Freitag, 07.08.2015

Bildquelle: Fuse/Thinkstock/Getty Images

Wenn Siebenwurst seine Lagerkapazitäten im Ausland nicht vollständig nutzt, vermietet der Werkzeug- und Formenbauer freie Fläche an andere Mittelständler unter.

Zukunftsmärkte
Kooperation lohnt sich für Mittelstand

"Sprecht miteinander!"

Aus Angst, dass ein Konkurrent ihre Strategie kopiert, bearbeiten Mittelständler Auslandsmärkte meist im Alleingang. Siebenwurst-Auslandschef Christian Walter hält das für falsch. Seine Firma vermietet Lagerfläche unter und tauscht mit anderen Unternehmern Dienstleistererfahrungen aus.

Mittelständler verlassen sich im Aufbau ihres globalen Geschäfts zu wenig auf den Austausch untereinander. "Im Zweifel stellen sich zwei deutsche Firmen, die gerade ausloten, wie sie den mexikanischen Markt betreten können, die gleichen Fragen", meint Christian Walter, Geschäftsführer aller Auslandsniederlassungen des Werkzeug- und Formenbauers Siebenwurst. "Daher: sprecht miteinander, helft euch!"

Derzeit werde der Kontakt mit anderen deutschen Firmen zu wenig gepflegt, findet Walter. Grund ist teils die Sorge davor, dass ein anderes Unternehmen die eigene Strategie kopiert. Diese Angst hält Walter jedoch für unbegründet: "Ich muss ja nicht direkt meinen Wettbewerber anrufen, aber vielleicht einen Zulieferer oder einen bekannten Unternehmer aus einer anderen Branche."

Investitionskosten wieder reinholen

Siebenwurst lebt die Kooperation mit Firmen im Ausland, indem das Unternehmen etwa leerstehenden Platz in seinen Lagerhallen vermietet. "Wenn ich einmal die Infrastruktur geschaffen und gelegt habe: Wieso sollte ich sie dann nicht mit einer anderen Firma teilen und darüber einen Teil meiner Investitionskosten wieder reinholen?", so Walter.

Aufgrund ihrer engen finanziellen und personellen Kapazitäten müssen Mittelständler in der Erschließung von Auslandsmärkten sehr sparsam vorgehen. "Da ist man für jeden eingesparten Euro und jede Stunde eingesparte Arbeitszeit dankbar!"

Funktionierendes Netzwerk von unschätzbarem Wert

Bildquelle: Christian Karl Siebenwurst GmbH & Co. KG

Christian Walter leitet die Auslandsniederlassungen von Siebenwurst.

Vor allem während der Orientierungsphase für einen Auslandsmarkt vereinfacht ein funktionierendes Netzwerk vieles. Kontakt zu fähigen Anwälten für das örtliche Steuerrecht könne man sich ebenso vermitteln wie die Verbindung zu Dienstleistern oder Personalvermittlern. "Es gibt kaum Mittelständler, die alles aus eigener Kraft erobern können, sie sollten daher auf Kollegialität setzen", findet Walter.

Der Netzwerkaufbau über die Auslandshandelskammern hat für Siebenwurst im Ausland nicht gut funktioniert. Zu starr waren die Strukturen, zu wenig wahrer Austausch wurde gepflegt. Auslandschef Christian Walter hat stattdessen spontan Unternehmer angerufen, die in der lokalen oder deutschen Presse im Zusammenhang mit einem Markt auftauchten, den Siebenwurst bereits bearbeitete oder derzeit analysierte.

Aus dem steten Austausch hätten sich sogar schon Projekte und Aufträge für Siebenwurst ergeben, freut sich Walter. "Für uns ist das so aufgebaute Netzwerk daher von unschätzbarem Wert."