Donnerstag, 14.03.2013
Zukunftsmärkte
Neue Märkte im Mittelstand-Check: Brasilien

Unternehmen in Brasilien: Umgehen mit dem Custo Brasil

Brasilien hat ein schwieriges Jahr 2012 hinter sich. Das Wachstum der Wirtschaft in Brasilien war hinter den Erwartungen zurückgeblieben, der „Custo Brasil“, horrende Zusatzkosten, macht dem Land aktuell Probleme. Die Investitionsvorhaben für die nächsten Jahre sind allerdings enorm. Brasilien im Mittelstand-Check.

Das vergangene Jahr war kein einfaches für die Wirtschaft in Brasilien, immerhin sechststärkste Wirtschaftsnation der Welt. Trotz weiterhin wachsenden Konsums schrumpfte der Output der Industrie 2012 in Brasilien um 2,4 Prozent. Schon 2011 hatte er mit lediglich 0,3 Prozent nur ein knappes Wachstum verzeichnet. Grund für das Negativwachstum sind die unsichere Konjunkturlage sowie diverse Zusatzkosten, „Custo Brasil“ genannt: Darunter fallen etwa schlechte Logistik und Infrastruktur, hohe Steuern, hohe Finanzierungskosten oder der Fachkräftemangel. So stiegen laut Industrieverband CNI die Lohnkosten im Jahr 2012 mit 5,1 Prozent doppelt so stark wie die Umsätze der Unternehmen in Brasilien. Hohe Logistikkosten verbrennen 20 Prozent der Umsätze der Unternehmen. Ein weiteres Problem für Mittelständler aus Deutschland sind hohe Finanzierungskosten. Die Notenbank hat seit Mitte 2011 die Zinsen zwar deutlich gesenkt, was auch die Überbewertung der Landeswährung Real korrigiert hatte. Doch langfristige zinsgünstige Kredite mit einem Niveau von 5 Prozent p.a. vergibt lediglich die nationale Entwicklungsbank BNDES. Finanzierungskosten für ausländische Unternehmen in Brasilien sind höher als für nationale Unternehmen. Dem Custo Brasil wird seitens der Regierung nun der Kampf angesagt. Bis 2016 sind Investitionen in Infrastruktur und Logistik von knapp 70 Milliarden Euro geplant. Für 2013 wird daher wieder ein Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent prognostiziert, die Industrie-Produktion soll wieder um über 5 Prozent zulegen.

Wirtschaft in Brasilien: Zoll und Steuer

Die Steuer wird in Brasilien von Bund, Bundesstaaten und Gemeinden eingehoben. Der Bund erhebt etwa Zoll, Exportsteuer und Körperschaftssteuer, die Bundesstaaten die Umsatzsteuer und die Gemeinden Steuer auf Immobilien. Der Custo Brasil bedeutet grundsätzlich hohe Steuern. Allerdings: Auf allen Ebenen können Begünstigungen zur Förderung von Investitionen gewährt werden. Dadurch entstehen große regionale Investitionsanreize. Besondere Steuervorteile werden etwa im Nordosten von Brasilien im Bundesstaat Pernambuco gewährt. Je stärker im Hinterland investiert wird, desto mehr Steuervorteile für den Warenumlauf gewährt der Bundesstaat. Erwerben Unternehmen der Industrie Investitionsgüter, so fällt darauf aktuell keine Steuer an. Diese Regelung gilt vorerst bis Ende 2013. Steuerbegünstigungen gelten auch für Importe im Zusammenhang mit dem Fußball-Confed-Cup 2013 und der Fußball-Weltmeisterschaft 2014.
Die Wirtschaft in Brasilien ist äußerst geschlossen. Der Industrie fehlt es an internationaler Wettbewerbsfähigkeit, weswegen hoher Import-Zoll den heimischen Markt vor Konkurrenz aus dem Ausland schützt. Zuletzt wurde der Zoll auf immer neue Produkte erhöht. Mit plötzlichen, zeitlich befristeten Steuererhöhungen müssen Unternehmen in Brasilien stets rechnen. Begünstigt vom Zoll können nur Güter eingeführt werden, wenn sie nicht in Brasilien herstellbar sind. Hier beträgt der Steuersatz lediglich 2 Prozent. Der Import von Waren darf nur von berechtigten Unternehmen in Brasilien vorgenommen werden. Die Unternehmen müssen in einem Register eingetragen sein. Ist der Importeur ein Unternehmen, kann die Einfuhr nur über den Geschäftsführer, einen Bevollmächtigten oder einen Zollagenten passieren. Stimmen Angaben auf den Dokumenten und der Sendung nicht überein, kann es zu Verzögerungen kommen. Die Antragstellung auf Import muss bereits vor der Verschiffung geschehen. Keine Lizenz wird für Produkte benötigt, die nicht in Brasilien herstellbar sind. Die Regierung hat angekündigt, noch in diesem Jahr eine App auf den Markt zu bringen, mit deren Hilfe Güter mittels Tablet oder Smartphone deklariert werden können.

Wirtschaft in Brasilien: Fachkräfte finden

Brasilien braucht als weitere Folge des Custo Brasil dringend Fachkräfte. 400.000 bis 500.000 qualifizierte Fachkräfte sollen für die Wirtschaft in Brasilien in den nächsten Jahren ins Land geholt werden. Lediglich 12 Prozent der 25- bis 34-jährigen verfügen über einen höheren Bildungsabschluss. Genauso wie hierzulande sind somit auch in Brasilien die Fachkräfte knapp. Besonders hilfreich bei der Suche nach Fachkräften sind Jobportale. Um Fachkräfte anzusprechen, müssen Unternehmen in Brasilien neben einem großzügigen Gehalt noch weitere Benefits bieten. Dazu gehören Krankenversicherungen oder Fahrtkosten- und Verpflegungszuschüsse. Für Führungskräfte kommen Firmenwagen oder Zusatzversicherungen für die Familie hinzu, außerdem Aufstiegsperspektiven oder ein MBA-Stipendium. Stellen für Führungskräfte werden zum Großteil über persönliche Netzwerke besetzt. Die großen Personaldienstleister sind alle vor Ort und unterstützen bei der Suche nach dem passenden Manager. Das Gehalt ist je nach Region, Unternehmen und Berufserfahrung unterschiedlich. In São Paulo ist das Gehalt höher als im restlichen Brasilien. Es gibt Webseiten, auf denen monatlich Mindest-, Mittel- und Höchstwerte für Fachkräfte nach Berufsgruppen abgerufen werden können, auf manchen zudem noch den Verlauf der letzten Jahre.

Wirtschaft in Brasilien: Wer hilft weiter?

Links zu Ansprechpartnern vor Ort sowie wichtige Links zu Fragen der Investition, Finanzierung sowie zur Suche nach Fachkräften inklusive Gehalts-Checks finden Mittelständler hier.