Donnerstag, 11.05.2017
Zukunftsmärkte
Wir sind Mittelstand

Was bedeutet der Brexit für Ihr Unternehmen?

Der Antrag auf Ausstieg der Briten aus der EU ist seit Ende März offiziell. Aber was bedeutet der Brexit für die Mittelständler? Wir haben bei Unternehmern nachgefragt.

Der Antrag auf Ausstieg der Briten aus der EU ist seit Ende März offiziell. Sollte der Austritt nach zwei Jahren vollzogen werden, sind eine Reihe von Nachteilen wie Steuernachzahlungen für deutsche Unternehmen mit Tochtergesellschaften in Großbritannien zu befürchten. Bei den Exporten sind bereits Veränderungen zu erkennen. Die deutschen Ausfuhren auf die Insel sanken 2016 mit 86 Milliarden Euro um 3 Milliarden im Vergleich zu 2015. Allein fast zwei Milliarden Euro weniger entfallen auf den Export von Autos und Kraftwagenteile.

Alexander Springer, CEO und Mitbegründer der prevero AG, ein Unit4-Unternehmen, München „Für uns könnte ein Brexit in mehrerer Hinsicht negative Auswirkungen haben. Da wir eine Niederlassung in UK betreiben, könnte zum einen die Arbeitsmarktflexibilität darunter leiden, zum anderen könnte es generell schwieriger werden - Stichwort Arbeitserlaubnis - Mitarbeiter nach England zu transferieren. Auch Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft der britischen Unternehmen wären denkbar - was allerdings kontraproduktiv wäre, denn gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind Planungstools unverzichtbar.“<b>Alexander Springer</b>, CEO und Mitbegründer der prevero AG, ein
Unit4-Unternehmen, München<br>
„Für uns könnte ein Brexit in mehrerer Hinsicht negative Auswirkungen haben. Da wir eine Niederlassung in UK betreiben, könnte zum einen die Arbeitsmarktflexibilität darunter leiden, zum anderen könnte es generell schwieriger werden - Stichwort Arbeitserlaubnis - Mitarbeiter nach England zu transferieren. Auch Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft der britischen Unternehmen wären denkbar - was allerdings kontraproduktiv wäre, denn gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind Planungstools unverzichtbar.“ Dirk U. Proff, Founder & CEO, blueforte GmbH: „Die mittelfristigen Unsicherheiten des Brexit eröffnen kurzfristige Umsatzchancen. Wir beobachten, dass unsere mittelständischen Kunden kurz nach Bekanntgabe des Austritts aus der EU auf der Suche nach modernen, Brexit kompatiblen Analytics-Lösungen sind. Dennoch ist es schwer, diese Nachfrage genau zu bemessen, was auf die fehlende Einigung zwischen der EU und Großbritannien in Bezug auf Themenfelder wie Handel, Datensicherheit und Vertragsrecht zurückzuführen ist. Diese mangelnde Sicherheit hält viele Unternehmen davon ab, in IT-Lösungen zu investieren.“<b>Dirk U. Proff,</b> Founder & CEO, blueforte GmbH:<br>
„Die mittelfristigen Unsicherheiten des Brexit eröffnen kurzfristige Umsatzchancen. Wir beobachten, dass unsere mittelständischen Kunden kurz nach Bekanntgabe des Austritts aus der EU auf der Suche nach modernen, Brexit kompatiblen Analytics-Lösungen sind. Dennoch ist es schwer, diese Nachfrage genau zu bemessen, was auf die fehlende Einigung zwischen der EU und Großbritannien in Bezug auf Themenfelder wie Handel, Datensicherheit und Vertragsrecht zurückzuführen ist. Diese mangelnde Sicherheit hält viele Unternehmen davon ab, in IT-Lösungen zu investieren.“Ralf Ostheider, Leiter Vertrieb und Mitglied der Geschäftsleitung, etampa AG, Grenchen/Schweiz: „Als Schweizer Produktionsunternehmen leben wir überwiegend vom Export, das ist sicher kein Geheimnis. Die Entwicklung des Wechselkurses gleicht dabei einem Wechselbad der Gefühle: Wenn der Euro schwächer wird – was beim Brexit möglich wäre – wird der Export unserer Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen nochmal schwieriger werden. Nach einer gegenteiligen Entwicklung sieht es eher nicht aus, denn bereits im Frühjahr 2016, noch vor der Brexit-Entscheidung, hatte die Schweizer Nationalbank ihre Euro-Stützungskäufe verdoppelt.“<b>Ralf Ostheider,</b> Leiter Vertrieb und Mitglied der Geschäftsleitung, etampa AG, Grenchen/Schweiz:<br>
„Als Schweizer Produktionsunternehmen leben wir überwiegend vom Export, das ist sicher kein Geheimnis. Die Entwicklung des Wechselkurses gleicht dabei einem Wechselbad der Gefühle: Wenn der Euro schwächer wird – was beim Brexit möglich wäre – wird der Export unserer Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen nochmal schwieriger werden. Nach einer gegenteiligen Entwicklung sieht es eher nicht aus, denn bereits im Frühjahr 2016, noch vor der Brexit-Entscheidung, hatte die Schweizer Nationalbank ihre Euro-Stützungskäufe verdoppelt.“Bernhard E. Kallup, Vorsitzender der Geschäftsführung, Dauphin Office Interiors GmbH & Co. KG: „Als weltweit tätige Unternehmensgruppe ist die Dauphin HumanDesign Group von möglichen Auswirkungen des Brexit in verschiedener Weise betroffen. Einerseits sind wir in dem für unsere Branche fünftgrößten Exportmarkt UK über ein Tochterunternehmen vertreten. Wechselkurs- und Nachfrageschwankungen betreffen uns also unmittelbar. Andererseits führt eine mögliche Verlagerung von Unternehmen auf das Europäische Festland zu einer steigenden Nachfrage nach Bürodrehstühlen und Büromöbeln. Davon können wir profitieren. Unter dem Strich sehen wir daher mögliche Auswirkungen des Brexit auf unsere Unternehmensgruppe als wenig bedrohlich an.“<b>Bernhard E. Kallup,</b> Vorsitzender der Geschäftsführung, Dauphin Office Interiors GmbH & Co. KG:<br>
„Als weltweit tätige Unternehmensgruppe ist die Dauphin HumanDesign Group von möglichen Auswirkungen des Brexit in verschiedener Weise betroffen. Einerseits sind wir in dem für unsere Branche fünftgrößten Exportmarkt UK über ein Tochterunternehmen vertreten. Wechselkurs- und Nachfrageschwankungen betreffen uns also unmittelbar. Andererseits führt eine mögliche Verlagerung von Unternehmen auf das Europäische Festland zu einer steigenden Nachfrage nach Bürodrehstühlen und Büromöbeln. Davon können wir profitieren. Unter dem Strich sehen wir daher mögliche Auswirkungen des Brexit auf unsere Unternehmensgruppe als wenig bedrohlich an.“Jürgen Biffar, Geschäftsführer, DocuWare GmbH, Germering: „Wir werden unsere Expansion in Großbritannien unbeirrt fortsetzen. Als Softwarehersteller stehen wir nicht im Fokus etwaiger Handelsbeschränkungen. Wir haben in unserer Niederlassung in London auch einen deutschen Mitarbeiter, wir rechnen nicht mit behördlichen Problemen für ihn. Unsere Lösungen für die einfache Automatisierung von Geschäftsprozessen helfen den Unternehmen, effizienter und wirtschaftlicher zu arbeiten. Damit haben wir immer gute Absatzmöglichkeiten, falls der Brexit zu einer deutlichen Schwächung der Britischen Wirtschaft führt.“<b>Jürgen Biffar,</b> Geschäftsführer, DocuWare GmbH, Germering:<br>
„Wir werden unsere Expansion in Großbritannien unbeirrt fortsetzen. Als Softwarehersteller stehen wir nicht im Fokus etwaiger Handelsbeschränkungen. Wir haben in unserer Niederlassung in London auch einen deutschen Mitarbeiter, wir rechnen nicht mit behördlichen Problemen für ihn. Unsere Lösungen für die einfache Automatisierung von Geschäftsprozessen helfen den Unternehmen, effizienter und wirtschaftlicher zu arbeiten. Damit haben wir immer gute Absatzmöglichkeiten, falls der Brexit zu einer deutlichen Schwächung der Britischen Wirtschaft führt.“Markus Kirchner, Unternehmenssprecher,  Vetter Pharma International GmbH, Ravensburg: „Als international tätiger Pharmadienstleister pflegen wir selbstverständlich auch Geschäftsbeziehungen zu britischen Unternehmen. Der Brexit wird sich unserer Meinung nach auf Vetter wenn dann eher mittelfristig auswirken. Die Europäische Union und die Gesetzgeber werden voraussichtlich zwei Jahre, eventuell auch länger, Vorlauf für die Umsetzung benötigen. Konkret bedeutet dies, dass sich danach Bestimmungen für die Einfuhr und die Besteuerung unserer gelieferten Waren ändern könnten. Wir müssen auch Verträge mit Kunden und Lieferanten prüfen. Und was der Brexit für die Zusammenarbeit mit der britischen Gesundheitsbehörde im Einzelnen bedeutet, ist noch unklar. Für uns gilt: Wir werden auch in Zukunft alles unternehmen, um bestmöglich mit unseren britischen Kunden, Lieferanten und der dortigen Gesundheitsbehörde zusammenzuarbeiten.“<b>Markus Kirchner,</b> Unternehmenssprecher, Vetter Pharma International GmbH, Ravensburg:<br>
„Als international tätiger Pharmadienstleister pflegen wir selbstverständlich auch Geschäftsbeziehungen zu britischen Unternehmen. Der Brexit wird sich unserer Meinung nach auf Vetter wenn dann eher mittelfristig auswirken. Die Europäische Union und die Gesetzgeber werden voraussichtlich zwei Jahre, eventuell auch länger, Vorlauf für die Umsetzung benötigen. Konkret bedeutet dies, dass sich danach Bestimmungen für die Einfuhr und die Besteuerung unserer gelieferten Waren ändern könnten. Wir müssen auch Verträge mit Kunden und Lieferanten prüfen. Und was der Brexit für die Zusammenarbeit mit der britischen Gesundheitsbehörde im Einzelnen bedeutet, ist noch unklar. Für uns gilt: Wir werden auch in Zukunft alles unternehmen, um bestmöglich mit unseren britischen Kunden, Lieferanten und der dortigen Gesundheitsbehörde zusammenzuarbeiten.“