Montag, 02.05.2016

Die digitalisierte Fabrik von Rolls Royce Motor Cars Goodwood. Bisher wird Digitalisierung vor allem in der Produktion diskutiert. Eine neue Studie zeigt die Potenziale für den Einkauf auf.

Bildquelle: BMW

Einkauf
Studie Einkauf 4.0: komplette Automatisierung vom operativen Einkauf möglich

Durch Digitalisierung kann der Einkauf zum Innovationsmotor aufsteigen

Mit der Digitalisierung im Einkauf entstehen neue Möglichkeiten, auf die Veränderungen der Märkte zu reagieren. Eine Vernetzung der Lieferketten ermöglicht Reaktionen in Echtzeit. Der Einkauf kann zur zentralen Schnittstelle werden.

Durch die Digitalisierung wird die strategische Bedeutung des Einkaufs gestärkt. Statt einzelner Produkte bieten Unternehmen verstärkt hybride Komplettlösungen an. Damit steigen die Aufgaben und die Erwartungen an den Einkauf. „Der operative Einkauf kann dagegen nahezu komplett digitalisiert werden bis hin zur Automatisierung“, sagt Axel Schulte, Abteilungsleiter Einkauf und Finanzen bei Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML. Der strategische Einkauf würde die automatisierten Prozesse nur noch steuern und überwachen. Diese Zukunftsversion des Einkaufs war eines der Ergebnisse der Studie „Digitalisierung des Einkaufs – Einkauf 4.0“, die das Fraunhofer IML und der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) am Freitag in Frankfurt am Main veröffentlicht haben. Befragt wurden 25 Einkaufsleiter und CPOs größerer und mittlerer Industrieunternehmen sowie Wissenschaftler von zwei Hochschulen.

Kapazitäten der Zulieferer kennen – und reagieren

Inwieweit der Einkauf in die Digitalisierung eingebunden sein wird, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Die Meinungen hierzu gingen weit auseinander von „lediglich Unterstützer“ bis hin zu „aktiver Treiber“. Mit zunehmend komplexeren Wertschöpfungsprozessen, die direkt miteinander verzahnt werden, bieten sich jedoch auch neue Möglichkeiten, die Lieferketten ganzheitlich zu managen. „Wenn man die Lieferketten  von einem Ende zum anderen vernetzt, kennt man die Kapazitäten – auch die der Zulieferer“, sagt Christoph Feldmann, BME-Hauptgeschäftsführer. Bei einem Umschwenken des Marktes in eine andere Richtung, könnten in ihrer Lieferkette digital vernetzte Unternehmen entsprechend schnell reagieren. Ohne Einkauf und Supply Chain werde Industrie 4.0 in Deutschland nicht stattfinden. Die Beschleunigung und Automatisierung findet nicht nur in den Prozessen des Einkaufs statt. Da auch die zu beschaffenden Produkte dem Wandel der Digitalisierung unterliegen, wird der Einkauf mehr und mehr in Echtzeit reagieren müssen.

Auf die Studie sollen weitergehende Untersuchungen zum Thema Einkauf 4.0 folgen. BME und Fraunhofer IML haben einen Think Tank für den Erfahrungsaustausch zum Thema Digitalisierung im Einkauf gegründet. Der Expertenkreis soll Erfahrungen der bisherigen Praxis sammeln und die mit der fortschreitenden Digitalisierung der Wirtschaft verbundenen Anforderungen an den Einkauf aufzeigen. Ein ausführlicher Bericht zur Studie erscheint am 4. Mai 2016.

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