Montag, 21.10.2013
Einkauf
Weitere Zertifizierungen durchgeführt

Dodd-Frank Act: europäische Initiative wahrscheinlich

Der Dodd-Frank Act betrifft deutsche Zulieferer in besonderem Maß. Amerikanische Kunden verlangen Auskünfte über die Herkunft von Konfliktmineralen. Auch die EU plant ähnliches. Was zu beachten ist und ob Zertifizierungen weiterhelfen.

Der Dodd-Frank Act bedeutet für amerikanische Unternehmen, die an der US-Börse gelistet sind, in ihrem jährlichen Bericht an die US-Börsenaufsicht offenzulegen, ob in ihren Produkten Konfliktminerale enthalten sind. Darunter fallen Zinnstein, Kolumbo-Tantalit, Wolframit und deren Derivate sowie Gold.

Für Ende dieses Jahres wird eine entsprechende Konfliktmineralien-Gesetzgebung der Europäischen Kommission erwartet. Bislang müssen deutsche Zulieferer der betroffenen US-Firmen den Bezug ihrer Konfliktmineralien nachweisen, wenn sie Teil des hergestellten Produkts sind, was von einer US-Firma bezogen wird.

Stichtag ist der 31. Mai 2014, an dem die amerikanischen Unternehmen rückwirkend für das Jahr 2013 berichten müssen. In Deutschland kommt die Auskunftsplicht auf große Teile der verarbeitenden Industrie zu, darunter die Elektronikindustrie, Automobilzulieferer, Werkzeughersteller.

„Die chemische Industrie ist zum Teil betroffen, am stärksten muss sich jedoch die Elektronikindustrie damit auseinandersetzen. In jeder Leitplatte stecken Minerale, die aus der Konfliktregion kommen können, gleiches gilt für Zinn in Displays“, erklärt Gudrun Franken, Arbeitsbereichsleiterin Bergbau und Nachhaltigkeit bei der Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe (BGR).

Dodd-Frank Act: Austausch mit betroffenen Unternehmen hilfreich

Für deutsche Unternehmen bedeutet dies, dass der amerikanische Kunde die Herkunft der Konfliktmineralien anfragt. Eine gesetzliche Verpflichtung, diese Auskunft zu erteilen, gibt es in Deutschland nicht, doch ohne eine Offenlegung dürfte die Geschäftsbeziehung zum Erliegen kommen. Vorreiter ist HP, das eine Liste der Zulieferer von Konfliktmineralen veröffentlicht hat.

Erster Schritt ist daher, sich über die Zusammensetzung der Produkte zu informieren. „Der Austausch von Erfahrungen mit anderen betroffenen Unternehmen kann hierbei hilfreich sein. Auch Verbände informieren und für einzelne Branchen gibt es zum Teil schon Managementsysteme oder Produktlisten“, führt Franken aus.

Deutsche Unternehmen wie Osram, Bosch, VW, Daimler, BMW oder Siemens arbeiten bereits an der Entwicklung interner Prozesse, um die Anforderungen des Dodd-Frank Acts zu berücksichtigen. Kein leichtes Unterfangen bei Unternehmen dieser Größe. Siemens beispielsweise ist in rund 190 Ländern aktiv mit nahezu 90.000 Direktlieferanten.

KPMG-Experte Lars Immerthal kritisiert die einseitige Auslegung des Gesetzes: „Man sollte Lieferanten nicht dazu zwingen, nur über Verträge eine Transparenz zu schaffen, die sie so derzeit gar nicht gewährleisten können.“ Somit sorgt der Dodd-Frank Act zwar für einen immensen Aufwand, doch eine Befriedung der Region kann er letztendlich nicht bewirken.

Info

Konfliktfreie Beschaffung

Eine Reihe von Elektronik-Unternehmen hat 2008 die Conflict-Free Sourcing-Initiative gegründet. Das Conflict-free Smelter Program zertifiziert Hütten und Raffinerien als konfliktfrei. Darüber hinaus werden White Papers, Leitfäden zur konfliktfreien Beschaffung und Listen kompatibler Hütten und Raffinierien veröffentlicht. Hilfreich sind auch die Vorlagen für die Selsbtauskünfte der Lieferanten, in denen die Herkunft der Konfliktmineralien abgefragt wird sowie eine Vielzahl weiterer Links zu Hintergrundinformationen.

Link: http://www.conflictfreesmelter.org/cfshome.htm

Dodd-Frank Act: Zertifizierungen ermöglichen Rückkehr der Einkäufer

Zunächst wirkte der Dodd-Frank Act in der Konfliktregion de facto wie ein Embargo. „Amerikanische Unternehmen haben in der Konfliktregion nicht mehr gekauft“, hat Professor Bali Barume, Experte bei der Bundesagentur für Geowisssenschaften und Rohstoffe, beobachtet. Hinzu kam, dass die Preise für die angebotenen Rohstoffe massiv sanken. Ein Kilo Zinn kostete beispielsweise nur noch 2 US-Dollar.

Durch die mittlerweile durchgeführten Zertifizierungen kämen jedoch die Verkäufer zurück. Die Zertifizierung ermöglicht für die Weiterverarbeiter in der nachgelagerten Lieferkette den Nachweis der Konfliktfreiheit. Aktuell haben zwei Minen in der DR Kongo CTC Zertifikate erhalten: Mali Baridi und Nyabibwe, beide im Osten des Landes.

Die Minen fördern Zinnerz und Coltan und wurden von der Bundesanstalt für Geowissenschaften beauftragt. In Ruanda dürfte ein zertifizierter Export in Kürze möglich sein, da ein flächendeckendes Nachverfolgungssystem eingeführt wurde. Dennoch ist dies zu wenig: „Dies ist aber nur ein Bruchteil der regionalen Produktion: zwei Minen im Kongo, wo es alleine im Osten rund Tausende von Abbaustellen gibt“, erklärt Franken.

Rebellen kontrollieren noch einige Regionen

Und nicht alle Minen sind zugänglich. „Einige Regionen sind noch unter der Kontrolle von Rebellen, oder die mangelhafte Infrastruktur behindert die Erreichbarkeit“, schränkt Rohstoff-Experte Matthias Baier von der BGR ein. Doch der Blick der Weltöffentlichkeit hat auch bewirkt, dass Unternehmen wie Motorola und Philips nicht nur kaufen, sondern auch in die Infrastruktur und in Schulen investieren.

Entsprechend sehen Berater im Dodd-Frank Act eher eine Chance, um neue Strukturen in der Zusammenarbeit von Einkauf und Lieferant zu schaffen: „Dies bedeutet die Bewertung und Entwicklung meiner Lieferanten im Hinblick auf Innovationen und die Einhaltung geforderter Standards“, betont Immerthal.

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