Freitag, 10.05.2019

Foto: Horsch Maschinen

Montage eines Bodenbearbeitungsgerätes: Horsch involviert den Einkauf schon in einer frühen Produktentwicklungsphase.

Einkauf
Digitaler Einkauf

Wie ein Agrartechnikhersteller seine Effizienz steigert

Der Agrartechnikhersteller Horsch hat seinen Einkauf mit Hilfe von digitalen Lösungen auf Effizienz getrimmt. Die Datenbasis für Verhandlungen mit Lieferanten ist dadurch zuverlässiger, Analysen sind weniger zeitaufwendig. Aber nicht jede Softwarelösung ist automatisch besser.

Bei Preisverhandlungen mit Zulieferern stand Johann Neidl früher vor der Herausforderung, in kurzer Zeit größere Datenmengen zu analysieren. Der Bereichsleiter für Beschaffung und Lieferantenmanagement bei Horsch musste dafür oft sehr lange recherchieren, die Fehlerquote und somit die Aussagequalität waren jedoch nicht sehr gut – ein Problem, das im Einkauf häufig auftritt, vor allem bei mittelständischen Unternehmen.

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2016 führte das Unternehmen aus Schwandorf bei Regensburg ein digitales Bestell- und Lieferantenmanagement ein und verlässt sich seitdem auch beim Einkaufscontrolling auf die Kostenanalyse durch Algorithmen. Mit Hilfe von digitalen Tools ist das Einkaufscontrolling wesentlich einfacher geworden. „Kennt der Einkäufer aktuelle Umsätze und die Preisentwicklungen auf den Bezugsmärkten, kann er viel professioneller und direkter auftreten und so mehr Zugeständnisse erreichen“, erklärt Johann Neidl.

Foto: Horsch Maschinen

Johann Neidl

Die digitalen Lösungen sind nicht nur verlässlicher, sondern auch schneller. Um etwa die Herstellkosten von neuen Produkten schon in der Entwicklung analysieren zu können, benötigt das Team von Johann Neidl die Preise, Mengen und Spezifikationen der einzelnen Komponenten. „Preise in einer frühen Produktentwicklungsphase bei Lieferanten einzuholen ist sehr zeitaufwendig“, erklärt der Chefeinkäufer. Die Digitallösung der Firma ermögliche mehr Transparenz und präzisere Ergebnisse. Die Software könne berechnen, wie viel beispielsweise der Einkauf eines neuen Biege- oder Laserteils koste und wie sich das auf den Preis des Endprodukts auswirken würde.

Der Clou: Dafür muss sich das Teil noch nicht einmal im Portfolio befinden. „Die Software betrachtet die bestehenden Komponenten in dieser Warengruppe und kalkuliert auf dieser Basis den Preis“, erklärt Neidl. Dadurch müssten Lieferanten nicht mehr individuell angefragt werden, was eine deutliche Entlastung darstelle.

Saubere Kosten-Nutzen-Analyse durchführen

Zwischen 2016 und 2018 konnte der Hersteller von Bodenbearbeitungsgeräten und Sämaschinen durch die Einführung des digitalen Bestell- und Lieferantenmanagements die Effizienz um 10 bis 15 Prozent steigern, sagt Johann Neidl. Um die Ergebnisse zu nutzen, muss die Datenqualität allerdings hoch sein. Um diese zu gewährleisten, will Horsch noch in diesem Jahr ein weiteres digitales Tool einführen.

Doch nicht in allen Bereichen sind digitale Lösungen das Nonplusultra. Bei der Klassifizierung von Bauteilen für die Disponierung war bei Horsch auch ein digitales Tool im Gespräch. Das mittelständische Unternehmen kam aber zu dem Ergebnis, dass es unter den gegebenen Rahmenbedingungen günstiger ist, das bestehende SAP-System gezielter einzusetzen. „Man sollte unbedingt eine saubere Kosten-Nutzen-Analyse durchführen, bevor man sich für eine Lösung entscheidet“, sagt Neidl. Um sicherzugehen, empfiehlt er ein Pre-Testing, das bei allen gängigen Anbietern möglich ist. Einige bieten auch eine Analyse des Return on Investment (ROI) an.

Auf dem Weg zum Datenmanager im Einkauf

Viele Mitarbeiter stehen digitalen Lösungen skeptisch gegenüber, weil sie befürchten, dass sie zukünftig ersetzt werden sollen. Obwohl einige Studien das Gegenteil zeigen, steckt die Zukunftsangst hartnäckig in den Köpfen. „Deshalb stülpen wir unseren Mitarbeitern neue Lösungen nicht einfach über, sondern diskutieren und bewerten jede einzelne Lösung intern“, sagt Johann Neidl. „Auf diese Weise gibt es sehr wenige Widerstände bei der Einführung, weil sie viele mittragen.“

Johann Neidl ist überzeugt, dass dem datengetriebenen Einkauf die Zukunft gehört. „Erst hatten wir den operativen Einkauf, dann kam der strategische, und in Zukunft wird es auch im Einkauf Datenmanager geben, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Daten koordinieren.“ Druck kommt insbesondere von den Konzernen, die die Digitalisierung massiv vorantreiben und den Takt für den Einkauf der Zukunft vorgeben. „Siemens, Daimler oder Continental gelten hier als Vorreiter und setzen schon sehr interessante Lösungen ein – da müssen wir nachziehen.“