Freitag, 24.03.2017
Derzeit setzt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auf politische Konfrontation mit der EU. Für den deutschen Mittelstand gibt es dennoch keinen Grund zur Sorge.

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Derzeit setzt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auf politische Konfrontation mit der EU. Für den deutschen Mittelstand gibt es dennoch keinen Grund zur Sorge.

Zukunftsmärkte
„Nach dem Referendum wieder Normalität“

Türkei: Exporteure aus dem Mittelstand von Politik nicht betroffen

Politisch ist das türkisch-deutsche Verhältnis stark angespannt. Die bilateralen Geschäftsbeziehungen betrifft das jedoch kaum. Sie sind beiden Seiten zu wichtig.

In den vergangenen Wochen hat sich die politische Stimmung zwischen Deutschland und der Türkei stetig verschärft. Für Mittelständler hat dies bis dato kaum Auswirkungen, beruhigt Muhammed Altunkaya. Zu wichtig sind beiden Seiten die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen, um sie aufs Spiel zu setzen.

Muhammed Altunkaya ist Rechtsanwalt bei Goldcliff Stark, sein Fachgebiet sind grenzüberschreitende Rechtsszenarien.

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Muhammed Altunkaya ist Rechtsanwalt bei Goldcliff Stark. Sein Fachgebiet sind grenzüberschreitende Rechtsszenarien.

Wie erleben deutsche Firmen in der Türkei die derzeitige diplomatische Krise?
Generell sind Unternehmen von dem politisch-verbalen Schlagabtausch wenig betroffen, ihr Geschäft geht zumeist ganz normal weiter. Es ist auch nicht damit zu rechnen, dass die politischen Verwerfungen zu Sanktionen führen. Daher gibt es derzeit keinen Grund, die Alarmglocken zu läuten. Für die Türkei sind die Investitionen ausländischer Unternehmen von hoher Bedeutung. Das Land wird sich daher hüten, sie zu verschrecken. 

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Türkei in näherer Zukunft der EU beitritt, sinkt aber…
Kaum ein deutscher Unternehmer dürfte sein Türkei-Geschäft darauf aufgebaut haben, dass die Türkei innerhalb der nächsten fünf Jahre EU-Mitglied wird. Dies war zwar immer langfristiges politisches Ziel, aber zu weit weg, um für unternehmerische Entscheidungen den Ausschlag zu geben. 

Nach dem Putschversuch vergangenen Juli rieten Sie Unternehmern, Ruhe zu bewahren und abzuwarten. Empfehlen Sie das noch immer?
Im Großen und Ganzen ja. Denn die Lage dürfte sich wieder stabilisieren. Ich rechne damit, dass sich das politische Klima nach dem Referendum am 16. April wieder normalisiert. Mit der EU und ausländischen Unternehmen zu brechen, ist nicht im türkischen Interesse.

Zusätzlich zu der diplomatischen gibt es aber ja auch eine Wirtschaftskrise in der Türkei, die Auswirkungen hat auf ausländische Unternehmer…
Zweifelsohne, und die wiegt deutlich schwerer als die diplomatische Krise. Die Türkei hat mit einer hohen Inflation zu kämpfen, die Währung wird seit Jahren abgewertet. Dadurch kann es häufiger als früher zu Zahlungsverzögerungen oder -ausfällen türkischer Kunden kommen. Das ist für deutsche Exporteure problematisch.

Wie sollten sie sich dagegen absichern?
Um sich abzusichern, könnten sie Geschäfte mit türkischen Kunden vornehmlich auf Vorkasse vereinbaren oder auf Bankbürgschaften zurückgreifen. Wenn im Sommer aber wieder mehr Touristen kommen und Geld ins Land bringen, dürfte die Lira auch wieder an Wert zulegen und die Zahlungsmoral türkischer Kunden wieder besser werden. Dann wird das Türkei-Geschäft für deutsche Mittelständler auch wieder verlässlicher.