Montag, 24.11.2014
Daimler verstärkt den Einkauf in China.

Bildquelle: Daimler AG

Der Einkauf in China wird auch bei Daimler stärker in Richtung Local Content gehen, wie Einkaufsleiter Klaus Zehender (im Bild links) auf einem Pressegespräch sagte.

Einkauf
OEMs bauen lokales Sourcing aus

Automobil: Mehr Einkauf in China

Deutsche Automobil-Hersteller verstärken ihre Präsenz in China. Auch Daimler bindet für die Produktion lokale Zulieferer ein, der Einkauf in China steigt.

Europäische Automobilhersteller drängen nach China. Dort werden hohe Absatzzahlen realisiert. Daimler lieferte von Januar bis September dieses Jahres 30 Prozent mehr Autos auf dem weltgrößten Automarkt aus als im Vergleichszeitraum 2013. Andere Premiumhersteller wie BMW und Audi sind ähnlich erfolgreich. 200.000 Autos will Daimler 2015 in China produzieren. Die lokale Wertschöpfung liegt im BBAC-Werk in Peking bei 60 Prozent. „Wir wollen die Lokalisierung noch weiter vorantreiben“, sagte Klaus Zehender, Einkaufsleiter für Mercedes-Benz Cars, auf einem Pressegespräch in Stuttgart.

Die großen Automobil-Hersteller wollen in China in den nächsten vier Jahren 32 neue Produktionsstätten errichten. Zunehmend siedeln sich Zulieferer um die dortigen OEMS an oder erweitern dort ihre Produktion. Auch der mittelständische Automobilzulieferer Anvis schließt sich dieser Strategie an. Der Hersteller von Antivibrationssystemen hat Ende Oktober sein Werk in Wuxi erweitert und modernisiert. „Mit Anvis Wuxi unterstützen wir unsere europäischen Kunden dabei, vor Ort die geplanten Ziele erfüllen zu können und tragen ihrem gestiegenen Bedarf in der Region Rechnung“, sagte COO Navin Karwande auf der Eröffnungszeremonie.

Keine Wahl für Automobil-Zulieferer

Dieser Weg ist alternativlos, da die Automobil-Hersteller sukzessive ihre lokale Wertschöpfung ausbauen. Automobil-Zulieferer mit über 50 Millionen Euro Umsatz werden von den OEMs regelmäßig angefragt, ob sie mit den Automobil-Herstellern mitgehen wollen, um sich in der Nähe der OEM-Produktionswerke niederzulassen. Auch Zehender bestätigt, dass der Local Content in der Kompaktklasse von jetzt 60 auf 80 Prozent wachsen soll. Für mittelständische Automobil-Zulieferer ist die Verlagerung ins Ausland nicht unproblematisch. „Die OEMs verlangen weltweit den gleichen Qualitätsstandard sowie Sicherheit in der Lieferkette, aber in den Low-Cost-Countries zu günstigeren Preisen, Risiken verbleiben oftmals in der Verantwortung der First Tier Supplier“, beschreibt der strategische Einkäufer eines mittelständischen Automobil-Zulieferers in Nordrhein-Westfalen die Anforderungen.

Zehender wehrt diese Bedenken ab. Ein Großteil der Lieferanten sei durchaus bereit, in diese Länder hinauszugehen. Schließlich gelte die Zusage für den Lieferanten für eine Fahrzeuggeneration. Außerdem könne dieser von China aus neue Absatzmärkte erschließen. Aber er stellte auch klar, welche Konsequenzen ein Zögern des Lieferanten hat: „Wenn die Lieferanten nicht mit uns hinausgehen wollen, dann  müssen wir auf neue, lokale Lieferanten zugehen.“

Chancen durch Wachstum der Automobil-Hersteller

Das BBAC-Werk von Daimler, ein Joint Venture mit einem chinesischen Partner, erstreckt sich südlich von Peking auf fast zwei Millionen Quadratmetern. Davon sind bisher lediglich 570.000 Quadratmeter bebaut. Die Automobil-Zulieferer Dürr und ZF Friedrichshafen sind im Umland bereits vertreten. Der Einkauf in China von Mercedes-Benz bezieht seine Teile von 250 lokalen Lieferanten. Unter den zehn größten Lieferanten von Mercedes befinden sich auch drei chinesische Unternehmen. „Unsere Erfahrungen mit China sind sehr gut“, betont Zehender.

Die Lieferanten vor Ort seien sehr interessiert daran, mit Mercedes zu wachsen. „Es gibt sehr viele chinesische Lieferanten, mit denen wir hervorragend zusammenarbeiten.“ Für Mercedes ist die Rechnung eindeutig. Abhängig von der Lokalisierungstiefe, der Logistik, Lohnintensität und dem Automatisierungsgrad könne bei dem Einkauf in China eine Kosteneinsparung von bis zu 20 Prozent generiert werden.