Montag, 15.07.2013
Veltins nutzt einen Rostoffkostenrechner für die Beschaffung von Rohstoffen.

Bildquelle: Veltins

Für die Beschaffung von Rohstoffen setzt der Einkauf der Brauerei Veltins einen Rohstoffkostenrechner ein.

Einkauf
Einkauf und Beschaffung

Beschaffung von Rohstoffen: fünf Tipps für den Einkauf

Die Preise von Rohstoffen ähneln dem Hütchenspiel. Schwer vorhersehbar, aber scheinbar beherrschbar sind Flops programmiert. Fünf „Dos“ and „Don'ts“ für die Beschaffung von Rohstoffen.

Bei der Beschaffung von Rohstoffen setzen Einkäufer häufig auf Risiko. Im vergangenen Sommer hatten viele Brauereien auf sinkende Preise für Malz spekuliert und mit den Bestellungen gezögert. Die Rahmenfaktoren waren stimmig, die Ernte sehr gut und keine Störfaktoren in Sicht. Dann kam die Trockenheit in den USA, damit steigen insbesondere die Mais- und Futtermittelpreise, und binnen weniger Tage zogen die Preise für eine Tonne Malz um rund 25 Prozent an. „Wir hatten Glück“, freut sich Einkaufsleiter Frank Diebold von der Brauerei Veltins im Rückblick. „Vor meinem Jahresurlaub habe ich sicherheitshalber die Jahresmengen für 2013 unter Kontrakt genommen. In den folgenden Tagen zogen die Preise massiv an.“ Für ihn stehen Sicherheit und genaue Kalkulationen bei der Beschaffung von Rohstoffen an erster Stelle.
„Es ist besser, mit dem Markt mitzugehen“, beschreibt Diebold seinen Ansatz. Und hält es für eine „super-gefährliche Geschichte“, die Beschaffung von Rohstoffen an Spekulationen auszurichten. Entsprechend arbeitet er mit dem Software-Tool Rohstoffkostenrechner. Darin wird relevanten Einkaufsmaterialien ein Kostenkorsett zugeordnet, aus dem sich die Kalkulation der Produkte zusammensetzt. So ist beispielsweise der Preis für Braugerste der wesentlichste Faktor für den Malzpreis.  Über eine Online-Schnittstelle können einige Preise direkt in das Tool einfließen. Dies lassen sich die Anbieter allerdings gut bezahlen. Daher ist es teilweise günstiger, im Einkauf selber zu recherchieren und händisch einzupflegen. Der Aufwand lohnt sich insgesamt nur für A-Lieferanten. Bei Veltins sind dies von den rund 900 Lieferanten rund 70 bis 80.

Kooperation mit Vertrieb bei der Beschaffung von Rohstoffen

Eine Zusammenarbeit zwischen Einkauf und Vertrieb ist auch bei der Beschaffung von Rohstoffen unerlässlich. Wenn Preise festgelegt werden, wie beispielsweise in der Projektkalkulation im Maschinenbau oder bei Kataloganbietern, gehen oftmals tagesaktuelle Rohstoffpreise in die Berechnungen ein. „Wenn Rohmaterialien erst im Dezember gekauft werden, die Kataloganbieter ihre Preise jedoch schon im Oktober veröffentlichen, kann dies zu deutlichen Diskrepanzen führen“, erklärt Jens Kiebler von Inverto. Durch die Einbindung des Einkaufs in die Preiskalkulation lassen sich unangenehme Überraschungen zwar nicht ausschalten, aber Wege finden, deren Auswirkungen abzumildern.

Fünf „Dos“ und „Don'ts“ bei der Beschaffung von Rohstoffen

Roffstoffkostenrechner in Beschaffung von Rohstoffen einbindenEinsatz eines Rohstoffkostenrechners: Software-Tools ermöglichen eine genaue Preiskalkulation für jedes Produkt im Einkauf. Darin werden die Preisentwicklungen von Produkten und Dienstleistungen erfasst, die das Produkt beeinflussen, wie beispielsweise Preise für vorgelagerte Rohstoffe, Lohnkosten, Transportkosten oder Energiekosten. Dies schafft eine fundierte Basis für Preisverhandlungen. Das Tool lässt sich mit einer Online-Schnittstelle programmieren, so dass die Preise direkt in den Rechner einfließen. Dies ist allerdings relativ teuer, das händische Eingeben kann günstiger sein. Ein Marktüberblick lohnt sich, neue Anbieter integrieren Rohstoff-Datenbanken und Online-Schnittstellen in ihr Gesamtpaket.
Bildquelle: Jörg Trampert / Pixelio.deBei der Beschaffung von Rohstoffen Vertrieb einbeziehen(5) Bei der Preiskalkulation für die Kunden die Preisvolatilitäten auf den Rohstoffmärkten berücksichtigen. Katalogpreise werden oftmals festgelegt ohne Einbeziehung der flexiblen Rohstoffpreise. Der Einkauf kann sich durch Terminkontrakte oder frühzeitige Zusammenarbeit zwischen Einkauf und Vertrieb absichern.
Bildquelle: Markus Hein / Pixelio.deBeschaffung von Rohstoffen über Spotmärkte mit Risiken verbunden(4) Vorsicht bei der Kalkulation mit Spot-Preisen: Auf Spot-Märkten bieten Lieferanten Überschüsse aus den Ernten an. Mitunter kalkuliert der Einkauf 80 Prozent fixe Bestellmenge, 20 Prozent über den Spotmarkt. Dieses Vorgehen bietet ein hohes Risiko. Nicht immer kommt es zu günstigen Chargen auf dem Spot-Markt. Die fehlenden Mengen müssen dann zu deutlich höheren Preisen gekauft werden.
Bildquelle: Rainer Sturm / Pixelio.deLieferantenbesuche verschafft Sicherheit bei der Beschaffung von RohstoffenDer Lieferantenbesuch: Vor Ort lässt sich ein anderes Verständnis für die Verarbeitung der Rohstoffe generieren. Manche Lieferanten führen keine klare Chargen-Trennung der Rohstoffe durch, so dass der bestellte Rohstoff aus Vorprodukten unterschiedlicher Qualität stammt. Sicherheit über die Prozesse ermöglicht nur die Inspektion vor Ort.
Bildquelle: Thyssen KruppRohstoffdicke bei der Beschaffung von Rohstoffen prüfenRohstoffeinsatz kontinuierlich prüfen: Die Dicke von Materialien lässt sich oft vermindern, ohne dass dies der Qualität schadet, wie beispielsweise die Metalldicke in der metallverarbeitenden Industrie oder bei Folien die Foliendicke. Damit vermindern sich Einsatz und Bestellmenge der Rohstoffe.
Bildquelle: Trumpf