Montag, 23.03.2015
Der Hafen von Civitavecchia in der Provinz Rom.

Bildquelle: Civitavecchia_Thinkstock_Getty Images

Der Hafen von Civitavecchia in der Provinz Rom. Einkäufer strecken vereinzelt ihre Fühler Richtung Südeuropa aus; unterstützt durch den BME.

Einkauf
Schwachen Euro aushebeln

BME will Einkauf in Südeuropa voranbringen

In der Supply Chain haben sich die Herausforderungen für den Einkauf geändert: Der Einkauf wird internationaler, strategischer. „Es ist zu einem Austausch der Machtverhältnisse gekommen“, sagt Christoph Feldmann, Haupt-Geschäftsführer vom BME, im Interview.

Sie sind seit gut einem Jahr im Amt. Wo setzen Sie persönlich Ihre Schwerpunkte?
Wichtig finde ich eine Weiterführung der Internationalisierung. Der BME hat eine Kooperation mit südeuropäischen Zulieferern in die Wege geleitet. Es gab mehrere Delegationsreisen mit einem Matchmaking mit Lieferanten vor Ort. Durch ein Sourcing in Südeuropa wird zudem das Problem des schwachen Euro ausgehebelt. Auch China bleibt ein Schwerpunkt unserer Tätigkeit. China wird verstärkt zum Absatzmarkt mit Produktionsstätten vor Ort, die lokal einkaufen. Damit lassen sich auch die Wechselkursturbulenzen hedgen.

Auf welche Probleme treffen Einkäufer in diesen Regionen?
Die portugiesische Industrie ist beispielsweise sehr mittelständisch geprägt. Daher bieten viele Betriebe nur kleine bis mittlere Losgrößen an. In China trifft dagegen genau das Gegenteil zu. Dort sind Massenlose die Regel, kleinere Lose können oftmals nicht angeboten werden.

Die anhaltend starken Lohnsteigerungen sind nicht abschreckend für den Einkauf in China?
Der BME hält an seiner China-Strategie fest. Mittlerweile bauen Unternehmen ihre komplette Wertschöpfungskette dort vor Ort auf, weil sie das Potenzial dieses Marktes als Absatzmarkt sehen.  In China braucht man einen sehr langen Atem, doch mittlerweile haben wir es geschafft, auf politischer Ebene sehr positiv wahrgenommen zu werden.

Sie könnten sich also theoretisch auf politischer Ebene auch für Fragen einsetzen wie die unterschiedlichen Zollregelungen in den einzelnen Regionen? Einkäufer bemängeln, dass es keine zentral agierende Zollbehörde gibt.
Nein, wir betreiben keinen Lobbyismus und diesen Ansatz haben wir auch nicht. Die Chinesen sind sehr selbstbewusst und wissen schon um ihre Marktmacht. Wir sind allerdings mit den Wirtschaftsförderinstituten im Gespräch und werden auch gefragt zu den Anliegen in der Supply Chain.

Christoph Feldmann, Haupt-Geschäftsführer vom BME

Für Christoph Feldmann, Haupt-Geschäftsführer vom BME, bleibt China ein wichtiger Beschaffungsmarkt.

Sie sind seit gut einem Jahr im Amt. Wo setzen Sie persönlich Ihre Schwerpunkte?
Wichtig finde ich eine Weiterführung der Internationalisierung. Der BME hat eine Kooperation mit südeuropäischen Zulieferern in die Wege geleitet. Es gab mehrere Delegationsreisen mit einem Matchmaking mit Lieferanten vor Ort. Durch ein Sourcing in Südeuropa wird zudem das Problem des schwachen Euro ausgehebelt. Auch China bleibt ein Schwerpunkt unserer Tätigkeit. China wird verstärkt zum Absatzmarkt mit Produktionsstätten vor Ort, die lokal einkaufen. Damit lassen sich auch die Wechselkursturbulenzen hedgen.

Auf welche Probleme treffen Einkäufer in diesen Regionen?
Die portugiesische Industrie ist beispielsweise sehr mittelständisch geprägt. Daher bieten viele Betriebe nur kleine bis mittlere Losgrößen an. In China trifft dagegen genau das Gegenteil zu. Dort sind Massenlose die Regel, kleinere Lose können oftmals nicht angeboten werden.

Die anhaltend starken Lohnsteigerungen sind nicht abschreckend für den Einkauf in China?
Der BME hält an seiner China-Strategie fest. Mittlerweile bauen Unternehmen ihre komplette Wertschöpfungskette dort vor Ort auf, weil sie das Potenzial dieses Marktes als Absatzmarkt sehen.  In China braucht man einen sehr langen Atem, doch mittlerweile haben wir es geschafft, auf politischer Ebene sehr positiv wahrgenommen zu werden.

Sie könnten sich also theoretisch auf politischer Ebene auch für Fragen einsetzen wie die unterschiedlichen Zollregelungen in den einzelnen Regionen? Einkäufer bemängeln, dass es keine zentral agierende Zollbehörde gibt.
Nein, wir betreiben keinen Lobbyismus und diesen Ansatz haben wir auch nicht. Die Chinesen sind sehr selbstbewusst und wissen schon um ihre Marktmacht. Wir sind allerdings mit den Wirtschaftsförderinstituten im Gespräch und werden auch gefragt zu den Anliegen in der Supply Chain.

Info

Christoph Feldmann leitet den Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) seit dem 1.Januar 2014. Der 47-Jährige kam vom Pharmakonzern Pfizer, wo er am Standort Brüssel zuvor als Senior Director und Supply Chain Leader Alliance die globale Supply Chain (Lieferkette) und operative Produktlaunch-Koordinierung für Pfizers Generikasegment verantwortete. Christoph Feldmann studierte Chemie und Betriebswirtschaft an den Universitäten in Kiel und Hagen und promovierte in Betriebswirtschaft an der TU Chemnitz.

Info

Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik

Über 9.000  Einzel- und Firmenmitglieder
Ca. 40 Fachgruppen
38 Regionalgruppen mit über 400 Veranstaltungen
Über 900 Seminare, Veranstaltungen
Quelle: Markt und Mittelstand