Mittwoch, 29.07.2015
Energieeinkauf: Die Checkliste sollten Energieeinkäufer kennen und vor dem Energieeinkauf genauestens prüfen.

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Energieeinkauf: Die Checkliste sollten Energieeinkäufer kennen und vor dem Energieeinkauf genauestens prüfen.

Einkauf
Energieeinkauf: So vermindern Sie Risiken bei der Energiebeschaffung

Checkliste: Leitfaden für den Energieeinkauf

Wer seinen Energieeinkauf optimiert, kann viel Geld sparen. Unsere Checkliste für den Mittelstand bietet Tipps rund um das Risikomanagement beim Energieeinkauf und unterstützt Sie bei der Ausgestaltung Ihres Stromeinkaufs.

Durch die deutlichen Preisschwankungen an den Energie- und Rohstoffmärkten werden zunehmend mehr Unternehmen zur Optimierung ihrer Geschäftsabläufe gezwungen. Einst berechenbare Rohstoffkosten sind in den vergangenen Jahren zu einem nur schwer kalkulierbaren Risiko für energie- und rohstoffintensive Betriebe geworden. Diese Entwicklung fordert speziell im Einkauf eine bewusste Auseinandersetzung mit strategischen und operativen Risiken, die aus den Rohstoffmärkten erwachsen.

Energieeinkauf: Risiken prüfen

Wenn diese Risiken nicht gesichert werden, ist der Materialaufwand aufgrund der hohen Schwankungsbreite von Rohstoffpreisen nicht mehr planbar. Eine Checkliste hilft, nicht den Überblick zu verlieren und dient im Nachhinein als Parameter zur Überprüfung, ob Berechnungen und Prognosen in etwa stimmig waren und ob die gesetzten Ziele damit erreicht wurden. Die Checkliste entstammt dem Leitfaden „Strategischer Energieeinkauf“ vom Bundesverband für Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik. Unten aufgeführte Risiken sollten Energieeinkäufer kennen und vor dem Energieeinkauf genauestens prüfen.

Energieeinkauf: Das sollten Sie wissen

1)    Nachhaltiger Stromeinkauf: Während „Greenwashing“ schnell entlarvt wird, zahlt sich echtes Engagement aus. Umfassender Klimaschutz und energieeffizientes Verhalten stützen nicht nur einen positiven Imageaufbau, sondern helfen Unternehmen, die Kosten zu senken. Der Bezug von CO2-frei erzeugtem Ökostrom aus Wind, Wasser, Sonne oder Biomasse ist für Unternehmen oft der erste, praktikable Schritt zu einem ganzheitlich ökologischen Energiemanagement.

2)    Risiken durch Hedging begrenzen: Diverse Sicherungsinstrumente ermöglichen es, Preisrisiken kalkulierbar zu machen und vorhandene Risiken unternehmensspezifisch abzusichern. Neben fixen Preisvereinbarungen im physischen Markt bieten sie die Möglichkeit, schnell und flexibel auf Marktpreisveränderungen reagieren zu können. Häufig genutzt werden finanzielle Termingeschäfte.

3)    Kombinieren von physischer Beschaffung und finanziellen Handelsaktivitäten: Wenn ein Unternehmen zwar weiß, dass in der Zukunft bestimmte Mengen eines Rohstoffs benötigt werden, kennt aber nicht die Kosten, besteht ein zukünftiges Preisrisiko, da das Unternehmen irgendwann den Rohstoff am Markt beschaffen muss und betreibt somit eine Art Spekulation. Durch eine finanzielle Absicherung lässt sich dieses Preisrisiko meist ausschalten oder zumindest abmildern. Dabei laufen das physische und finanzielle Geschäft parallel und sind rechtlich unabhängig voneinander.

4)    Pflicht zur Energieausschreibung? Die Pflicht zur Energieausschreibung besteht rechtlich nur für Unternehmen des öffentlichen Rechts in Form der VOL / VOB. Liegt das voraussichtliche Vertragsvolumen über den dort genannten Grenzen, so sind öffentliche Ausschreibungen, teilweise sogar europaweit, durchzuführen. Dies ist jedoch für keines der in der Branche üblichen Energie¬beschaffungsmodelle ein Hinderungsgrund.

Energieeinkauf: Risiko-Checkliste

Marktpreisrisiko:
-    Preisentwicklung beobachten
-    Vorsicht bei Stichtagbeschaffung (Fixpreis)

Liquiditätsrisiko:
-    Zahlungsmodalitäten prüfen
-    Finanzierbarkeit in Beschaffungsstrategie berücksichtigen

Marktliquiditätsrisiko:
-    kontinuierliche Marktbeobachtungen und – Analysen erstellen
-    Aufbau eines Portfoliomanagement mit eigenem Bilanzkreis

Mengen- oder Volumenrisiko:
-    Datenbasis verbreitern: Implementierung entsprechender Energiedatenmanagementsysteme
-    die verschiedenen Abnahmestellen frühzeitig in die Planung einbinden
-    genau prüfen, wie weit eine Verbindlichkeit gegenüber dem Anbieter eingegangen werden kann

Fahrplanrisiko:
-    umfassende Dokumentation, Kommunikation und Unterstützung des jeweiligen Abnehmers
-    der Energieeinkauf sollte seine Anliegen an die betreffenden Fachabteilungen (Produktion, F&E, Facility Management) kommunizieren, um möglichst früh über Veränderungen informiert zu werden

Versorgungsrisiko:
-    Es empfiehlt sich der Aufbau von Back-Up-Systemen oder Notfallplänen

Counterpart-Risiko:
-    Vertragspartner und Lieferanten regelmäßig bewerten
-    durch die konkrete Abfrage relevanter Daten (wie etwa Referenzen und Unternehmensdaten) kann das Lieferantenprofil systematisch erweitert und das Risiko minimiert werden

Reputationsrisiko:
-    Die wachsende Bedeutung von Nachhaltigkeit bedingt ein weiteres Risiko, das einen möglichen Reputations- oder Imageschaden für das Unternehmen beschreibt. Deshalb sollten die Auswahl der Produkte und die darauf aufbauende interne und externe Kommunikation aufeinander abgestimmt sein.

Info

Der ausführliche Leitfaden „Strategischer Energieeinkauf“  wurde veröffentlicht vom  Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME). Der Verband ist Dienstleister für rund 7.500 Einzel- und Firmenmitglieder. Ziel ist es, die Wissenschaft, die Aus- und Weiterbildung sowie den Erfahrungsaustausch auf allen Gebieten der Materialwirtschaft, des Einkaufs und der Logistik zu fördern.