Mittwoch, 26.02.2014
Infrastrukturproblem in Brasilien: Viele Teile der Infrastruktur sind so schlecht ausgebaut, dass mittlerweile infrage steht, ob die WM-Zuschauer überhaupt ausreichend befördert werden können.

Quelle: Thinkstock / Getty Images

Infrastrukturproblem in Brasilien: Viele Teile der Infrastruktur sind so schlecht ausgebaut, dass mittlerweile infrage steht, ob die WM-Zuschauer überhaupt ausreichend befördert werden können.

Einkauf
Chancen und Herausforderungen

Die größten Risiken beim Einkauf in Lateinamerika

Lateinamerika stellt Einkäufer vor Herausforderungen. Jahrzehntelange Unterinvestitionen sorgen dafür, dass der Aufschwung nur kurz sein könnte, was die Lieferketten-Planung erschwert.


Lateinamerika bietet viele Möglichkeiten: Mit 17 Prozent der weltweiten Erdölreserven ist die Region einer der wichtigsten Lieferanten für Naturschätze. Doch auch als Produktionsstandort wird Lateinamerika immer attraktiver. Durch einen rapide wachsenden Mittelstand und tendenziell stabileren Demokratien stieg auch der Anteil lateinamerikanischer Unternehmen auf den internationalen Märkten.  sollten sich mittelständische Unternehmen für eine Zusammenarbeit mit südamerikanischen Staaten entscheiden, müssen sie sich ausführlich über die Risiken vor Ort informieren.  Denn Experten warnen vor einer kurzlebigen Phase.

Lieferkette in Lateinamerika absichern

Einer der größten Herausforderungen in Lateinamerika ist, dass trotz der Entstehung von demokratischen politischen Systemen noch immer unzureichende Arbeitsbedingungen sowie  große Mängel im Sicherheits-und Gesundheitsmanagement vorherrschen.Das sind die Ergebnisse der Einrichtungen Sedex, einer gemeinnützige Mitgliederorganisation, die sich für die Verbesserungen der ethischen und verantwortungsvollen Geschäftspraktiken in globalen Lieferketten einsetzt, und Maplecroft, einem Unternehmen für globale Risikoanalyse. Die Risiken und Herausforderungen für Unternehmen entstehen besonders häufig in Mexico, Brasilien, Kolumbien und Peru.

Lieferkette verbunden mit großen Risiken

In Lateinamerika kommen Diskriminierung sowie Zwangs- und Kinderarbeit noch sehr häufig vor. „Mit den kommenden Großveranstaltungen in Lateinamerika, die WM 2014 und Olympia 2016, gibt es immer mehr Kontrolle in der Region. Es ist sehr wichtig, dass die Herausforderungen und Chancen transparent für die Investoren sind, denn sie sollten die Bedingungen vor Ort kennen und verstehen“, sagt Emily Pearce, Stakeholder-Manager bei Sedex.

Den Behörden gelingt die Überwachung  und Durchsetzung der Arbeitsrechte jedoch nicht immer ausreichend. Vor allem außerhalb der großen Städte haben sie kaum die Möglichkeit, gegen arbeitsrechtliche Verstöße vorzugehen. Da die Gesetzgebung in den lateinamerikanischen Staaten zumeist  vorschreibt, dass der Investor für die Verstöße des Zulieferers haftet, entstehen hier große Risiken, für mangelhafte Arbeitsbedingungen belangt zu werden.

Konjunkturerwartungen für Lateinamerika sinken

Die Ergebnisse zeigen, dass die hohen Konjunkturerwartungen für 2013 vielerorts nicht erreicht wurden. Am Beispiel von Brasilien, an das aufgrund der Fußball-Weltmeisterschaft besonders hohe Konjunkturerwartungen gestellt wurden, wird deutlich, dass die Investitionen nur an der Oberfläche der Probleme kratzten. Zu lange wurde zu wenig oder gar nicht investiert.
Viele Teile der Infrastruktur sind so schlecht ausgebaut, dass mittlerweile infrage steht, ob die WM-Zuschauer überhaupt ausreichend befördert werden können. Und obwohl es in Brasilien derzeit einen Aufschwung gibt, dürfte dieser nur von kurzer Dauer sein, prognostiziert Maplecroft. Denn die kurzfristigen Ausgaben für Sportanlagen werden wenig dazu beitragen, um das langfristige Produktionspotenzial der Wirtschaft zu entfalten.

Kritische Situation in den Vororten

Außerdem trug Brasilien Imageschäden davon, weil die Regierung keine friedliche Lösung für die Proteste 2013, die sich gegen die millionenschweren WM-Vorbereitungen richteten, fand. Die Lage in den Vororten von Brasiliens Städten, also dort, wo auch die meisten ausländischen Firmen ansässig sind, gerät immer wieder außer Kontrolle. Gegen die Demonstranten ging die Regierung mit Gewalteinsätzen vor, was noch mehr Demonstrationen und Widerstand hervorrief. Dadurch verschlechterte sich für die Menschen und Unternehmen vor Ort die allgemeine Sicherheit.