Montag, 20.06.2016

Jede Abteilung im Unternehmen will eigene Ziele durchsetzen. Der Einkäufer muss dieses Silodenken auflösen und einen guten Kompromiss für alle finden.

Bildquelle: Meinzahn/Thinkstock/Getty Images

Einkauf
Silodenken hat keine Zukunft

"Die besten Einkäufer sollen besser sein als man selbst"

Nur wenn er nicht „Everybody`s Darling sein will, kann der Einkäufer die unterschiedlichen Ziele im Unternehmen ausbalancieren. Wolf Kranert, Einkaufsleiter bei Wolf Heiztechnik, über die richtige Balance im Einkauf.

In erster Linie sind im Einkauf Fakten gefragt. Dabei läuft im Hintergrund vieles über eine zwischenmenschliche Ebene. Ernst Kranert, Leiter Einkauf bei Wolf Heiztechnik, sucht Einkäufer, die besser sind als er selbst.

Markt und Mittelstand: Was ist Ihnen wichtig in Ihrem Alltagsgeschäft?
Ernst Kranert: Bei allem, was ich tue, habe ich die Langzeitwirkung im Blick. Zum Beispiel ist in der Lieferantenbeziehung nicht nur der Preis entscheidend sondern auch, wie ich mit einem Lieferanten umgehe. Wenn ich mit Tricks arbeite, verschleiere ich etwas oder bin sogar unehrlich, um eine beste Entscheidung zu bekommen. Das ist unseriös.  

MuM: Von welchen Erfahrungen profitieren Sie am meisten?
Kranert: Davon, dass man immer – ohne Kompromisse einzugehen – die besten Mitarbeiter suchen sollte. Wir entwickeln Mitarbeiter im eigenen Unternehmen, die großes Potenzial zeigen oder suchen sie auf dem Arbeitsmarkt, auch über Headhunter. Mit der Einstellung ist es nicht getan, das richtige Führen ist entscheidend.

MuM: Was ist denn „richtige Führung“ im Einkauf?
Kranert: Eine Führungskraft muss die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter als Mensch berücksichtigen und Vorbild sein; das leben, was man sagt. Der Einkaufsleiter muss gar nicht der beste Einkäufer sein. Wenn Sie richtig führen, haben Sie die besten Einkäufer und die können und sollen als Einkäufer sogar besser sein als man selbst.

Ernst Kranert, Einkaufsleiter bei Wolf Heiztechnik

Bildquelle: Wolf Heiztechnik

MuM: Sie sind sehr reflektiert in Ihrem Führungsverhalten. Wo haben Sie das gelernt?
Kranert: Ich habe bei der Bundeswehr eine einschlägige Führungsausbildung erhalten. Auch vom Umgang mit Menschen lernt man sehr viel; durch Beobachten, Gespräche, Selbstreflexion. An jedem Tag spiegele ich mich und mein Verhalten und verändere es, wenn ich damit unzufrieden bin. Nach jeder Verhandlung sollte man über sich selbst schweben und sein eigenes Vorgehen nochmals kritisch hinterfragen.

MuM: Aus welchen Fehlern haben Sie gelernt?
Kranert: Ein unklares Kommunizieren kann weh tun. Diese Erfahrung habe ich auch gemacht und daraus lerne ich auch heute noch. Man glaubt, dass man sich klar ausdrückt, aber im Ergebnis versteht das Gegenüber etwas ganz anderes. Ziele und Ergebnisvorgaben müssen eindeutig und unmissverständlich formuliert sein.

Zielkonflikte auflösen durch gutes Management

MuM: Was geben Sie neuen Mitarbeitern im Einkauf mit auf den Weg?
Kranert: Alles was sie tun sollte sich immer an den Bedürfnissen der Kunden und des Unternehmens orientieren, so dass kein Abteilungsdenken aufkommt. Ein klassischer Zielkonflikt entsteht beispielsweise bei der Beschaffung eines Wärmetauschers für ein Heizgerät. Der Entwickler arbeitet mit Zielherstellkosten und will es möglichst günstig haben. Der Logistiker favorisiert niedrige Losgrößen zur Optimierung der Lagerhaltung. Der Service verlangt einen wartungsfreundlichen Wärmetauscher. Und der Einkäufer will ihn gar nicht so günstig beschaffen, damit er auch seine Zielvorgaben für Einsparungen in den nächsten drei Jahren erreicht.

MuM: Wie löst man diesen Konflikt auf?
Kranert: Das alles muss der Einkauf managen und den optimalen Punkt suchen – für das Unternehmen und den Kunden. Er ist derjenige, der eine Übereinkunft zwischen allen erzielen muss. Dabei sage ich unseren Einkäufern aber auch: „Versucht gar nicht erst, everybody’s Darling zu sein, das funktioniert nicht“.