Mittwoch, 01.04.2015
In Häfen wie diesem sind immer mehr deutsche Unternehmen unterwegs: China ist mit Abstand der wichtigste Handelspartner in der Region Asien-Pazifik.

LeeYiuTung/istock/Getty Images

In Häfen wie diesem sind immer mehr deutsche Unternehmen unterwegs: China ist mit Abstand der wichtigste Handelspartner in der Region Asien-Pazifik.

Zukunftsmärkte
China unangefochten wichtigster Handelspartner

Trends im deutschen Handel mit Asien

Deutschland steht gut da im Handel mit der Region Asien-Pazifik: Damit das so bleibt, ist die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte eine Voraussetzung. Unerlässlich sind außerdem differenzierte Kenntnisse der asiatischen Volkswirtschaften, um flexibel auf die dynamischen Entwicklungen der einzelnen Länder zu reagieren.

Drei Trends im Handel zwischen Deutschland und der Region Asien-Pazifik sieht Daniel Marek, Regionalmanager ASEAN beim OAV - German Asia-Pacific Business Association, und stellt fest: „Der deutsche Handel mit der Region wächst. Sowohl das absolute Volumen als auch der Anteil des deutschen Handels mit der Region Asien-Pazifik am gesamten Handel Deutschlands haben in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt“. Dieser Trend werde sich in der Zukunft fortsetzen. Zweitens ist China weiterhin Handelspartner Nummer 1 in der Region für deutsche Unternehmen – ebenfalls eine Entwicklung, die sich in den nächsten Jahren nicht ändern werde. Drittens sieht Marek eine Verschiebung der Handelspartner: „Die Entwicklungen deuten darauf hin, dass Korea mittelfristig Japan als zweitgrößten Absatzmarkt in Asien-Pazifik ablösen könnte.“

Handel mit Region Asien-Pazifik wächst

Etwa verdoppelt hat sich der deutsche Handel mit der Region Asien-Pazifik in den vergangenen zehn Jahren. Von 163 Milliarden Euro im Jahr 2004 ist er auf 320 Milliarden Euro im Jahr 2014 gestiegen, so die aktuellen Zahlen. Der Anteil des deutschen Handels mit der Region Asien-Pazifik am gesamten Handel mit der Welt hat im selben Zeitraum von 12,4 auf 15,6 Prozent zugelegt.

Angesichts der demographischen und wirtschaftlichen Entwicklung der asiatischen Länder ist diese Entwicklung nicht überraschend. „Die Antwort auf die Frage, wo die Märkte der Zukunft sind, ist offensichtlich. Beantworten müssen deutsche und auch europäische Unternehmen die Frage, welchen Anteil sie daran haben werden“, fordert C. Michael Illies, geschäftsführender Gesellschafter der C. Illies & Co. Sein Unternehmen exportiert seit 150 Jahren Investitionsgüter und technische Anlagen nach Asien. „Der Erfolg, den Deutschland in Asien hat, darf keinesfalls zum Ausruhen verführen. Unsere Wettbewerbsfähigkeit muss systematisch und konsequent verbessert werden, damit Perspektiven und Chancen in Asien nicht verloren gehen.“ Ein schwacher Euro reiche da nicht aus, ergänzt Illies, unerlässlich seien Investitionen in die Innovationsfähigkeit des Standorts Deutschland.

China ist und bleibt Nummer 1

Nach Frankreich und den Niederlanden ist China der drittgrößte Handelspartner Deutschlands. In der Region Asien-Pazifik ist China weiterhin mit Abstand der wichtigste Handelspartner Deutschlands. Um 11,3 Prozent nahm das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern im vergangenen Jahr zu. Die deutschen Exporte nach China stiegen auf 74,5 Milliarden Euro (2013: 66,9 Milliarden Euro), die Importe aus China legten um 6,4 Prozent auf 79,3 Milliarden Euro zu. „Das bilaterale Handelsvolumen betrug 2014 153,9 Milliarden Euro und machte damit 46 Prozent des Handels mit der Region Asien-Pazifik aus“, berichtet Asienexperte Marek und fügt hinzu: „Eine Umkehrung dieses Trends ist trotz der kritischen Berichterstattung über die wirtschaftliche Entwicklung in China nicht abzusehen.“ Das Pro-Kopf-BIP Chinas wird sich bis 2050 etwa verzehnfachen, erwarten Wirtschaftsforscher. Der Anteil des BIP Chinas am BIP der Welt kann dann bei 50 Prozent liegen.

Südkorea holt Japan ein

Am Beispiel von Japan und Südkorea wird eine weitere Entwicklung in der Region Asien-Pazifik deutlich: Da immer mehr japanische und koreanische Produktionsstätten in andere Länder Asiens oder nach Osteuropa ausgelagert werden, zeigen sich die Importe rückläufig (-2,2 Prozent bzw. -0,8 Prozent). Die Exporte nach Japan haben um 0,9 Prozent abgenommen, Exporte nach Korea sind hingegen mit +8,2 Prozent deutlich gestiegen. Diese Entwicklung ist auch als mittelfristiger Trend feststellbar: „Exportierte Deutschland im Jahr 2004 noch fast doppelt so viele Waren und Dienstleistungen nach Japan (12,7 Milliarden Euro) wie nach Südkorea (6,4 Milliarden Euro), so liegen die Exporte in beide Länder im Jahr 2014 fast gleich auf“, stellt Daniel Marek fest.
 
Sobald sich in Ländern die industriellen und gesellschaftlichen Strukturen ändern, ziehen auch die Industrieschwerpunkte in der Region weiter. Im rückläufigen Handel mit Japan etwa zeigt sich, dass deutsche Unternehmen versäumt haben, die japanischen Konsumgütermärkte zu besetzen, während die Industriebasis in andere Länder abgewandert ist. „Die Industrieschwerpunkte ziehen weiter“, sagt C. Michael Illies. „Diese Entwicklung beobachten wir schon lange. Lokaler Sachverstand und Flexibilität, die wir durch unsere starke Präsenz in den vielen asiatischen Ländern gewährleisten, sind unser Erfolgsrezept, in der Region erfolgreich zu sein.“ Die Dynamik in der Verschiebung der Handelsströme wird auch in Zukunft erhalten bleiben. Dafür werden die hohen Wachstumsraten in Ländern wie Indien aber auch in kleineren Staaten, wie etwa Bangladesch, Vietnam oder den Philippinen sorgen.