Dienstag, 13.05.2014
Die Zertifizierung von Minen soll die Zugangsbedingungen für deutsche Unternehmen verbessern.

Bildquelle: Thinkstock / Getty Images / Africanway

Die Zertifizierung von Minen soll die Zugangsbedingungen für deutsche Unternehmen verbessern.

Einkauf
Deutsche Unternehmen zögern beim Ankauf aus zertifizierten Minen

Dodd-Frank-Act: Zinn-Mine im Kongo zertifiziert

Bis Ende 2015 soll 80 Prozent der Produktion von Konfliktmineralien von deutscher Seite zertifiziert sein. Damit könnten deutsche Unternehmen die Vorgaben des Dodd-Frank-Acts erfüllen, wenn sie Konfliktmineralien aus solchen Minen einkaufen.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften (BGR) hat in der DR Kongo erstmals eine Zinn-Mine zertifiziert. Damit wird die Konfliktfreiheit der exportierten Rohstoffe aus diesem Bergwerk von offizieller Seite bestätigt. Bislang haben in der Konfliktregion erst wenige Abbaustellen einen solchen Nachweis erhalten. Im Kongo sind in Nyabibwe eine Zeche für Zinnerz und in Mayi Baridi eine Abbaustelle für Coltan authorisiert worden. „Am Freitag haben wir die Audits für zwei weitere Minen abgeschlossen, eine Mine für Zinnerz in  Sud-Kivu und eine Coltan-Mine in Nord-Kivu", berichtet Bali Barume, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der BGR und Teilprojekleiter für das BGR Projekt in der DR Kongo.

Er geht davon aus, dass zumindest eine der beiden Minen ein solches Testat erhalten wird. An dem Zertifikat hat die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mitgearbeitet.

Hintergrund des Einsatzes der deutschen Wissenschaftler ist der amerikanische Dodd-Frank-Act, der den Nachweis für die Herkunft von Konfliktmineralien fordert. Am 2. Juni läuft die Frist für die Berichtspflicht über den Einsatz von Konfliktmineralien in der Lieferkette ab. Bis zu diesem Stichtag müssen amerikanische Unternehmen, die an der US-Börse gelistet sind, rückwirkend für das Jahr 2013 offenlegen, ob in ihren Produkten Konfliktmineralien enthalten sind. Darunter fallen Zinnstein, Kolumbo-Tantalit, Wolframit und deren Derivate sowie Gold. Entsprechend werden auch deutsche Lieferanten nach dem Bezug dieser Mineralien angefragt.

Konfliktmineralien: Deutsche Unternehmen warten ab

Auch wenn die Zertifizierung vorangetrieben wird, scheint fraglich, ob die selbst gesteckten Ziele erreicht werden können. Bis Ende 2015 sollen 20 Prozent der Minen, die für 80 Prozent der Produktion aufkommen, zertifiziert sein. Bis jetzt sind es weniger als 5 Prozent. Zwar haben die mittlerweile durchgeführten Zertifizierungen dazu geführt, dass Unternehmen wie Motorola, Global Advanced Metals, MSC,Traxys, AVX, aus diesen Minen Konfliktmineralien kaufen. „Es sind aber bislang keine deutschen Unternehmen in den Kongo zurückgekehrt“, erklärt BGR-Experte Barume. Besonders norddeutsche Unternehmen hätten Interesse geäußert. Die zertifizierten Minen verkaufen zurzeit insbesondere an amerikanische und asiatische Firmen.

Eine Anfrage von Markt und Mittelstand ergab, dass der Hersteller von Spezialmetallpulvern, H.C. Starck, mittlerweile wieder Coltan aus zertifizierten Minen in Zentralafrika kauft: „Nach sorgfältiger Prüfung“, wie das Unternehmen betont. "Wir kontrollieren alle Rohstoffangebote sehr gründlich in einem mehrstufigen Verfahren auf der Basis internationaler Richtlinien und unseres eigenen Responsible Supply Chain Management System", sagt Pressesprecherin Ulrike Reich.

Das in Goslar ansässige Unternehmen verarbeitet weltweit die größten Mengen an Tantal. Bis 2003 hat H.C. Starck kongolesisches Coltan eingeführt, dass im Unternehmen zu Tantal weiterverarbeitet wurde. Dafür wurde es medial in scharfer Form abgestraft.

„Zertifizierung light" für 90 weitere Minen

Optimistisch äußert sich Barume im Hinblick auf den Verlauf der Zertifizierungen. Auch wenn bislang nur ein Bruchteil der regionalen Produktion zertifiziert werden konnte, wurden mit einem reduzierten Anforderungskatalog rund 100 weitere Minen überprüft, von denen 90 eine „Zertifizierung light“ erhalten haben. Wenn diese Minen nachbessern, wäre eine umfassende Zertifizierung möglich. Erschwert wird die Zertifizierung in der Region jedoch bislang noch durch eine mangelhafte Infrastruktur. Viele Minen sind nur schwer zu erreichen.

Eine weitere Möglichkeit für Unternehmen, die Dokumentationspflichten des Dodd-Frank-Acts zu erfüllen, ist der Bezug von Konfliktmineralien aus einer zertifizierten Schmelze. „Von den weltweit rund 400 bis 500 Schmelzen sind aktuell rund 90 zertifiziert“, erklärt Jörg Walden, Geschäftsführer von iPoint Systems, ein Software-Anbieter, der Lösungen für den Austausch von Informationen über die Wertschöpfungs- und Lieferkette anbietet. „Insbesondere der Mittelstand ist sich des Themas bewusst“, ergänzt er.

Info

Die fünf Kriterien einer Zertifizierung

  1. Transparenz: z.B. keine Unterstützung krimineller Organisationen, keine illegale Unterstützung politischer Organisationen
  2. Arbeitsbedingungen: keine Kinderarbeit, faire Löhne, Organsations- und Verhandlungsfreiheit
  3. Sicherheit: z.B. Hygiene und Gewährleistung von Sicherheit, Sicherheitstraining, Beachtung der Menschenrechte
  4. Entwicklung von Communities: Unterstützung lokaler Communities, Abstimmung mit lokal Beteiligten vor der Nutzung des Lands
  5. Umweltschutz: Erstellung eines Gutachtens zu den Umweltauswirkungen, Abfallentsorgungsplan, ökologische Wiederaufarbeitung nach dem Schließen der Mine

Quelle: BGR

 

 

Info

Zertifizierte Minen

DR Kongo / CTC zertifiziert

  • Mine für Zinn-Erz in Kalimbi (Nyabibwe) in Sud Kivu
  • Mine für Coltan in Mayi Baridi

Weitere Minen könnten in Kürze eine Zertifizierung erhalten. Rund 90 Minen haben in der Konfliktregion ein vorläufiges Testat erhalten. Nach einer erfolgreichen Auditierung könnten diese auch zertifiziert werden.

Quellen: Markt und Mittelstand, BGR

 

 

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