Freitag, 13.07.2012
Einkauf
Einkauf und Beschaffung

Checkliste für den Liefervertrag

Ein Liefervertrag sollte viele Eventualitäten der Geschäftsbeziehung zwischen den Unternehmen berücksichtigen. Eine Checkliste für den Liefervertrag im Einkauf.

Ein mangelhafter Liefervertrag in Einkauf und Beschaffung gefährdet den Unternehmenserfolg. Dies bekam auch Eon zu spüren. Der langfristige Liefervertrag zwischen Eon und Gazprom hat das Ergebnis der Tochtergesellschaft Eon Ruhrgas massiv belastet. Eon Ruhrgas hatte seinem Lieferanten Gazprom hohe Preise zahlen müssen, die bei den eigenen Großkunden aufgrund des Überangebots an Gas nicht mehr durchsetzbar waren. Nach der Einleitung von Schiedsverträgen kam es nun zu einer Einigung über günstigere Gaslieferverträge. Wie kann man sich vor solchen Fallen in Einkauf und Beschaffung schützen? Die elf wichtigsten Punkte, die in einen guten Liefervertrag in Einkauf und Beschaffung gehören.

Preisvereinbarungen festschreiben„Wie lange sind die Preise noch aktuell?“ ist eine wichtige Frage für den Einkäufer. Da sich Preise in den meisten Fällen ändern, sollten folgende Klauseln im Liefervertrag in Einkauf und Beschaffung enthalten sein: Exit-Möglichkeit, Preisanpassungsklausel, Sonderkündigungsrecht und Wettbewerbsklausel. Die Wettbewerbsklausel sieht vor, dass ein Preis nach unten angepasst werden kann, wenn ein Wettbewerber das gleiche Produkt günstiger anbietet.
Bildquelle: Dieter Schütz / Pixelio,deSpezifikation der QualitätBestimmte Qualitäten sollten im Liefervertrag in Einkauf und Beschaffung genau spezifiziert werden. Wenn die Qualität der bestellten Waren im Liefervertrag in Einkauf und Beschaffung nicht genügend spezifiziert wurde, ist es rechtlich so festgelegt, dass Waren mittlerer Art und Güte geliefert werden. Dies bietet einen breiten Interpretationsspielraum. Ein Mangel ist dann oft juristisch schwer nachzuweisen.
Bildquelle: Dieter Schütz / Pixelio.deVertragsstrafen festlegenLangfristige Beziehungen scheuen sich oft vor der Festlegung von Vertragsstrafen. Um die Geschäftsbeziehung eindeutig zu gestalten, sollte vorab festgelegt werden, was genau ein Mangel ist und welche Vertragsstrafen festzulegen sind. Auch der Mängelprozess sollte im Liefervertrag festgeschrieben werden.
Bildquelle: dieter Schütz / Pixelio.deSchutz der IP-RechteLieferanten und Besteller entwickeln oft gemeinsam Produkte. Wenn der Besteller seinen Lieferanten wechselt, kann es zum Streit um die IP-Rechte kommen. Wichtig ist es, im Liefervertrag festzuhalten, dass die Rechte bei dem Besteller liegen. Wird dies nicht ausdrücklich erwähnt, kann das IP-Know-how unter Umständen beim Lieferanten liegen.
Bildquelle: Dieter Schütz / Pixelio.deKapazitätsanpassungOftmals verlaufen Produktionen volatil. Der Lieferant sollte im Liefervertrag bereits unterzeichnet haben, dass er mit dem Produktionsumfang des Bestellers seine Liefermengen anpasst. Entsprechende Bedarfsplanungen – mit einer gewissen Vorschau für den Lieferanten sollten gewährleistet sein. Sonst wird es schwierig, dies umzusetzen.
Bildquelle: Dieter Schütz / Pixelio.deGenaue Bezeichnung der VertragspartnerWenn ein Unternehmen viele Gesellschaften im Portfolio hat, müssen Firmenname, Gesellschaftsform und Firmensitz korrekt im Liefervertrag aufgeführt sein. Ansonsten besteht keine Möglichkeit, Ansprüche aus dem Liefervertrag gegen den Lieferanten durchzusetzen.
Bildquelle: Dieter Schütz / Pixelio.deSchiedsgerichtsbarkeit festlegenEin deutscher Gerichtsstand im Liefervertrag führt bei außereuropäischen Vertragspartnern dazu, dass ein deutsches Urteil nicht vollstreckt werden kann. In dem jeweiligen Land sollte eine Schiedsgerichtsbarkeit vereinbart sein, die auch vollstreckt werden kann.
Bildquelle: Dieter Schütz / Pixelio.deLieferfristen spezifizierenBei Verzögerungen der Lieferung sollte festgelegt werden, wann genau der Beginn der Lieferung erfolgen sollte. Der Fristbeginn sollte im Liefervertrag festgeschrieben sein.
Bildquelle: Dieter Schütz / Pixelio.deVertragspartner genau aufführenWenn Nicht-Vertragspartner Bestellungen aufgeben, hat dies keine rechtliche Grundlage. Die Beschaffungsdaten müssen mit den vertraglichen Rahmenbedingungen im Liefervertrag übereinstimmen. Das heißt, die Besteller sind im Liefervertrag aufzuführen. Dies ist auch wichtig für den Fall, wenn die Lieferung an einen Dritten geht. Die Gewährleistung sollte jedoch für den Besteller gelten.
Bildquelle: Dieter Schütz / Pixelio.deExklusivität vereinbarenAuf den Produkten sollte der Name des Bestellers stehen sowie die Teilenummer, damit das Ersatzteilgeschäft an den Besteller geht.
Bildquelle: Dieter Schütz / Pixelio.de

Liefervertrag als Gratwanderung

„Auch die Abweichungen vom normalen Geschäft müssen geregelt sein“, erklärt Einkaufsleiter Detlef Schwarz vom Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer. Sonderregelungen sollten Eingang in den Liefervertrag finden. Doch es ist nicht immer einfach, die eigenen Interessen im Liefervertrag abzubilden. „Viele Lieferanten versuchen, ihre Marktposition durchzusetzen“, warnt Einkaufsberater Thorsten Schölver von Contemplor.
Ein Vertragswerk ist immer auch eine Gratwanderung. Letztendlich will kein Unternehmen fortlaufend seine Lieferanten wechseln, so dass oftmals Zugeständnisse gemacht werden, die dann schließlich teuer bezahlt werden müssen. Die Eon-Tochterfirma Ruhrgas musste im vergangenen Jahr aufgrund der langfristig festgelegten hohen Preise einen Verlust in Höhe von rund 700 Millionen Euro verschmerzen.

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