Mittwoch, 12.10.2016
Lieferanten-Selbstauskunft bietet Bilfestellung bei der Lieferantensuche.

Bartec

Bei dem Unternehmen Bartec liefern 600 Lieferanten 10.000 Produkte. Einen Überblick gibt die Lieferanten-Selbstauskunft.

Einkauf
Wie der Einkauf Lieferanten prüft

Die besten Strategien für die Lieferantensuche

Bei der Lieferantensuche gibt es auch ungewöhnliche Wege. Einkäufer schicken Studenten vor oder prüfen über Kontakte das Umfeld des Lieferanten. Eine Checkliste für den Einkauf im Unternehmen.

Kein Einkäufer im Unternehmen kommt an der Lieferantensuche vorbei. Und immer wieder gehen Einkäufer unkonventionelle Wege, um den richtigen Lieferanten zu suchen, ohne sich in der Flut der Angebote zu verlieren. Den richtigen Lieferanten aus Hunderttausenden Datensätzen herauszufiltern und die Zusammenarbeit zu besiegeln, hat bei Steffen Eschinger nur ein paar Tage gedauert.

Konventionelle Quellen wie Suchanzeigen hat er gar nicht geschaltet, sondern stattdessen auf der Karriereplattform Xing einschlägige Foren besucht. Der Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Eschinger Consulting sollte für einen großen deutschen Flughafen ein neues innovatives Softwaremodul mit einer älteren Version eines SAP-Prozesses technisch verbinden. IT-Spezialisten sind schwer zu finden und solche mit heute veralteten Kenntnissen noch schwerer. Gesucht war ein Lieferant für die technische Implementierung einer webbasierten Beschaffungslösung für Dienstleistungen in Verbindung mit einer älteren SAP-Komponente.

Die Lieferantensuche ist ein Dauerbrenner im Einkauf im Unternehmen. Die Wege dorthin sind allerdings höchst unterschiedlich. Manchmal kommt ein Hinweis aus dem Vorstand, oder es ergeben sich Anknüpfungspunkte aus der Vorstellung von Produktneuheiten. Auch im Mittelstand werden Lieferanten zunehmend standardisiert bewertet, um eine vergleichende Lieferantensuche zu ermöglichen.

Bei dem Innenausstatter Ganter Interior aus Waldkirch bei Freiburg ist die Lieferantensuche tägliches Brot. Der Innenausstatter bestückt die Stores und Showrooms exklusiver Kunden. Da das Unternehmen auf eine eigene Produktion verzichtet, die Anforderungen von Seiten der unterschiedlichen Kunden aber ständig wechseln und sehr individuell sind, wird der Markt auf Lieferantenseite laufend beobachtet. Im vergangenen Jahr wurden bei dem schnell wachsenden Unternehmen rund 100 neue Lieferanten hinzugewonnen.

Lieferantensuche per Matrix

Zur Bewertung der Lieferanten hat das Unternehmen ein System zur Lieferantenbeurteilung entwickelt. In diese Matrix gehen Qualitätsmerkmale und die Kompetenzen des Lieferanten ein. Je nachdem, aus welchem Land der Lieferant kommt, werden die einzelnen Kriterien gewichtet, das dann auch den Geschäftskunden zur Verfügung gestellt wird. Die Kunden sind damit bei der Lieferantensuche eingebunden.

Erweitern lässt sich ein solches System auch durch eine Produktkostenanalyse. Wenn der Einkäufer im Zuge der Anfrage an einen Lieferanten die einzelnen Kostenkomponenten für sein Produkt einfordert, ermöglicht dieser Überblick eine detaillierte Bewertung des Lieferanten. Eine Fehleinschätzung der Produktkosten ist damit im Einkauf relativ leicht erkennbar. Mancher Lieferant bietet beispielsweise zu günstig an, weil er die Produktkosten falsch einschätzt. Daraus können sich später Probleme ergeben. Insbesondere die Volatilität auf den Rohstoffmärkten sollte in den Produktkosten des Lieferanten abgebildet sein.

Die Lieferkette ist gleichfalls ein Fundort für Hinweise zur Bewertung von in Frage kommenden Lieferanten. Hilfreich kann es auch sein die Fachmessen zu besuchen, auf denen die Lieferanten neue Produkte und Verfahren suchen. Denn der Kontakt mit den Maschinenherstellern lässt einige Rückschlüsse auf die Arbeitsweise der Lieferanten ziehen.

Lieferantensuche per Matrix

Zur Bewertung der Lieferanten hat Einkaufsleiter Jochen Kuhnert ein Lieferantenbeurteilungssystem entwickelt. In diese Matrix gehen Qualitätsmerkmale und die Kompetenzen und das Herkunftsland des Lieferanten ein. Je nachdem, welches Anforderungsprofil der Kunde stellt, werden die einzelnen Kriterien gewichtet. „Dieses Ranking stellen wir unseren Projektteams zur Verfügung“, erklärt Kuhnert. Die individuellen Kundenanforderungen sind damit bei der Lieferantensuche eingebunden.

Erweitern lässt sich ein solches System auch durch eine Produktkostenanalyse. Wenn der Einkäufer im Zuge der Anfrage an einen Lieferanten die einzelnen Kostenkomponenten für sein Produkt einfordert, ermöglicht dieser Überblick eine detaillierte Bewertung des Lieferanten. Eine Fehleinschätzung der Produktkosten ist damit im Einkauf relativ leicht erkennbar. Mancher Lieferant bietet beispielsweise zu günstig an, weil er die Produktkosten falsch einschätzt. Daraus können sich später Probleme ergeben. Insbesondere die Volatilität auf den Rohstoffmärkten sollte in den Produktkosten des Lieferanten abgebildet sein.

Die Lieferkette ist gleichfalls ein Fundort für Hinweise zur Bewertung von in Frage kommenden Lieferanten. Die Einkaufsabteilung von Ganter Interior besucht oft die Fachmessen der Lieferanten und Maschinenhersteller, also solche, auf denen die Lieferanten neue Produkte und Verfahren suchen. Der Kontakt mit den Maschinenherstellern lässt der Abteilung einige Rückschlüsse auf die Arbeitsweise ihrer Lieferanten ziehen. Beispielsweise können sie so ableiten, wie sauber gearbeitet die Kanten in den Showrooms sein werden, wenn sie wissen, mit welchen Furnierpressen ihre Lieferanten arbeiten. Insbesondere ausländische Lieferanten, die hierzulande eher unbekannt sind, können über das Maschinen-Tracking gut bewertet werden, meint Kuhnert.

Checkliste: Lieferanten suchen – die besten Strategien

  1. Kunden des Lieferanten prüfen: Mit wem hatte der Lieferant bisher zu tun? Wie hoch wäre mein Umsatzanteil an seinem gesamten Umsatz? Bei einem Lieferanten mit wenig Volumina ist die Gefahr groß, dass er sich mit einem Groß-Kunden übernimmt.

  2. Anpassung an die Anforderungen des Einkaufs: Kann der Lieferant flexibel liefern, wenn sich die Liefermenge ändert? Ist er zeitlich flexibel? Die Auftragsmenge flexibel wachsen lassen ermöglicht ein vorsichtiges Herantasten an die Kapazitäten des Lieferanten.

  3. Entwicklung eines unternehmensspezfischen Lieferantenbewertungssystems: Der Einkauf erstellt eine Matrix, in die Kriterien wie Qualität oder Kompetenzen des Lieferanten einfließen. Die einzelnen Kriterien können gewichtet und mit Punkten bewertet werden. Die Matrix lässt sich auch für den Vertrieb im Kundengespräch nutzen.

  4. Produktkostenanalyse: Der Einkauf fragt im Zuge des Angebots die einzelnen Kostenkomponenten des angefragten Produkts ab. Gerade bei Rohstoffen kann dies ein Hinweis darauf sein, ob der Lieferant seine Kostenkomponenten gut kennt und einschätzen kann.

  5.  Suche auf Lieferanten-Fachmessen: Bei der Suche auf Messen, auf denen sich die Lieferanten ihr Equipment besorgen, ist ein besserer Einblick in die Qualitätsstrukturen eines Lieferanten möglich. Dies gilt auch gerade beim Global Sourcing.

  6.  Lieferanten-Selbstauskunft: Mit dieser Abfrage können im Vorfeld Kerndaten vom Lieferanten abgefragt werden und die Angebote verglichen werden.

  7. Referenzkunden anfragen: Der Einkäufer kann Referenzkunden des Lieferanten anfragen und Kontakt zu ihnen aufnehmen.

  8. Einbindung des Lieferanten in das Lieferantenportfolio: Lässt er sich als Konkurrenz zu bestehenden Lieferanten aufbauen? Die Entwicklung von Alternativ-Lieferanten auch bei der Neuakquise für bereits bestehende Kontakte beachten.

    Quelle: Markt und Mittelstand