Freitag, 27.02.2015
Im Einkauf werden  Lieferketten nur unzureichend kontrolliert.

Staufen AG

Im Einkauf werden Lieferketten nur unzureichend kontrolliert.

Einkauf
Trends im Einkauf: zu viel Excel, Qualität schlägt Preis

Einkäufer und Lieferanten rücken enger zusammen

Komplexe Supply Chains werden noch mit Excel Sheets bearbeitet. Qualität zählt im Einkauf mehr als der Preis. In China werden Zulieferer stärker kontrolliert. Die neuesten Umfrageergebnisse.

Im Einkauf werden  Lieferketten nur unzureichend kontrolliert. Knapp zwei Drittel der Unternehmen aus Handel und Industrie führen ihre weltweite Produktionsplanung auf der Basis von Excel-Listen und manuellen Prozessen durch. Möglich wäre auch der Einsatz von Software-Lösungen, um die steigenden Komplexitäten in der Supply Chain zu bewältigen.  Als größte Herausforderung in der Produktionsplanung nennen die Unternehmen häufige Planänderungen als Resultat sich ändernder Marktgegebenheiten. Dies stellt für 64 Prozent der Befragten ei n Problem dar. Die Produktion wird zudem in der Regel lediglich in den einzelnen Produktionsstätten auf regionaler Ebene optimiert und nicht im Verbund mit anderen Produktionsstätten. Dies ist das Ergebnis der Studie „JDA Vision 2015“.
„Es ist kein Geheimnis, dass die Supply Chains des Handels und der Industrie immer komplizierter werden – sie umspannen Dutzende von Fertigungsstellen, Handelspartnern und immer mehr direkt auch den Endabnehmer“, sagt Kevin Ianquinto, Chief Marketing Officer bei JDA. Den Managern ist der hohe Grad an Komplexität dabei durchaus bewusst, doch Best-Practice-Beispiele werden in der Supply-Chain-Planung und -Durchführung laut Studie zur zögerlich übernommen.

Preis erst an dritter Stelle

Ein weiterer Trend im Einkauf ist der Fokus auf Qualitätskriterien. Laut einer Umfrage der Anbietersuche „Wer liefert was“ unter 2.000 Einkäufern steht dieses Kriterium im Einkauf an erster Stelle. Rund 80 Prozent gaben dies als wichtigstes Kriterium an. Lieferzeiten und Liefertreue wurden als zweitwichtigstes Kriterium angegeben.  Preis und Zahlungsbedingungen kommen mit 60 Prozent erst an dritter Stelle. „Schlechte Qualität bedeutet zumeist hohe Kosten für Reklamationen oder Ersatzbeschaffungen und kann im schlimmsten Fall Kunden kosten“, sagt Peter Schmid, CEO von „Wer liefert was“.  
Jeder zweite Einkäufer greift auf mehrere Lieferanten zurück und sucht Anbieter in unmittelbarer geografischer Nähe. Die internationale Beschaffung ist daher im Einkauf nicht der dominierende Faktor. 27 Prozent der Einkäufer nutzen Global Sourcing. Immerhin 74 Prozent sehen Deutschland als führend bei dem Zusammenspiel von guten Preisen bei gleichzeitig guter Qualität. „Deutschland ist nach wie vor Qualitätsaushängeschild, wir entwickeln uns jedoch weiter in Richtung Europa“, kommentiert Schmid diese Aussage.
Zwischen Lieferanten und Einkäufern bestehen meist langjährige Beziehungen. 37 Prozent gaben an, dass ihnen dies sehr wichtig sei. Fast jeder dritte wählt seinen Lieferanten ad hoc aus und nach Bedarf. Dies trifft insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen zu.

China: engere Kooperation mit Lieferanten

Hierzulande arbeiten die meisten Einkäufer mit Lieferanten-Entwicklungsprogrammen. Das setzt sich auch beim Einkauf in China immer häufiger durch als Reaktion auf gestiegene Produktionskosten, größeren Wettbewerbsdruck und Zwangs-Preissenkungen der chinesischen Regierung. Die deutschen Einkäufer sehen in der Zusammenarbeit mit Lieferanten großes Potenzial. Marktanalysen der Unternehmensberatung Staufen ergaben, dass die Produktivität in den Fabriken der chinesischen Lieferanten um mehr als ein Drittel gesteigert werden könne, Ausschuss und Durchlaufzeit ließen sich halbieren. „Wir finden in den Fabriken chinesischer Zulieferer teilweise noch Strukturen vor, die mich an die Zeiten meines Industriepraktikums in Deutschland vor 25 Jahren erinnern“, sagt David Müller, Staufen-Geschäftsführer in China.
Voran gehen bei diesem Thema die Automobilhersteller. Wie auch in Deutschland üblich vergeben die OEMs und andere Industriebetriebe auch in China mittlerweile komplette Baugruppen an ihre chinesischen Lieferanten.  Um die Qualität zu verbessern, bieten deutsche Hersteller ihren chinesischen Lieferanten gezielt Weiterbildungsangebote an.