Dienstag, 29.09.2015

Bildquelle: Verband der Automobilindustrie e.V. (VDA)

Die nternationalen Besucher deutscher Messestände freuen sich über greifbares Anschauungsmaterial.

Zukunftsmärkte
Mittelstand auf Auslandsmessen

Nachträglicher Verkauf von Carnet-A.T.A.-Gütern

Einem Messegast im Ausland gefällt die ausgestellte Maschine einer deutschen Firma so gut, dass er sie direkt kaufen möchte. Die deutsche Firma jedoch hat die Maschine mit einem Carnet A.T.A. eingeführt. Darf sie daher überhaupt im Land bleiben?

Industriemessen leben von den dort ausgestellten Produkten, diese machen das Angebot der präsentierten Firmen anschaulich und greifbar. Vor allem auf Auslandsmessen tummeln sich stets viele Interessierte um die Maschinen deutscher Mittelständler. Und nicht wenige sind so begeistert von dem Ausstellungsstück, dass sie es sofort kaufen möchten.

Nun haben deutsche Firmen ihre Ausstellungsware meist mit einem Carnet A.T.A. ins Land der Messe eingeführt. Vorübergehend verwendete Güter sind damit von Zollgebühren befreit – müssen aber im gleichen Zustand ausgeführt werden, wie sie ins Land gekommen sind. Wenn die Waren, die eine Firma nach der Messe wieder in die Heimat verschicken möchte, nicht mit der Import-Warenliste übereinstimmen, kann es an der Grenze zu Problemen kommen.

Nachträgliche Verzollung der Ausstellungsware

Dennoch ist der nachträgliche Verkauf von Gütern aus dem Carnet A.T.A. heraus möglich. „Wenn eine deutsche Firma die Gelegenheit hat, ihre Maschine auf einer Messe in Russland zu verkaufen, wäre es ja sträflich, zu verlangen, dass sie sie erst nach Deutschland zurücktransportiert und dann wieder einführt“, findet Eva-Maria Stolte, Zollreferentin der IHK Frankfurt.

Um die Ausstellungsgüter im Ausland zu verkaufen, kann die ausführende Firma für die Waren daher nachträglich eine Ausfuhranmeldung beim deutschen Zoll einreichen. Auch im Zielland muss sie sie ordnungsgemäß verzollen und die entsprechenden Zollabgaben nachträglich entrichten.

„Viele Messen haben dafür direkt einen Zöllner vor Ort“, berichtet Stolte. Ihn sprechen deutsche Firmen an, die ihre Ausstellungsware aufgrund eines Verkaufs im Land lassen möchten. Er vermerkt dann im Carnet-Heft, welche Maschine aus der Warenliste im Land verbleibt und bestätigt schriftlich, dass die verkaufende Firma nachträglich die Einfuhrabgaben entrichtet hat. „Damit ist das Carnet sauber und der Rest der Waren kann problemlos zurückgeführt werden“, so Stolte.

Keine Option für Verbrauchswaren

Jedoch ist diese nachträgliche Verzollung nur für Waren möglich, die grundsätzlich für die unveränderte Wiedereinfuhr gedacht waren, betont Stolte. Give-aways wie mit dem Firmenlogo bedruckte Kugelschreiber oder Prospekte und Flyer zählen nicht dazu und müssen beim Import ganz normal durch den Zoll gehen.