Montag, 18.01.2016

Bewegung in der Lieferkette: Die Automobilzulieferer in China geben die verschärften Standards an ihre Lieferanten weiter.

Bildquelle: Zollner Electronic China

Einkauf
Qualität steigt durch Zertifizierung

Automobilzulieferer in China durch Standards stark gefordert

Die Anforderungen an das Qualitätsmanagement der Automobilzulieferer in China steigen. Deutsche Lieferanten stehen damit vor entscheidenden Veränderungen. Markt und Mittelstand zeigt auf, was sich verändert und wie Mittelständler davon profitieren können.

Deutsche Automobilzulieferer in China müssen sich den neuen Qualitätsstandards stellen und sind dadurch besonders gefordert. Die immer schärfer werdenden Vorgaben der Standards nach DIN ISO TS 16949 sehen eine deutlich verstärkte Qualitätsüberwachung in der Zulieferkette vor. „Für uns ist die Automotive-Zertifizierung ein klarer Wettbewerbsvorteil“, sagt Erik Breslein, Geschäftsführer von Zollner China. „Dadurch haben wir seit Aufnahme der Produktion von Elektronik-Baugruppen schon sehr früh hohe Standards eingeführt, und können einen größeren Kundenkreis erschließen.“

Die neuen Zertifizierungsvorgaben für die Automobilzulieferer in China mussten bis zum April 2014 umgesetzt werden. In der Praxis bedeutet das neue Regelwerk, dass Kennzahlen weitaus stärker in der Tiefe abgefragt werden, beispielsweise im Hinblick auf die genauen Spezifikationen der Materialien und der Verarbeitung.

Qualifizierung der Lieferanten in China

Ein Kunden-Audit kann auch schon mal bis zu sechs Tage dauern. „Die Prozesse werden komplett von der Geschäftsleitung angefangen bis herunter zu einzelnen Prozessen in der Produktion auditiert“, erklärt Breslein.  Zollner Electronic China ist ein Dienstleister für die Elektronikindustrie, der von der Baugruppenfertigung über mechatronische Module bis hin zu komplexen Systemen am Standort Taicang fertigt.  Zu den Kunden zählen unter anderem auch chinesische Automobilhersteller. Aufgrund der Zertifizierungen sind sie zunehmend stärker an deutschen Lieferanten in China interessiert.

Bei den Audits geht es auch um Details in der Fertigung, beispielsweise um die exakte Temperatur, bei der Lötpasten-Mischungen erstellt werden. Die Lötpaste verbindet Bauteile mit der Leiterplatte nach dem Lötvorgang elektrisch und mechanisch. Für eine konstante Produktionsqualität ist die Umgebungstemperatur, bei der die Lotpasten-Mischung erstellt wird, entscheidend. „Die Kontrolle und Überwachung dieser Prozesse ist eine erwartete Dienstleistung seitens unserer Kunden, die man heute als gegebenen Standard erbringen muss, um Ausfälle zu minimieren“, sagt Breslein.

Analyselabor als Firewall

Solche Anforderungen trägt Zollner Electronic China in seine Zulieferkette hinein. Das Zweigwerk verfügt über eine lokale Einkaufsorganisation mit Anbindung an die Konzern-Zentrale in Bayern. Mit ihrer Unterstützung qualifiziert und überwacht der Einkauf in Taicang alle lokalen Lieferanten in China vor Ort. „So wie unsere Kunden uns auditieren, tun wir es auch mit unseren Lieferanten“, sagt Breslein. Das Zweigwerk verfügt außerdem seit dem Jahr 2010 über ein eigenes Analyselabor, das die Anlieferqualität von elektronischen Bauteilen und Leiterplatten analysiert: „Unsere Zulieferer wissen das. Ein solches Labor wirkt auf Lieferanten dahin gehend, es erst gar nicht zu versuchen, minderwertige Qualität zu uns zu liefern“, ergänzt Breslein. „Das Analyselabor ist unsere Firewall!“

Zollner Electronic China ist in den vergangenen Jahren darüber hinaus dazu übergegangen, Lieferanten stärker in Zulieferprozesse von Logistik und Qualität zu integrieren. Neue und laufende Produkte mit ihren Fertigungstechnologien werden fortlaufend miteinander von Projektstart an über den kompletten Lebenszyklus regelmäßig in gemeinsamen Workshops miteinander besprochen. Wolfgang Heppel, der selber jahrelang als Auditor tätig war und heute als Manager für Dekra Certification arbeitet, sieht in den gestiegenen Standards einen Vorteil für die Unternehmen. „Es wird leichter ein Unternehmen zu führen, weil man schneller reagieren kann“, sagt er.

Ohne den Rückenwind des Managements ist die durchgängige Umsetzung der Qualitätsstandards problematisch. „Die Maschinenlaufzeiten werden in manchen, vor allem in den kleineren und familiengeführten Unternehmen mit Tochterunternehmen in China noch aus dem Bauch heraus betrachtet. Der Aufwand für Datensammlung und Auswertung wird überschätzt, so dass keine Orientierung an den Messgrößen stattfindet“, erklärt Auditor Wolfgang Heppel von der Dekra.