Beitrag teilen

Link in die Zwischenablage kopieren

Link kopieren
Suchfunktion schließen
Debatte > Gastbeitrag

Up- und Reskilling – die Innovations-Booster für den Mittelstand

Job-Skills verändern sich immer schneller. Wie können Unternehmen und Mitarbeiter sich auf die stetig neuen Anforderungen der Zukunft vorbereiten?

Eric Lein, Credit Ironhack

Getrieben durch die sich stetig beschleunigende Digitalisierung und den Einzug neuer Technologien wie künstliche Intelligenz, ist die durchschnittliche Halbwertszeit der meisten Job-Skills auf mittlerweile weniger als fünf Jahre geschrumpft. Bis 2030 soll sie laut Weltwirtschaftsforum auf 2,5 Jahre sinken. Die Auswirkungen auf die Arbeitswelt sind entsprechend weitreichend, schließlich geht es nicht nur um die Zukunftsfähigkeit vieler Jobs und Jobsuchenden, sondern mittelbar auch um die der deutschen Wirtschaft. 

Ohne qualifizierte Mitarbeitende keine Innovation

Innovationen sind entscheidende Triebfedern für Wirtschaftswachstum – doch die Innovatorenquote im Mittelstand ist zuletzt laut aktuellem KfW-Innovationsbericht auf 40 Prozent gesunken. Am häufigsten bremsen laut Bericht neben hohen Innovationskosten vor allem der Mangel an Fachkräften Innovation aus. Da es immer schwieriger wird, qualifizierte Mitarbeitende neu für ein Unternehmen zu gewinnen – es gibt derzeit einfach zu wenige qualifizierte Fachkräfte –, liegt ein möglicher Lösungsweg vergleichbar nah: bestehende Mitarbeitende gezielt aus- und weiterbilden.  

Durch Up- und Reskilling wettbewerbsfähig bleiben

Laut „Future of Jobs Report 2023“ des Weltwirtschaftsforum wird erwartet, dass sich in den kommenden fünf Jahren 44 Prozent der Kernkompetenzen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern verändern werden. Und genau hier kommen die Begriffe Up- und Reskilling ins Spiel. Reskilling ist ähnlich einer Umschulung und ermöglicht es Arbeitnehmern, neue Fähigkeiten für einen anderen Job zu erlernen, wenn ihre bisherigen durch digitale Transformation obsolet werden. Ein beeindruckendes Beispiel: Ein Gießerei-Mechaniker wurde bei Mercedes durch eine Teilzeit-Weiterbildung innerhalb von 9 Monaten zum Data Specialist ausgebildet. Upskilling hingegen bedeutet, zusätzliche Kompetenzen für den aktuellen Job zu erwerben und Wissenslücken zu schließen, um mit dem technologischen Fortschritt Schritt zu halten. 

Unter den Top-10-Fähigkeiten für das Jahr 2027 befindet sich auch „lebenslanges Lernen“ – sicherlich einer der Schlüssel, um die beruflichen Herausforderungen der Zukunft zu meistern. 

Fünf gute Gründe, in Up- und Reskilling zu investieren:

  • Langfristige Kosteneinsparungen: Obwohl die anfänglichen Kosten für Up- und Reskilling-Programme hoch sein können, führen sie langfristig zu Einsparungen. Laut Report des Weltwirtschaftsforums rechnen 32 Prozent der Unternehmen mit einem „Return of Invest" (ROI) innerhalb von sechs Monaten und weitere 30 Prozent innerhalb von sechs bis zwölf Monaten. 
  • Kompetenzlücken schließen: Wenn Mitarbeitende ermutigt werden, offen für lebenslanges Lernen zu sein sowie ihre Komfortzone zu verlassen, können Unternehmen sich mitsamt ihrer Produkte und Geschäftsmodelle schneller an neue Technologien sowie damit einhergehende Veränderungen anpassen, Kompetenzlücken schließen und wettbewerbsfähig bleiben.
  • Innovation durch Wissenstransfer: Innovation entsteht nicht nur an der Schnittstelle verschiedener Industrien – sondern auch an den verschiedenen Abteilungen eines Unternehmens. Daher wird es zunehmend wichtiger, dass Mitarbeitende über den Tellerrand des eigenen Fachgebiets hinausschauen, Neues lernen und Wissen aus verschiedenen Bereichen miteinander verbinden. Eine solch heterogenere Zusammensetzung von Teams kann zu kreativeren und auch innovativeren Ergebnissen führen.
  • Resilienz durch Soft Skills: Formale Qualifikationen verlieren durch den Vormarsch von künstlicher Intelligenz zunehmend an Bedeutung – umso wichtiger wird die stetige Entwicklung von Soft Skills wie kritisches Denken, Problemlösung, Kreativität und zwischenmenschliche Fähigkeiten. Denn genau diese ermöglichen es Arbeitnehmern, mit den sich ständig ändernden Anforderungen Schritt zu halten.
  • Fachkräfte halten und gewinnen: Wenn Unternehmen gezielt in die individuelle Entwicklung von Mitarbeitenden investieren, steigt die Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung, was wiederum die Fluktuationsrate senkt und Kosten für Neueinstellungen und Einarbeitungen reduziert. Auch die Attraktivität gegenüber potenziellen neuen Talenten steigt 

Up- und Reskilling sind nicht nur Antworten auf die Herausforderungen einer sich schnell wandelnden Arbeitswelt, sondern auch Schlüsselstrategien für nachhaltiges Unternehmenswachstum und Innovationsfähigkeit. Die Investition in die kontinuierliche Entwicklung der Fähigkeiten von Mitarbeitenden ist ein wesentlicher Faktor, um mit den rasanten Veränderungen in Technologie und Wirtschaft Schritt zu halten. Und wohl eines der besten Investments in die Unternehmenszukunft.
 

 

Über den Autor
Eric Lein ist General Manager Deutschland beim internationalen Weiterbildungsinstitut Ironhack, einem Anbieter von Tech-Bootcamps. Lein hat seine beruflichen Wurzeln vor allem in der Finanz- und Digitalbranche, er wurde mit dem Wechsel zu Ironhack selbst zum Quereinsteiger und hilft heute anderen dabei, beruflich neue Wege zu gehen.