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Debatte > Gastbeitrag Christine Grotz

Warum Transformation im Mittelstand unerlässlich ist

Patriarchale Strukturen und altbewährte Hierarchien prägen den Mittelstand. Doch wie bleibt man in einer modernen Arbeitswelt konkurrenzfähig? Die Transformation beginnt bei der Unternehmenskultur.

Christine Grotz, Geschäftsführende Gesellschafterin WEBER-HYDRAULIK GMBH

New Work, Vier-Tage-Woche, Workation – gerade der Mittelstand in Deutschland läuft Gefahr von den Entwicklungen am Arbeitsmarkt abgehängt zu werden. Eines ist dabei klar: Gerade in produzierenden Gewerben sind viele Annehmlichkeiten, die Mitarbeitenden mit Bürotätigkeiten ermöglicht werden können, nicht für alle Beschäftigten realisierbar. Jegliche Modernisierungsbestrebungen von vorneherein mit diesem Argument abzuschmettern, ist jedoch zu kurz gedacht und lässt enormes Potential versickern.

Denn nicht nur oben genannte Vorteile gehören zur modernen Arbeitswelt. Denn Modernität ist nicht zuletzt eine Frage der Unternehmensorganisation und -kultur. Und diese Aspekte sind es, an denen gerade der Mittelstand ansetzen kann und muss, um ein attraktives Umfeld für alle Mitarbeitenden zu schaffen. Und Möglichkeiten gibt es zahlreiche: Agile und eigenverantwortliche Teamstrukturen, flache Hierarchien, klare und einfache Prozesse, Kommunikation auf Augenhöhe. Dazu gehört auch, die noch weit verbreiteten patriarchalen – oder matriarchalen – Strukturen abzuschaffen: Sie sind weder zeitgemäß noch wettbewerbsfähig und hemmen sowohl Unternehmen als auch Beschäftigte.

Gerade den Mitarbeitenden, egal welcher Organisationeinheit sie angehören, sollte hierbei besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Denn sie sind der Dreh- und Angelpunkt jeglicher Transformationsbestrebungen. Hierbei gilt es, sowohl zu fördern als auch zu fordern, ohne dabei zu überfordern. Es ist nicht zu unterschätzen, wie gravierend sich langjährige Top-Down-Kulturen auf die Selbstwahrnehmung und die Eigenverantwortlichkeit der Beschäftigten niederschlagen. Daher kann ein zu rapider Kulturwechsel schnell in Überforderung münden und somit einen gegenteiligen Effekt erzielen. Die Mitarbeitenden von vorneherein mit in den Prozess zu involvieren, ihnen Gestaltungsmöglichkeiten und Mitspracherecht einzuräumen, sind existenzielle Maßnahmen, um Vertrauen aufzubauen und breite Unterstützung aus den Reihen der Belegschaft zu erhalten.

Kommunikation ist dabei der Schlüssel. Vielfach gilt noch das althergebrachte Motto, dass jeder nur das Wissen bekommt, das zur Erledigung der täglichen Aufgaben benötigt wird. Eine fatale Fehleinschätzung, nimmt sie doch den Mitarbeitenden die Möglichkeit, eigenverantwortliche Entscheidungen mit bestmöglichem Ergebnis für das Unternehmen zu treffen. Ziel muss, auch im Mittelstand, eine offene und transparente Kommunikationskultur sein, die in beide Richtungen funktioniert. Auch die Einführung einer Duz-Kultur kann dabei hilfreich sein, ist jedoch nicht zwingend erforderlich und sollte nicht vordiktiert, sondern als Angebot angesehen werden.

Kritische Stimmen mögen nun anmerken, dass das Unternehmen lange Zeit mit der bisherigen Kultur funktioniert hat und von Geschäftsführungsseite kein Bedarf dazu besteht, etwas zu ändern oder gar Macht abzugeben. Doch der Blick in die Vergangenheit und das prinzipielle Beharren auf veralteten Strukturen ist keine gesunde Entwicklung und bietet erst recht keine Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt. Den Herausforderungen der Gegenwart kann man nur mit Methoden der Gegenwart begegnen.

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