Dienstag, 18.03.2014
Unternehmen entdecken immer häufiger Betrugsfälle entlang ihrer Lieferkette.

Thinkstock / Getty Images

Unternehmen entdecken immer häufiger Betrugsfälle entlang ihrer Lieferkette.

Einkauf
Unternehmen melden Wirtschaftskriminalität

Betrug in der Lieferkette

Rund jedes dritte Unternehmen macht jährlich Erfahrungen mit Wirtschaftskriminalität. Auch in der Lieferkette gibt es immer wieder böse Überraschungen, die gravierende Schäden anrichten können.

Wirtschaftskriminalität schwebt auch im Jahr 2014 wie ein Damoklesschwert über der gesamten internationalen Geschäftswelt. Zu diesem Ergebnis kommt der Global Economic Crime Survey 2014 der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers, für den weltweit über 5.000 Unternehmen befragt wurden. 37 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass sie im vergangenen Jahr Opfer einer Wirtschaftsstraftat wurden, was einen Anstieg um drei Prozent gegenüber der letzten Befragung aus dem Jahr 2011 bedeutet. Die häufigsten Delikte waren dabei Vermögensdelikte wie Untreue und Unterschlagung (69 Prozent), Betrug in der Lieferkette (29 Prozent), Bestechung und Korruption (27 Prozent), Cyber-Kriminalität (24 Prozent) sowie Bilanzdelikte (22 Prozent).

Die Folgen der Wirtschaftsdelikte sind deutlich spürbar. Ein Fünftel aller Befragten gab an, im vergangenen Jahr Verluste zwischen einer Million und 100 Millionen US-Dollar durch Wirtschaftskriminalität erlitten zu haben. Auch für die Einstellung ihrer Mitarbeiter (31 Prozent) und ihre Geschäftsbeziehungen (17 Prozent) befürchten die Unternehmen negative Auswirkungen. Angesichts dieser Zahlen verwundert es nicht, dass die Unternehmen ihre internen Kontrollmechanismen immer weiter verbessern. Im vergangenen Jahr wurden demnach 55 Prozent aller Straftaten durch interne Kontrollen aufgedeckt, im Jahr 2005 waren es noch 36 Prozent.

Anteil der Unternehmen, die von Wirtschaftskriminalität betroffen waren.

Anteil der Unternehmen, die von Wirtschaftskriminalität betroffen waren.

Die Lieferkette als Risiko

Betrug in der Lieferkette wurde in der aktuellen Auswertung erstmals besonders hervorgehoben und wird von den Studienautoren als zunehmende Bedrohung wahrgenommen. 29 Prozent der Befragten, die Opfer eines Wirtschaftsverbrechens wurden, gaben an, dass es sich dabei um einen Betrugsfall in ihrer Lieferkette handelte. Die Studienautoren warnen gleich aus zwei Gründen vor solchen Betrugsfällen: Zum einen richten sie direkten finanziellen Schaden beim Einkauf von Waren und Dienstleistungen an, und zum anderen verschlechtern sie dadurch die Wettbewerbsposition des Unternehmens.

Die Experten bei PWC machen drei zentrale Faktoren für die Zunahme von Betrugsfällen in der Lieferkette verantwortlich. Ein wichtiger Grund ist ihrer Einschätzung nach die Zunahme öffentlicher Ausschreibungen durch den Staat und staatlich kontrollierte Unternehmen, die Betrugsmöglichkeiten durch Sachbearbeiter und andere Dritte eröffnen. In vergangenen Umfragen wurden einige der damit verbundenen Delikte der allgemeinen Korruption zugeordnet, durch die neue Kategorie und die Frage, wo die Delikte genau auftreten, wird ihre Zuordnung zur Lieferkette eindeutiger.

Auch die zunehmende Integration der weltweiten Lieferkette in zentrale Geschäftsaktivitäten sowie Veränderungen bei der personellen Betreuung der Lieferkette haben nach Ansicht der Studienautoren zur Verbreitung von Betrugsfällen im Einkauf beigetragen. Während der Krise haben demnach zahlreiche Unternehmen wichtige Funktionen entlang der Lieferkette mit externen Mitarbeitern besetzt, um ihre Personalkosten zu reduzieren und flexibler zu werden. Obwohl die globale Krise inzwischen abklingt, haben diese Anstellungspraktiken weiter Bestand und erhöhen das Risiko für Betrugsfälle.

In welchem Zusammenhang kam es zu Betrug im Einkaufsprozess?

In welchem Zusammenhang kam es zu Betrug im Einkaufsprozess?

Wo Betrug in der Lieferkette droht

Besonders anfällig für Betrugsversuche in der Lieferkette ist nach Aussage der betroffenen Studienteilnehmer die Auswahl des Lieferanten. 61 Prozent gaben an in dieser Phase einen Betrug erlebt zu haben, gefolgt von Unregelmäßigkeiten bei der Einladung zu Bieterprozessen (45 Prozent), der Vertragsgestaltung (43 Prozent) und der Bezahlung (43 Prozent).

Auch zwischen verschiedenen Branchen gibt es deutliche Unterschiede bezüglich der Häufigkeit von Betrugsfällen im Einkauf. Besonders häufig sind entsprechende Delikte bei staatlichen Aufträgen oder Staatsunternehmen (46 Prozent), im Energie- und Bergbaubereich (42 Prozent) sowie bei Transport und Logistik (39 Prozent). In all diesen Bereichen spielen eine enge Zusammenarbeit mit politischen Institutionen und öffentliche Ausschreibungen eine wichtige Rolle.

Regional gibt es ebenfalls Unterschiede, besonders häufig sind Betrugsfälle entlang der Lieferkette in Afrika (43 Prozent) und im Mittleren Osten (33 Prozent), also in Regionen, wo Staat und Wirtschaft besonders eng verflochten sind und Energie und Bergbau besonders wichtige Branchen sind.