Montag, 16.11.2015

Bildquelle: BME / Ingo Schwarz

Ohne Datensicherheit keine Digitalisierung im Einkauf. Rund 2.200 Einkäufer diskutierten auf dem BME-Symposium Themen wie Digitalisierung und Risiken in der Lieferkette.

Einkauf
Twitter-Account ruft zum Austausch auf

Digitalisierung treibt Einkauf vor sich her

Die Digitalisierung im Einkauf erfordert ein neues Denken. Am Ende steht in vielen Unternehmen eine vollintegrierte Steuerung der Lieferkette. Über Twitter #LTAsavings soll die Digitalisierung im Einkauf voranschreiten.

Mit einer App für Einsparungen im Einkauf startet Torsten Bendlin ein Projekt zur Digitalisierung im Einkauf. Die App richtet sich an seine Kollegen im Unternehmen und listet die Eckdaten zu allen laufenden Einkaufsprojekten auf, die einen Einsparungshintergrund haben. Über die App kann sich jeder Mitarbeiter im Unternehmen an der Umsetzung der Projekte beteiligen.

Das Tool funktioniert so: Den aktuellen Stand der erzielten Einsparungen im Einkauf zeigt ein „Tracker“. Über den Twitter-Account #LTAsavings (Let's talk about savings) schreibt Bendlin die Idee für die Einkäufer-Community fort, so dass Einkäufer aus anderen Unternehmen ihre Einsparungsvorhaben diskutieren und twittern können.  Der Einkaufsleiter des Küchenherstellers Nolte stellte das Projekt auf dem 50. Symposium „Mehrwert schaffen – Brücken bauen“ des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) vor. Den Account bezeichnet er als „digitale Klammer für alle Meinungen, Statements und Ideen für Savings im Business“.

Bendlins Projekt ist eines der ersten dieser Art, denn es gibt erst wenige Projekte zur Digitalisierung im Einkauf, die auch tatsächlich an einer durchgehenden Vernetzung der einzelnen Lieferschritte ausgerichtet sind. Doch die Zeit drängt, auf den Einkauf kommen durch die Digitalisierung ganz neue Herausforderungen zu. Mit der Vernetzung entstehen neue Möglichkeiten, innovative Strategien im Einkauf zu entwickeln, beispielsweise durch den Einsatz von 3-D-Druckern wie bei Idia-Dreusicke in Berlin. Der kunststoffbearbeitende Betrieb ist dazu übergegangen, Prototypen und Kleinserienteile mit dem 3-d-Drucker zu produzieren. Die Einsparungen für den Kunden bezeichnet Geschäftsführer Thomas Dreusicke als „riesig“. Das erfordert aber auch eine Zusammenarbeit über die Abteilungen oder Unternehmen hinweg.

Die Möglichkeiten der Digitalisierung sind immens

„Wir stehen vor einem soziokulturellen, ökonomischen und digitalen Umbruch noch nicht greifbaren Ausmaßes“, glaubt BME-Vorstand Horst Wiedmann. Dazu sei nicht der Blick ins Jahr 2030 oder 2040 notwendig. „Der Umbruch ist heute schon real“, ergänzt er – mit einer Reihe von Vorteilen für Mittelständler: Wenn Zulieferer und Einkäufer enger zusammenarbeiten, können Warenbestände in Echtzeit abgefragt und angefordert werden. Gängige Produkte entwickeln sich zu „intelligenten“ Erzeugnissen, werden Bestandteil von Industrie 4.0.

Endziel der Digitalisierung im Einkauf der Pionierunternehmen ist die vollintegrierte Steuerung der Lieferkette über viele Zulieferer und Kunden hinweg. Am Ende könnte die Digitalisierung im Einkauf es sogar ermöglichen, die Ausrichtung der Produktion je nach Gewinnaussichten und Kostenstrukturen permanent zu wechseln. „Viele glauben, dass es sich um ein IT-Thema handelt, aber das ist zu kurz gedacht“, sagt BME-Hauptgeschäftsführer Christoph Feldmann. Gefordert sind Entscheidungsträger, die für innovative und digitale Prozesse den Hebel umlegen und solche Projekte auf die Agenda setzen. „Niemand hindert Unternehmen daran, ihre Fabriken schon jetzt miteinander zu vernetzen“, fügt Feldmann hinzu.

Datensicherheit hemmt Digitalisierung erheblich

Bisher konnte die Digitalisierung im Einkauf aber noch kaum Fuß fassen. Die Kosten für die Integration von Schnittstellen sind nur eine Ursache, die Sorgen um die Datensicherheit eine andere. „Sind wir überhaupt zur Digitalisierung im Einkauf bereit, solange das Thema Datensicherheit noch nicht geklärt ist?“, fragt Dirk Petzold, Head of Logistics, Maintenance und Facility Management bei MAN Diesel und Turbo.
Und seine Einwände repräsentieren offensichtlich aktuell noch einen großen Teil des deutschen Mittelstands.

Das Verbandssymposium des BME zeigte neben allen Zukunftsvisionen auch,  dass es derzeit noch an konkreten Projekten mangelt.„Einkauf 4.0 geht weit über eProcurement und eSourcing hinaus. Wir brauchen mehr Projekte, die eine enge Vernetzung des Einkaufs nach innen und außen abbilden", sagt Feldmann.