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Debatte > Internationale Vergleichsstudie

Deutscher Mittelstand besonders häufig von Zahlungsausfällen betroffen

Folgeeffekte durch Inflation, Energiekosten und gestörte Lieferketten: Wenn Kunden nicht zahlen oder in die Insolvenz gehen, ist die Liquidität von KMU gefährdet. Ein Gastbeitrag von Markus Haupt, Geschäftsführer von Bibby Financial Services.

Zahlungsausfälle und Liquiditätsrisiken: Der deutsche Mittelstand kämpft mit den Auswirkungen von Inflation, Energiekosten und gestörten Lieferketten. Bildquelle: Shutterstock

Als der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem jüngsten Wachstumsausblick vermeldete, die deutsche Volkswirtschaft sei die einzige unter mehr als 20 untersuchten Ländern, deren Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr zurückgehe, da machten Zuschreibungen von einer deutschen „Malaise“ und dem „Kranken Mann Europas“ schnell die Runde. Wie damals Ende der 90er Jahre, als Deutschland bei der Wettbewerbsfähigkeit schon einmal Schlusslicht  war.

Die Ergebnisse der aktuellen Studie Global Business Monitor 2023 des Finanzdienstleisters Bibby Financial Services legen nun nahe: Steigende Preise durch Inflation sowie hohe Betriebs- und Energiekosten belasten auch in anderen Ländern die kleinen und mittelständischen Unternehmen. Allerdings gibt es einige strukturelle Probleme, die vornehmlich den deutschen Markt betreffen.

Kostenkrise

Im Rahmen der Studie wurden 1.800 mittelständische Unternehmen in neun Märkten (davon 200 in Deutschland) weltweit befragt. Länderübergreifend halten im Schnitt vier von zehn Betrieben die derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für schwieriger als während der Corona-Pandemie. In Deutschland zeigen sich einige Besonderheiten: So sind nicht nur die Betriebs-, Energie- und Rohstoffkosten hohe Belastungsfaktoren. Auch der Fachkräftebedarf, der von jedem dritten Betrieb (30 Prozent) als Herausforderung genannt wird, ist in keinem der untersuchten Märkte so ausgeprägt wie hierzulande. Zudem registrieren vor allem deutsche Unternehmen - trotz Entspannung im Welthandel - weiterhin Engpässe durch gestörte Lieferketten. Nur in Großbritannien, wo zusätzlich die Folgen des Brexits durchschlagen, ist dies im internationalen Vergleich ähnlich ausgeprägt. Über die Hälfte der deutschen Mittelständler (52 Prozent) plant, die gestiegenen Kosten an Kunden weiterzugeben.

Gefahren für Deckungsbeiträge

Viele KMU kommen nicht umhin, sich intensiv mit ihren Deckungsbeiträgen, also der Differenz zwischen den Erlösen und den immer höheren variablen Kosten, zu beschäftigen. Die Einnahmen, die im täglichen Geschäft genutzt werden, um laufende Kosten und Aufträge zu decken (Cashflow), reichen bei jedem dritten Unternehmen (35 Prozent) nicht aus, um Investitionspläne und weiteres Wachstum und zu finanzieren. Diese Unternehmen sind in der Regel auf externe Formen der Finanzierung angewiesen. Folgt man den Ergebnissen der Umfrage, dann ist die Aufnahme von Fremdkapital und damit die weitere Erhöhung des Verschuldungsgrads für einen erheblichen Anteil der KMU nur eingeschränkt empfehlenswert. Einerseits haben sich Bonitätskriterien und Konditionen für klassische Bankdarlehen angesichts des neuen Leitzinsniveaus zuletzt deutlich zuungunsten von Kreditnehmern geändert. Zum anderen haben die skizzierten Cashflow-Probleme oft mit säumigen Zahlungen von Kunden zu tun, die ihre Rechnungen nicht rechtzeitig oder sogar gar nicht begleichen. Die Umfrageergebnisse deuten darauf hin, dass die Mehrheit (54 Prozent) der hiesigen Firmen von solchen Forderungsausfällen betroffen ist. Dieser Anteil ist in anderen Ländern (im Mittel 35 Prozent) deutlich niedriger. Vier von zehn deutschen Betrieben (43 Prozent) gaben ferner an, dass einige ihrer Kunden in den letzten 12 Monaten Insolvenz angemeldet haben (international: 31 Prozent) – mit entsprechenden Ansteckungsgefahren für die Liquidität der KMU.
 

Ausblick: Empfehlungen zur Cashflow-Optimierung

Industrie- sowie Handels- und Dienstleistungsunternehmen sollten angesichts der skizzierten Herausforderungen überprüfen, welche Formen der Mittelstandsfinanzierung ihre Kasse hergibt. Es gilt, den Geldeingang für solche Umsätze zu optimieren, die tatsächlich realisiert wurden. Unter einem professionellen, risikomindernden Forderungs- und Cash Flow-Management werden dabei Maßnahmen verstanden, die darauf ausgerichtet sind, den Geldfluss, also die verfügbaren Mittel aufrechtzuerhalten. Als Alternative zum Hausbankkredit kommt – neben Leasing, Mezzanine und weiteren Typen – dafür Factoring in Betracht. Dabei werden die Forderungen an einen Factoring-Dienstleister verkauft. Das Unternehmen erhält (mit einem kleinen Abschlag) sofort die Rechnungssumme. Die Liquiditätsvorteile wirken sich positiv auf Cashflow, Eigenkapitalquote und Bonität aus.

Der Report Global Business Monitor 2023 von Bibby Financial Services kann hier über einen Downloadlink bezogen werden: Global Business Monitor 2023

Markus Haupt ist Geschäftsführer von Bibby Financial Services mit Sitz in Düsseldorf. Das Unternehmen berät weltweit über 8.500 kleine und mittelständische Unternehmen in Factoring- und Finanzierungsfragen.

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