Donnerstag, 05.10.2017

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Scheiden tut weh: Der Austritt Großbritanniens aus der EU lässt das Risiko für Firmeninsolvenzen ansteigen.

Zukunftsmärkte
Anstieg der Insolvenzen

Studie: Brexit sorgt für mehr Firmeninsolvenzen

Noch ist das Vereinigte Königreich Mitglied der Europäischen Union. Doch schon jetzt führt der bevorstehende Brexit dazu, dass mehr Firmen auf der Insel pleite gehen. Auch in Griechenland und Portugal gibt es trotz einer leichten Entspannung keine Entwarnung.

Besonders viele Unternehmensinsolvenzen dürfte es im kommenden Jahr in Großbritannien geben. Zu diesem Ergebnis kommt der Kreditversicherer Atradius in einer aktuellen Studie, in der die Wahrscheinlichkeit möglicher Unternehmenskonkurse in 17 europäischen Ländern sowie in Australien, Japan, Kanada, Neuseeland und in den USA untersucht wurde.

Für fast alle Staaten prognostizieren die Autoren der Studie einen Rückgang der Firmeninsolvenzen. Außer in Großbritannien: Hier dürfte die Zahl der Konkurse im nächsten Jahr um 4 Prozent zunehmen, wie die Experten schreiben. Bereits in diesem Jahr dürften 2 Prozent der britischen Unternehmen Insolvenz anmelden. Dies ist der erste Anstieg seit dem Jahr 2011. Über 7.500 Firmen waren allein im ersten Halbjahr in die Insolvenz gerutscht. Zu den Branchen, in denen das Insolvenzrisiko derzeit am höchsten ist, zählen der Einzelhandel und die Bauindustrie. Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa bei Atradius, mahnt zur Vorsicht: „Exporteure sollten daher die Bonität ihrer britischen Abnehmer eng im Blick haben.“

Risiken bleiben nicht nur in Großbritannien hoch

Laut dem Kreditversicherer bekommt die britische Wirtschaft erst jetzt die Schattenseiten des Brexit-Votums zu spüren. Während sich die Exporteure im produzierenden Gewerbe zunächst über das schwache Pfund freuen konnten, sorgt die schwächere Nationalwährung jetzt für verteuerte Importe. Für schlechte Nachrichten sorgt auch die Inflationsrate: Diese kletterte im Frühjahr auf 2,7 Prozent – und damit auf den höchsten Stand seit vier Jahren. Zu weiterer Unsicherheit führten die Verhandlungen Großbritanniens mit der Europäischen Union über den EU-Austritt, da deren Ergebnis noch völlig offen sei.

Etwas erfreulicher sieht es hingegen in Portugal und Griechenland aus. Hier erwarten die Studienautoren einen leichten Rückgang bei den Insolvenzen. In Portugal dürfte es über 10 Prozent weniger Firmenpleiten in diesem Jahr geben. Allerdings bleibe das Risiko weiterhin hoch. Ähnlich sieht es in Griechenland aus. Damit zählen die beiden südosteuropäischen Länder noch immer zu den Sorgenkindern Europas. In den anderen europäischen Staaten sieht die Lage nicht weniger kritisch aus: Die Zahl der Firmenpleiten in der EU bewege sich noch immer 50 Prozent über dem Vorkrisenniveau des Jahres 2007.