Montag, 18.11.2013
Einkauf
Hoher Aufwand für viele Firmen

Dodd-Frank Act: Elektronik am stärksten betroffen

Der Dodd-Frank Act hat die Zertifizierung im Kongo vorangetrieben. Zwei Minen sind in der DR Kongo aktuell zertifiziert worden. Dies ist sehr wenig, sagt Gudrun Franken von der BGR.

Der Dodd-Frank Act stiftet viel Unruhe in deutschen Unternehmen. Deutsche Zulieferer von Unternehmen, die an der US-Börse gelistet sind, müssen angeben, ob in ihren Produkten Konfliktmineralien enthalten sind. Zu den Konfliktmineralien zählen Zinnstein, Kolumbo-Tantalit, Wolframit und deren Derivate sowie Gold.

Stichtag ist der 31. Mai 2014, an dem die amerikanischen Unternehmen rückwirkend für das Jahr 2013 einen Einsatz von Konfliktmineralien in der Lieferkette offenlegen müssen. Gudrun Franken, Arbeitsbereichsleiterin Bergbau und Nachhaltigkeit bei der Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe, sieht viele deutsche Unternehmen in der Pflicht.

Gudrun Franken, BGR

Gudrun Franken, Arbeitsbereichsleiterin Berbgau und Nachhaltigkeit bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Welche Branchen sind in Deutschland vom Dodd-Frank Act betroffen?
Auf sehr große Teile der verarbeitenden Industrie kommt diese Auskunftsplicht zu, darunter vor allem die Elektronikindustrie, aber auch Automobilzulieferer, Werkzeughersteller. Die chemische Industrie ist zum Teil betroffen, am stärksten muss sich jedoch die Elektronikindustrie damit auseinandersetzen. In jeder Leiterplatte stecken Minerale, die aus der Konfliktregion kommen können, gleiches gilt für Zinn in Displays.

Was muss ich als Mittelständler tun, der an ein US-Unternehmen liefert, das an der US-Börse gelistet ist?
In Deutschland gibt es keine gesetzliche Verpflichtung Auskunft zu geben, es geht hier zunächst um das Bedürfnis des Kunden und hier ist der Druck recht groß. Generell ist es jedoch wichtig, sich einen Überblick über die eigenen Produkte zu verschaffen und ob sie diese sog. Konfliktrohstoffe enthalten. Der Austausch von Erfahrungen mit anderen betroffenen Unternehmen kann hierbei hilfreich sei. Auch Verbände informieren und für einzelne Branchen gibt es schon zum Teil Managementsysteme oder Produktlisten.

Programm zu Zertifizierung von Schmelzen zentraler Ansatzpunkt

Inwieweit helfen Zertifizierungen für den Nachweis?
Eine zertifizierte Produktion ist ein erster Schritt in den Ländern Zentralafrikas, den Nachweis möglich zu machen. Aktuell haben zwei Minen in der DR Kongo  CTC Zertifikate erhalten: Mali Baridi und Nyabibwe, beide im Osten des Landes. In Nyabibwe wird Zinnerz und in Mayi Baridi Coltan gefördert. Die Auditierungen sind von der Bundesanstalt für Geowissenschaften beauftragt worden.

In Ruanda ist schon flächendeckend ein Nachverfolgbarkeitssystem eingeführt, ein zertifizierter Export wird auch hier sicher bald möglich sein. Dies ist aber nur ein Bruchteil der regionalen Produktion: zwei Minen im Kongo, wo es alleine im Osten rund Tausend Abbaustellen gibt. Auch gelangen Konfliktmineralien immer wieder über andere Kanäle auf den Weltmarkt. Gold ist beispielsweise leicht zu schmuggeln.
Das Programm zu Zertifizierung von Schmelzen, das Conflict-free Smelter Program ist ein weiterer zentraler Ansatzpunkt, der gerade für die Weiterverarbeiter in der nachgelagerten Lieferkette den Nachweis der Konfliktfreiheit ermöglicht.

Wie ist der Stand weltweit? Werden jetzt alle Lieferketten landauf, landab geprüft?
Nach Angaben der OECD sind auch viele US-Unternehmen noch in den Anfängen. Deutschland ist in Europa als großer Produzent und Exporteur besonders betroffen. Aber auch hier sind vor allem die großen Unternehmen jetzt sehr aktiv.

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