Montag, 14.12.2015

Es drohen Ausfälle durch die starke Luftverschmutzung beim Einkauf in China.

Bildquelle: Junce/Thinkstock/Getty Images

Einkauf
2.100 Fabriken geschlossen

China: Smog gefährdet Lieferanten

Als Folge der gravierenden Luftverschmutzung kann es in China beim Einkauf zu Ausfällen kommen. 2.100 Fabriken mussten während des jüngsten Smog-Alarms schließen. Rund 300 Fabriken sollen aus dem Großraum Peking verlagert werden.

Der Smog in China wird zu einer ernsten Gefahr für deutsche Unternehmen und für den Einkauf in China. 2.100 Fabriken sind nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP geschlossen worden sein. Im Großraum Peking betraf das in erster Linie Zement- und Petrochemiefabriken, wie AFP meldete. Auch die Beijing Building Materials Group, einer der größten chinesischen Produzenten von Zement und anderen Baustoffen, musste diverse Fabriken schließen. Einer der größten chinesischen Hersteller von Eisenbahnwaggons, CNR Group, drosselte Farbspritz- und andere Arbeiten.

Nach offiziellen Angaben wurden 650 Videokameras an Baustellen installiert, um die Einhaltung der Vorgaben zum Staubschutz zu überwachen. „Es gibt keine präziseren Angaben“, sagt Heiko Schwarz, Geschäftsführer von Riskmethods. Grund dafür ist die staatliche Zensur. Unter den Kunden von Riskmethods erhielt jedes zweite Unternehmen eine Warnmeldung, weil Unternehmen aus dieser Region unter den Zulieferern sind. Im Großraum Peking sollen rund 300 Firmen den Standort verlagern. Hauptursache des Smogs sind Emissionen aus der Braunkohleverbrennung, die im Winter stark ansteigt.

Einkauf in China: Smog bedroht ganz China

An der enormen Luftverschmutzung sterben  täglich 4.000 Menschen, wie die Studie „Air Pollution in China: Mapping and Concentrations” der US-Forscher Robert Rode, Richard Muller aufzeigt. Ursache sei der Feinstaub aus der Kohleverbrennung. Gemessen an allen Todesfällen sei die gravierende Luftverschmutzung für 17 Prozent aller Todesfälle verantwortlich. Die gesundheitlichen Folgewirkungen betreffen auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt.

Eine Entspannung der prekären Lage ist nicht absehbar. Bereits in der kommenden Woche ist die nächste Smog-Glocke über Peking angekündigt worden. Der Smog beschränkt sich nicht nur auf Peking. Nach Angaben der Nachrichtenagentur sind alle Städte im Norden des Landes betroffen.

Zulieferer in China schwierig zu überwachen

Für mittelständische Unternehmen in Deutschland ist die Überwachung der Zulieferer in China eine schwierige Aufgabe. Von offizieller Seite werden nahezu keine Informationen bereitgestellt. Der Mittelständler Hottinger Baldwin Messtechnik produziert in China, den USA sowie in Polen. Das Unternehmen ist ein Hersteller von Produkten für die Prüf-, Mess- und Wägetechnik. Die Risiken in der Lieferkette im Blick zu haben, ist für einen Mittelständler gar nicht so einfach, sagte Karl-Heinz Pöhlmann, Vize-Präsident Supply Chain, auf dem Symposium „Mehrwert schaffen – Brücken bauen“ des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Berlin. „Sie haben nicht die Ressourcen für Audits – das funktioniert nicht“, ergänzte er.

Veraltete Excel-Sheets erschwerten den aktuellen Überblick, auch das Clustering nach Risiken habe bei seinem Unternehmen nicht Gefahren konkret anzeigen  können. Nach seiner Erfahrung sind eher die Lieferanten gefährdet, die man nicht so im Blick gehabt habe. „Am Ende des Tages ist es nicht der große Lieferant, der ausfällt, sondern der, den Sie nicht auf dem Radar hatten.“ Bei 12 wichtigen Bauteilen hat er daher das Ausmaß des Schadens kalkuliert, den ein Ausfall in der Lieferkette zur Folge hätte. Die Kalkulation beinhaltet auch die Erschließung alternativer Quellen bei dem Ausfall eines Lieferanten dieser kritischen Bauteile. Vorsorge- und Eskalationsstrategien ergänzen das Portfolio. Auch nutzt er eine Software, die ein Frühwarnsystem beinhaltet und zugeschnitten auf seine Lieferkette aktuelle Informationen bereitstellt.

Der Aufbau von alternativen Lieferanten ist für mittelständische Unternehmen ein wesentlicher Baustein im Risikomanagement. Auf der Kostenseite verteuert das das Risikomanagement. Bei einem kurzfristigen Ausfall entstehen zusätzliche Logistikkosten. Damit ist die Kostenkalkulation beim Einkauf in China mit hohen Risiken behaftet.