Sonntag, 31.05.2015
In den kommenden Jahren könnte sich das Blatt für den Einkauf in Brasilien wenden.

Bildquelle: Aquir/Thinkstock/Getty Images

In den kommenden Jahren könnte sich das Blatt für den Einkauf in Brasilien wenden. Dafür muss allerdings auch die Konjunktur wieder anziehen.

Einkauf
Wirtschaftliche Flaute bremst Entwicklung

Einkauf in Brasilien: Unternehmen suchen neue Kunden

Brasilien ist eine Herausforderung für den Einkauf. Der Export geht seit Jahren zurück. Doch die wirtschaftliche Stagnation führt zu einem steigenden Interesse brasilianischer Firmen am Export.

Die Dynamik im brasilianischen Binnenmarkt fehlt. Dadurch interessieren sich brasilianische Unternehmen verstärkt für den Export. Für den deutschen Einkauf in Brasilien sind in erster Linie  landwirtschaftliche Produkte und deren Derivate wie Soja, Reis oder Zucker interessant. „Rohstoffe wie vor allem Eisenerz und Bauxit zählen bereits zu den wichtigsten Importgütern Deutschlands“, sagt Maximilian Friedrich, Senior Consult bei der Beratungsgesellschaft Inverto. Nach seiner Einschätzung dürfte Öl und Gas durch die Erschließung weiterer Rohstoffquellen zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Ende 2014 verharrte die brasilianische Wirtschaft im Stillstand. Experten rechnen mit einem Einsetzen der wirtschaftlichen Belebung frühestens 2016. Hauptgrund für die Stagnation soll die mangelhafte Wirtschaftspolitik in dem südamerikanischen Land sein. Die Industrie leidet unter schwierigen Investitionsbedingungen und hohen Kosten. Entsprechend zurückhaltend sind die Investitionen von Seiten der Unternehmen.

„Durch die angespannte wirtschaftliche Lage im Land und fehlende Dynamik auf dem Binnenmarkt müssen sich brasilianische Firmen mehr auf den Export fokussieren", hat Brasilien Experte Friedrich beobachtet. Dadurch ließen sich auch Preisvorteile generieren. Südamerikanische Nachbarländer, insbesondere Argentinien, zeigen darüber hinaus im Automobilsektor eine Importschwäche. Daher setzt die brasilianische Produktion ihre Hoffnung auf andere Länder außerhalb des Mercosul. 

Einkauf in Brasilien: Experten bemängeln Unzuverlässigkeit

Exporthemmnisse sollen abgebaut werden im Zuge eines „Nationalen Plans für die Exportwirtschaft“, der im April angekündigt wurde. Bisher gibt es aber noch keine konkreten Schritte. Eine integrierte Online-Außenhandelsplattform (SISCOMEX), die als sehr modern mit einer hohen Sicherheit gilt, verringert den Beschaffungsaufwand. Exportgüter und Vorprodukte für Exportgüter sind steuerbefreit. Die Automobilbranche bewertet die Aussichten in diesem Land durchaus positiv. Bis 2017 wollen die OEMs rund 25 Milliarden Euro in Brasilien investieren. Das dürfte auch die Strukturen der Zulieferbetriebe verändern, neue Zulieferbetriebe dürften nachziehen und sich rund um die OEMs ansiedeln.

Die Präsenz vor Ort ist wichtig für den Ablauf. Experten kritisieren Bestechungspraktiken, Unzuverlässigkeit der brasilianischen Lieferanten sowie verspätete Lieferungen aufgrund mangelnder Verkehrsinfrastruktur. Abhilfe soll hier geschaffen werden durch die Öffnung privater Unternehmen für Investitionen in die Infrastruktur. Neue Cargostrecken entstehen für den Export von Rohstoffen. „Als ein politisch stabiles Land lassen sich durch die Beschaffung in Brasilien Risiken in Krisenregionen ausgleichen“, sagt Friedrich.

Info

Tipps für den Einkauf in Brasilien  

 

  • Marktinformationen sammeln und mit den relevanten Handelskammern sprechen.

  • Vor Ort nach geeigneten Firmen suchen. Dazu eignen sich Messen als Informationsquelle und zum Kennenlernen potentieller Lieferanten besonders gut.

  • Falls anfangs kein direkter Kontakt hergestellt werden kann, können Einkaufsagenturen verwendet werden.

  • Genug Geduld mitbringen um das Sourcing zu betreiben und eine Einigung  zu erzielen.

  • Vor allem sollte man dem brasilianischen Unternehmen nach Geschäftsabschluss genug Zeit geben, die Lieferungen vorzubereiten.  Zu ambitionierte Liefertermine werden wohl vom brasilianischen Unternehmen akzeptiert (Motto „Das schaffen wir schon“). Dann jedoch kann es leicht zu Verspätungen und Verschiebungen im Zeitplan kommen.

  • Zeitnahe Information über zollrechtliche Bestimmungen einholen, da Brasilien von hohem bürokratischem Aufwand geprägt ist, und viele regionale Unterschiede bestehen.

  • Zahlungen sind grundsätzlich unter Verwendung von Devisenwechselverträgen zu leisten.

 

Quellen: Inverto AG, Markt und Mittelstand