Dienstag, 16.08.2016
Deutsche Unternehmer haben die Türkei für sich entdeckt: Hier können sie auf Messen diejenigen potentiellen Kunden treffen, die kein Visum für Europa bekommen.

Fotoquelle: Ciaran Griffin/Thinkstock/Getty Images

Deutsche Unternehmer haben die Türkei für sich entdeckt: Hier können sie auf Messen diejenigen potentiellen Kunden anwerben, die kein Visum für Europa bekommen.

Zukunftsmärkte
Markterschliessung im Nahen Osten

Messen in der Türkei öffnen neue Märkte

Deutsche Mittelständler finden trotz Putschversuch und Notstand nach wie vor auf Messen in der Türkei potentielle Geschäftspartner aus der gesamten Region. Dadurch lassen sich neue Märkte erschließen, die ihnen in Europa verwehrt bleiben.

Die Türkei ist in Unruhe: Nach einem Putschversuch hat die Regierung am 20. Juli für drei Monate den Notstand ausgerufen. Trotz dieser politischen Schwierigkeiten raten Experten Mittelständlern, Politik und Wirtschaft getrennt zu betrachten und die Geschäftsbeziehungen nicht zu kippen, allerdings umsichtiger zu agieren. Notstandsbedingt dürfen derzeit kurzfristig Ausgangssperren verhängt werden sowie Durchsuchungen und allgemeine Personenkontrollen durchgeführt werden. Deswegen rät das Auswärtige Amt, stets ein gültiges Ausweisdokument mit sich zu führen und die Medienberichterstattung sowie diese Reise- und Sicherheitshinweise aufmerksam zu verfolgen.

Mittelständler können aber nach wie vor  potentielle Geschäftspartner, die kein Visum für einen Messebesuch in der EU erhalten, besonders gut in der Türkei auf Messen treffen. Daher hat sich die Türkei zum zweitstärksten Messestandort weltweit entwickelt – direkt nach China. Der Besuch von Messen im Land am Bosporus hat viele Vorteile. Denn sie sind Sprungbrett in den Nahen Osten und die zentralasiatischen Staaten. So sind die über 100 türkischen Messen pro Jahr eine attraktive Akquise-Station für Projekte in Ländern des Kaukasus, in Mittelasien, am östlichen Mittelmeer und auf dem Balkan.

Wie Mittelständler die Türkei nutzen

Der Automobilzulieferer Aurora nutzt deshalb Messen in der Türkei. Aurora gehört zur Indus-Gruppe: Das Unternehmen mit Stammsitz im baden-württembergischen Mudau entwickelt, produziert und verkauft mit 300 Mitarbeitern Geräte und komplette Anlagen zur Heizung, Lüftung und Klimatisierung von Nutzfahrzeugen. Zu den Kunden gehören Schwergewichte wie MAN, Daimler/Evobus, Irisbus, Caterpillar, Agco und Terex.

Zwei Drittel ihrer Klimatechnik exportieren die Spezialisten von Aurora. Für die internationale Expansion gen Osten gründete der Mittelständler vor 15 Jahren eine Tochtergesellschaft in Istanbul. 20 Mitarbeiter kümmern sich hier um die Kunden vor Ort und um Kontakte zu den nicht weit entfernten Märkten im Irak, Iran, in Jordanien und Tunesien. „Wir nutzen Messen und Kongresse in der Türkei, um von Projekten in diesen Nachbarländern zu erfahren“, erklärt Hannes Wolf, Geschäftsführer von Aurora.

Zu Branchentreffen in der Türkei kommen zahlreiche potentielle Kunden aus dem Nahen Osten und Nordafrika, die kein Visum für Europa bekommen. „Um neue Geschäftspartner zu finden, haben wir uns bis vor ein paar Jahren auf der Fachmesse Busworld in Istanbul mit einem eigenen Stand präsentiert“, sagt Wolf. „Seither sind wir in Istanbul regelmäßig als Besucher, um unsere Kunden zu treffen.“ Denn es sei erfolgreicher, sich persönlich zu sprechen, anstatt nur zu telefonieren: „Die besten Geschäfte gerade mit Partnern im eurasischen Wirtschaftsraum macht man immer noch, wenn man sich dabei in die Augen sieht.“

Deutscher Messestandort Istanbul

Nicht nur deutsche Unternehmer, auch Messeveranstalter aus der Bundesrepublik haben die Türkei für sich entdeckt. „Istanbul ist mit Abstand unser wichtigster Messestandort vor Ort“, sagt Monika Brandt von der Deutschen Messe in Hannover. Die Hannover Fairs Turkey, eine Tochter der Hannoverschen Aktiengesellschaft, richtet hier pro Jahr 20 Veranstaltungen aus. Auch die anderen deutschen Messegesellschaften in Frankfurt, Stuttgart, Hamburg und München haben Niederlassungen in der Türkei. Das Themenspektrum der von ihnen durchgeführten Messen erstreckt sich vom Maschinenbau bis zur Elektronik, von der Klimatechnik bis zum Tourismus.

„Die Türkei hat für uns eine Gateway- Funktion zwischen Europa und Asien“, erklärt Brandt. Denn es gibt viele wirtschaftliche Anreize und Absatzchancen. Zu den für Mittelständler interessanten Anreizen gehören die Deutschen Pavillons, Gemeinschaftsstände der Deutschen Messe. Expertin Brandt verweist auch auf messebegleitende Konferenzen, die zunehmend in den Fokus von deutschen Mittelständlern rücken. Mittelständler sollten zudem sowohl den Zeitpunkt der Messe im Blick haben wie den Ort und welche Länder auf den einzelnen Messen vertreten sind.

Info

Bautechnik bis Metallverarbeitung
Eine Auswahl der kommenden Messen in der Türkei 2016:

  • Solar Plus, Erneuerbare Energien, Ankara, 22.–24.9.
  • Maktek Eurasia, Metallverarbeitung, Istanbul, 11.–16.10
  • Cebit Bilisim Eurasia, IT, Istanbul, 13.–15.10. 
  • Logitrans, Logistik und Transport, Istanbul, 16.–18.11.

Quelle: Markt und Mittelstand