Dienstag, 02.12.2014
Einkauf in China: Container im Hafen in China

Bildquelle: tcly / Thinkstock / Getty Images

Beim Einkauf in China wandelt sich das Blatt: Das Land entwickelt verstärkt hochwertigere Produkte.

Einkauf
Produktivität steigt in vielen Branchen

Einkauf in China bleibt interessant

Der verstärkte Einsatz von Automatisierungstechniken hat Chinas Wettbewerbsfähigkeit verbessert. Daraus ergeben sich neue Möglichkeiten für den Einkauf in China.

Steigende Lohnkosten und Arbeitskräftemangel haben China verändert. Dadurch setzen Lieferanten in China zunehmend auf die Verbesserung der Produktivität. Flächendeckend werden Automatisierungstechniken eingesetzt. Doch im Wettbewerb mit Niedriglohnländern kann China in bestimmten Produktgruppen wie Spielzeug oder Textilien nicht mehr mithalten. „Hier geht der klare Trend in Richtung Südostasien“, sagt Minrui Ji, General Manager von  Inverto China.

Neben einer Verbesserung der Produktivität stehen Innovationen im Fokus, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Auch die chinesische Regierung fördert offensiv Innovationen.  Deutsche Unternehmen kooperieren dabei zusehends mit chinesischen Lieferanten, um gemeinsam Innovationen zu generieren. Unternehmen wie Bayer, SKF oder Ametek entwickeln gemeinsam mit ihren Lieferanten im Einkauf innovative Ideen, beispielsweise in den Bereichen eProcurement oder Crowd Sourcing.

Automobil: Kosteneinsparung bis zu 20 Prozent

Der Automobilsektor ist dabei federführend. Kaum ein Teil aus dieser Produktion muss heute noch aus dem Ausland beschafft werden. „Aufgrund langjähriger Erfahrung besitzt China die Technologie und das Know-how für eine anspruchsvolle Fertigung“, sagt China-Expertin Minrui Ji. Als Beschaffungsmarkt für die Fertigung komplexer Güter in der Industrie sowie im Maschinen- und Anlagenbau kann China sich gut behaupten.

Deutsche Automobilzulieferer, die vor Ort produzieren, beobachten, dass die chinesische Regierung die heimischen OEMs stark unterstützt. Auf der Kostenseite ist China in diesem Sektor nach wie vor sehr wettbewerbsfähig. Daimler-Einkaufsleiter Klaus Zehender sagte kürzlich auf einem Pressegespräch in Stuttgart, dass abhängig von der Lokalisierungstiefe, der Logistik und dem Automatisierungsgrad bei dem Einkauf in China eine Kosteneinsparung von bis zu 20 Prozent generiert werden könne.

Ein Trend beim Einkauf in China ist zudem die Nutzung von Beschaffungsplattformen für bestimmte Warengruppen. Die ERP-Systeme im Einkauf werden zusehends an die chinesischen Lieferanten angebunden. Dies wird wiederum auch vom chinesischen Handelsministerium gefördert. „Hierbei mangelt es aber noch an einer gemeinsamen Sprache“, sagt Anton Pietsch, China-Experte und General Manager beim Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik.e. In Deutschland bekannte Standardisierungen und Warengruppencluster seien in China noch nicht bekannt oder würden nach anderen Kriterien in Cluster zusammengefasst.

Info

Was ist zu beachten beim Einkauf in China

 

Wo punktet China?

 

  •  Günstige Preise: Trotz zweistelliger Wachstumsraten bei den Löhnen gleichen Produktivitätsgewinne dies wieder aus.
  • Qualitäts-Lieferanten: Kommunikation, Qualitätssicherung und Liefertreue haben sich verbessert.
  • Produktqualität: bessere Technologie und Know-how für anspruchsvolle Fertigungen. Komplizierte Teile können heute in hoher Präzision gefertigt werden.

 

Wo könnten Probleme auftauchen?

 

  • Stromausfälle und Streiks: Lieferketten durch Double Sourcing absichern.
  • Aufwändige Beziehungspflege: Lieferanten können Geschäfte schnell abbrechen, wenn sie sich unfair behandelt fühlen. Kontinuierliche Beziehungspflege ist ein wichtiges Element beim Einkauf in China.
  • Hohe Fluktuation: Unterstützung von Seiten des deutschen Betriebes beim chinesischen Lieferanten auf der Personalseite kann die hohe Fluktuation positiv beeinflussen.
  • In Deutschland übliche Standardisierungen, Warengruppencluster und Normierungssysteme sind in China noch nicht bekannt bzw. werden andere Clusterungen verwendet.

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