable Geschäfte – der Rückgriff auf die deutschen Wirtschaftsbeziehungen mit der Türkei. Vor allem aus zollrechtlicher Sicht lohnt sich das. „Seit 2014 gilt ein bevorzugtes Handelsabkommen zwischen dem Iran und der Türkei, in dessen Rahmen viele Zölle komplett abgeschafft wurden“, erklärt Yilmaz.

Türkei ist perfektes Sprungbrett für Iran-Handel

Dieses Abkommen bezieht alle Waren mit ein, die aus der Türkei in den Iran geliefert werden – auch wenn die Zulieferer in Deutschland sitzen. Für deutsche Firmen ist es daher möglich, Zollschranken zu umgehen, indem sie den Weg über die Türkei gehen.

Dabei sparen sie sich gleich zweimal den Zoll, denn auf Grund der Zollunion zwischen der EU und der Türkei können deutsche Unternehmen Komponenten zumeist zollfrei an den Bosporus liefern. Ausgenommen davon sind Produkte, für die Zusatzzölle gelten. Der in der Türkei ansässige Partner oder die eigene Niederlassung baut das Endprodukt, zum Beispiel eine Industrieanlage, in der Türkei zusammen. Dann geht alles abgabenfrei weiter an den Kunden im Iran.

„Einen Mindestanteil lokaler Wertschöpfung gibt es nicht“, sagt Yilmaz. Alle Waren, die aus der Türkei kommen, werden zollrechtlich als türkisches Produkt behandelt.

Iran-Handel über Türkei bietet noch mehr Kostenvorteile

Durch die günstigeren Arbeitskosten in der Türkei werden mit deutschen Komponenten gefertigte Produkte zudem wettbewerbsfähiger – was auch notwendig ist, denn anders als früher konkurrieren die deutschen Unternehmen im Iran nicht mehr in erster Linie mit europäischen Wettbewerbern. Die Lücke, die sich während der Jahre der westlichen Sanktionen aufgetan hatte, haben Anbieter aus Asien gefüllt.

Folge: Auch im Iran sind die Chinesen inzwischen sehr aktiv, und mit deren  Preisen müssen die deutschen Exporteure auf vielen Produktfeldern nun konkurrieren.. „In den meisten Investitionsgüterbranchen sind die Chinesen mittlerweile federführend“, berichtet Yilmaz.

Auch aus Sicherheitsgründen ist ein türkischer Ausgangsort für das Iran-Geschäft sinnvoll. Ungern würden deutsche Firmen beispielsweise einen Monteur für einige Wochen in den Iran entsenden, vermutet Yilmaz.

Stattdessen biete es sich an, einen Mitarbeiter für die gesamte Dauer einer Montage in die Türkei zu stationieren und nur für einzelne Tage zum Kunden in den Iran zu entsenden, denn die räumliche Distanz ist nicht weit. Ohne Frage könnte sich die Türkei zur künftigen Drehscheibe des deutschen Iran-Handels entwickeln.