Montag, 29.12.2014
Energie richtig einkaufen: Unser Checkliste hilft, die richtige Strategie für den Energieeinkauf zu finden.

Foto: iStock/Thinkstock/supergenijalac

Energie richtig einkaufen: Für die optimale Umsetzung bedarf es einer umfassenden Interaktion mit allen Fachbereichen wie Produktion, Facility Management oder dem Werksleiter.

Einkauf
Rohstoff- und Energieeinkauf im Wandel

Checkliste: Energie optimal einkaufen

Mit der passenden Beschaffungsstrategie und kontinuierlicher Marktbeobachtung sind Variationen der Preisfixierungszeitpunkte möglich und damit verbunden auch Einsparpotenziale. Eine Checkliste hilft, die richtige Strategie für den Energieeinkauf zu finden.

Der Energieeinkauf befindet sich im Wandel. Durch die Marktliberalisierung wurden bestehende Unternehmensstrukturen verändert und viele Dienstleistungen wie beispielsweise Energiebeschaffung und in getrennte Gesellschaften überführt. Somit stehen den Einkäufern echte Märkte und Optionen zur Verfügung.
Außerdem ist der Energieeinkäufer mittlerweile mehr Schnittstellenmanager und Stratege, als klassischer operativer Einkäufer. Um das Thema Energie im Unternehmen ganzheitlich zu optimieren bedarf es einer umfassenden Interaktion mit allen Fachbereichen wie Produktion, Facility Management oder dem Werksleiter. Eine Checkliste für den strategischen Einkauf von Energie, entnommen aus dem Leitfaden „ Strategischer Energieeinkauf“ vom BME.

Energieeinkauf mit der passenden Beschaffungsstrategie

Zunächst ist für den erfolgreichen Energieeinkauf die Definition einer zum Unternehmen passenden Beschaffungsstrategie erforderlich. Um hierfür zu einem wirksamen Konzept zu gelangen, kann sich der strategische Energieeinkäufer zu Beginn von folgenden Fragen leiten lassen:

  1. Wie hoch ist der Bedarf an Strom und Gas insgesamt und an den einzelnen Abnahmestellen?
  2. Welche Prozesse bedingen den Energiebedarf?
  3. Besteht ein wirksames Energiemanagement / Energiecontrolling im Hinblick auf Energieeffizienzmaßnahmen zur Optimierung des Energieverbrauchs?
  4. Inwiefern kann der zukünftige Verbrauch mit der bestehenden Infrastruktur prognostiziert werden?
  5. Wie hoch ist der Anteil der Energiekosten an den Gesamtkosten des Unternehmens?
  6. Welche Risikobereitschaft liegt im Unternehmen vor und sollte somit der Beschaffungsstrategie zu Grunde liegen?
  7. Welchem Planungshorizont unterliegen die Energiekosten?
  8. Wann und auf Basis welcher Daten erfolgt die Budgetierung?
  9. Wie hoch ist die Bonität des eigenen Unternehmens und somit der Handlungsspielraum für das Agieren am Markt?

Checkliste: Welche Energiebeschaffungsmodelle gibt es?

Bei der Wahl des Energiebeschaffungsmodells stellt sich jedem Energieeinkäufer die Frage, ob sich der anfallende Aufwand vor dem Hintergrund der unternehmensspezifischen Beschaffungsmengen und individuellen Rahmenbedingungen rechnen kann.

1)    Das „klassische“ Festpreismodell
Die vollständige Bedarfsdeckung wird über einen regionalen Versorger oft inklusive der Netznutzung angeboten und die Preise (Energiepreise) über einen längeren Zeitraum festgeschrieben. Dabei erfolgt die Vergabe meist über Ausschreibungsprozesse.

Vorteile

  • Preis- und Budgetsicherheit über die gesamte Vertragslaufzeit
  • Preisbindung teils über mehrere Jahre
  • kein Regelenergierisiko, genaue Lastprognose nur bedingt erforderlich, Volumenflexibilität
  • geringer administrativer Aufwand: lediglich ein Ansprechpartner und ein Vertragswerk

Nachteile

  • kaum Einsparpotenziale aus dem Handel erschließbar
  • hohe Kostenintransparenz
  • hohes Preisrisiko durch spezifisches Abschlussdatum
  • hohe Abhängigkeit von einem Lieferanten während der Laufzeit, geringe FlexibilitätKnow-how im eigenen Unternehmen gering


Die Beschaffungsvariante wird von allen im Markt vertretenen Versorgungsunternehmen angeboten, bleibt jedoch hinter den heutigen flexibleren Möglichkeiten und den Erfordernissen der volatilen Preisentwicklung des Marktes zurück. Je nach Verhandlungsstärke und Know-how des Kunden kann sich die Preisgestaltung als intransparent erweisen.

2)    Beschaffung mittels Formelpreisen: Indexierte Beschaffung
Die indexorientierte bzw. Formelbasierte Beschaffung ist ein erster Schritt hin zur strukturierten Beschaffung. Grundlage dieses Beschaffungsmodells ist die Bildung eines Durchschnittspreises auf Basis einer Börsenpreisnotierung beispielweise. Der Beschaffungszeitraum wird individuell vereinbart und sollte zwischen 4–5 Monaten bis zu 1 Jahr liegen.

Vorteile

  • verringertes Preisrisikogeringer administrativer Aufwand: lediglich ein Ansprechpartner und ein Vertragswerk
  • kein Regel- oder Ausgleichsenergierisiko
  • Volumenflexibilität

Nachteile

  • geringe Einsparpotenziale erschließbar
  • begrenzte Flexibilität, um auf Marktveränderungen einzugehen
  • hohe Abhängigkeit von einem Lieferanten über die Laufzeit
  • geringes Know-how im eigenen Unternehmen


Der Einkäufer kann ohne zusätzlichen Ressourceneinsatz an der Marktentwicklung partizipieren und somit das Marktpreisrisiko umfassend reduzieren.

3)    Tranchenbeschaffung im Überblick
Bei der Energiebeschaffung über Tranchenmodelle auf Basis von Börsenterminpreisen wird die Beschaffung der Tranchen flexibel in Abhängigkeit zur jeweiligen Marktpreisentwicklung oder nach einem zuvor definierten Zeit- und Mengenschlüssel festgelegt. Dieses Vorgehen bedarf einer klaren abgestimmten Einkaufsstrategie, um Abstimmungs- und Entscheidungsschwierigkeiten zu verhindern.

Vorteile

  • Verhältnismäßig geringer administrativer und personeller Aufwand, da zusätzliche personelle Ressourcen und Kompetenzen nur in geringem Umfang nötig sind. Die Organisationsstruktur bleibt dabei unverändert, vorausgesetzt es erfolgt eine enge Abstimmung mit dem Lieferanten oder es existiert eine unveränderliche Beschaffungsstrategie
  • verringertes Preisrisiko
  • Berücksichtigung von Saisonalitäten und Preismustern

Nachteile

  • umfassenderes Vertragswesen
  • Abhängigkeit von adäquaten Preisprognosen
  • permanente Marktbeobachtung erforderlich


Oftmals geeignete Kompromiss-Lösung, um dem Anspruch des Risikomanagements gerecht zu werden und die eingesetzten Ressourcen überschaubar zu halten.

Voraussetzungen für eine neue Beschaffungsstrategie

Letztlich muss die aktuelle Beschaffungsstrategie detailliert überprüft werden. Sollte dies eine Änderung der Beschaffungsstrategie ergeben, sind die notwendigen Voraussetzungen frühzeitig zu bedenken.  Dazu gehört:

  • Mit einer Ausrichtung auf eine strukturierte Beschaffung oder der Notwendigkeit der Beschaffung von Dienstleistungen nimmt die Verantwortung des Einkäufers zu, und dessen Handlungsspielraum sollte in Bezug auf seinen Freiheitsgrad angemessen gestaltet sein.
  • Die mit steigender Komplexität der Beschaffungsvarianten zunehmend durch den Endkunden übernommenen Risiken müssen durch entsprechende Managementtools identifiziert und minimiert werden, damit der Strategiewechsel auch zu ökonomischen Verbesserungen führt und die zunehmende Transparenz und Flexibilität nicht mit steigenden Gesamtkosten einhergeht.
Info

Der ausführliche Leitfaden „Strategischer Energieeinkauf“  wurde veröffentlicht vom  Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME). Der Verband ist Dienstleister für rund 7.500 Einzel- und Firmenmitglieder. Ziel ist es, die Wissenschaft, die Aus- und Weiterbildung sowie den Erfahrungsaustausch auf allen Gebieten der Materialwirtschaft, des Einkaufs und der Logistik zu fördern.

 

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Themenseite Energie.

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