Montag, 12.09.2016
Rohstoffabbau mit Schaufelradbagger läuft: Mittelständer müssen derzeit keinen Rohstoffmangel fürchten.

Fotoquelle: Maksym Dragunov/Thinkstock/Getty Images

Rohstoffabbau mit Schaufelradbagger läuft: Mittelständer müssen derzeit keinen Rohstoffmangel fürchten.

Einkauf
Rohstoffversorgung

Aktuell kein Mangel an Seltenen Erden

Die Panik ist groß, doch allen Studien und Prognosen zum Trotz: An Seltenen Erden herrscht (derzeit) kein Mangel. Die Rohstoffversorgung für Mittelständler ist gesichert.

Die jüngste Meldung klang wieder dramatisch: Sollten sich die Zukunftstechnologien wie Windkraft, Photovoltaik oder Elektromobilität so rasant wie (politisch) erhofft entwickeln, sei die Versorgung mit den dafür benötigten Rohstoffen wie Lithium, Rhenium, Terbium oder Dysprosium in absehbarer Zeit nicht mehr sicher. Spätestens im Jahr 2035, so meldete die staatliche Deutsche Rohstoffagentur (DERA) unter Verweis auf eine Studie des Fraunhofer-Instituts, werde der Bedarf an diesen Ressourcen mehr als das Doppelte der heutigen globalen Primärproduktion ausmachen.

Um den drohenden Versorgungsengpass zu vermeiden, appellierte die DERA an Unternehmen, sich „frühzeitig mit den Entwicklungen auf den internationalen Rohstoffmärkten zu beschäftigen und mögliche Ausweichstrategien“ zu entwickeln. Nicht wenige Marktbeobachter fühlten sich durch diese Meldung in die Jahre 2010 und 2011 zurückversetzt. Damals hatte China gedroht, den Export der Seltenen Erden zu drosseln oder ganz einzustellen. Gerade Unternehmen aus der Elektronikbranche waren damals nervös geworden.

Markt erlebt Preisverfall

Inzwischen haben sich Panik und Hype gelegt. Und auch die neuerliche Warnung der DERA liest sich brisanter, als die Realität ist. „Die dramatische Zeit mit den Seltenen Erden ist vorbei“, rückt Leon Leschus gerade, Rohstoffexperte beim Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut: „Dass China uns den Hahn zudreht, ist vom Tisch.“

Genau so sieht es auch Harald Elsner, Spezialist für Seltene Erden bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover. Seit 2011 erlebe der Markt einen Preisverfall. Derzeit gebe es enorme Überkapazitäten, denn: „Kein Mensch will mehr schwere Seltene Erden haben.“ Grund für den Nachfragerückgang: In den vergangenen Jahren ist es der industriellen Forschung gelungen, Seltene Erden oft durch alternative Materialentwicklungen zu substituieren. Zudem lassen sich wertvolle Rohstoffe immer häufiger aus Schrottabfällen rückgewinnen – der modernen Recyclingtechnologie sei Dank. Und etliche, gerade mittelständische Unternehmen haben ihre Produktion auf höhere Effizienz getrimmt. Dadurch ist der Ressourcenverbrauch deutlich gesunken.

Selbst wenn ein plötzlicher Boom die Nachfrage nach Seltenen Erden in die Höhe schießen lassen sollte, gibt sich Elsner gelassen: „Bei Minenunternehmen liegen unendlich viele Projekte in der Schublade, mit denen sie die Förderung der Rohstoffe innerhalb kürzester Zeit vervielfachen könnten.“