Dienstag, 18.10.2016
Hat schon bessere Zeiten erlebt: Unbeladenes Hanjin-Containerschiff im Hamburger Hafen.

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Hat schon bessere Zeiten erlebt: Unbeladenes Hanjin-Containerschiff im Hamburger Hafen.

Einkauf
Insolvente Reederei Hanjin

Deshalb lohnt sich eine Transportversicherung für Seefracht

Seitdem die größte koreanische Reederei, Hanjin Shipping, Insolvenz angemeldet hat, sind auch Mittelständler in Alarmbereitschaft. 500.000 Container dürften von der Pleite betroffen sein – auch von deutschen Kunden.
Dr. Tristan Wegner von O&W Rechtsanwälte berät als Fachanwalt bei Fragen zur internationalen Lieferkette hinsichtlich des grenzüberschreitenden Handels- und Transportrechts sowie des Versicherungs- und Zollrechts.

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Dr. Tristan Wegner von O&W Rechtsanwälte ist Fachanwalt für Transportrecht.

Bei Speditionen landauf, landab glühen derzeit die Telefonleitungen: Die Hanjin-Pleite hat viele Unternehmen böse überrascht. Weil die siebtgrößte Reederei der Welt ihre Schulden nicht mehr bezahlen kann, hängen Frachter und Ware in den Häfen fest oder sie dürfen die Entladeterminals erst gar nicht anlaufen.

Von der Insolvenz dürften auch viele Mittelständler betroffen sein. „Ich gehe davon aus, dass eine erhebliche Anzahl deutscher Importeure und Exporteure Berührungspunkte mit der Hanjin-Pleite hat“, sagt Dr. Tristan Wegner von O&W-Anwälte. Nach Angaben des „Hamburger Abendblattes“ wartet alleine das Handelsunternehmen Wünsche-Gruppe auf 55 Container mit Waren im Wert von mehr als 2,5 Millionen Euro.

Lokalisieren können die Unternehmen ihre Fracht in der Regel über ihre Fixkostenspediteure, die auch die eigentlichen Vertragspartner sind. Beim Spediteur liegt auch die Haftung für Zusatzkosten, beispielsweise bei einer Ersatzverschiffung.

Fixkostenspediteure haften direkt

Folgeschäden aufgrund von Verzögerungen sind nach deutscher Rechtsprechung nur dann ersatzfähig, „wenn der Vertragspartner ordnungsgemäß gemahnt wurde, nachdem die voraussichtliche Ankunftszeit  zuzüglich üblicher Wartezeit verstrichen ist“, erklärt der Rechtsexperte. Aber: Der zu festen Kosten arbeitende Spediteur hafte grundsätzlich auch für transportbedingte Zusatzkosten.

Obgleich diese Frage noch nicht abschließend gerichtlich geklärt ist, spricht einiges dafür, dass solche Kosten das kommerzielle Risiko des Spediteurs sind und daher nicht an den Kunden durchgereicht werden können. „Es ist daher die Sache des Spediteurs, eine zuverlässige und solvente Reederei auszuwählen, die er mit dem Seetransport beauftragt“, sagt Wegner weiter.

Oft weiß der Auftraggeber gar nicht, mit welcher Reederei seine Fracht transportiert, insbesondere, wenn sie Cost, Insurance, Freight (CIF) bestellt wird. Wird sie Free on Board (FOB) geordert, muss der Käufer zwar den Seetransport selber organisieren, aber auch dann wird meist eine Spedition eingeschaltet. „Erst die Frachtdokumente zeigen dann, welches Schiff die Ware transportiert hat, was Rückschlüsse auf die Reederei zulässt. Dann ist ein Eingreifen aber praktisch nicht mehr möglich.“

Gegen Insolvenzen, Verspätungen, Ablauf von Verfallsdaten oder Transportmehrkosten können Unternehmen eine weltweite Transportversicherung. Teilweise sind durch einzelvertragliche Regelungen Schäden an verderblicher Ware gedeckt.

Die meisten Hanjin-Frachter haben ihren Betrieb eingestellt

„Wurde keinerlei Transportversicherung abgeschlossen, muss der Spediteur direkt in die Haftung genommen werden“, sagt Anwalt Wegner weiter. Komplizierter und vor allem teurer ist der Weg für Unternehmen, die direkt bei Hanjin gebucht haben. Sie müssen ihre Forderungen im Rahmen des Insolvenzverfahrens in Südkorea anmelden. „Allerdings dürfte sich das nur bei mindestens mittleren sechsstelligen Schäden lohnen, denn die Stundensätze südkoreanischer Anwälte sind extrem hoch“, weiß der Fachanwalt aus Hamburg.

Der Experte rät deshalb eine Transportversicherung abzuschließen, die auch im Falle einer Insolvenz der Reederei greifen würde. „Wenn die Versicherung vor Ort abgeschlossen wurden, bestehen erhebliche Zweifel, welche Risiken etwa über eine chinesische Versicherungspolice versichert sind. Das herauszufinden ist oft sehr aufwendig.“

Hohe Überkapazitäten in der Handelsschifffahrt haben die Frachtraten – und damit die Einnahmen der Reedereien – zuletzt deutlich fallen lassen. Darunter leiden alle Reedereien. Durch die Insolvenz der Südkoreaner haben mittlerweile viele der mehr als 140 Hanjin-Frachter den Betrieb eingestellt.

Auch für die Wettbewerber laufen die Geschäfte nicht mehr so rund. Der dänische Marktführer Möller Maersk hat eine Restrukturierung angekündigt. Die größte deutsche Reederei, Hapag Lloyd, hat vor kurzem mit der arabischen Reederei UASC fusioniert. Beobachter gehen von einer weiteren Konsolidierung der Branche aus.