Freitag, 11.10.2013
Einkauf
Verliert China die Pole Position?

Einkauf in China im Rückwärtsgang

Die Material- und Rohstoffkosten in China könnten schon bald nicht mehr dem chinesischen „billig“-Image entsprechen, denn die Lohnkosten in China steigen . Sind das erste Zeichen für einen Rückgang der Importe aus China?

Einkauf in China: Über zwei Drittel der Modeeinkäufer wollen ihren Einkauf in andere Länder verlagern. Grund dafür sind steigende Einkaufspreise, die drei Viertel der Modeeinkäufer erwarten, insbesondere aufgrund der höheren Lohnkosten in China. Das geht aus einer aktuellen Studie der Managementberatung McKinsey & Company hervor. Die befragten Einkaufschefs führender Modemarken in Europa und den USA rechnen mit Preissteigerungen von 1,7 bis über 4 Prozent pro Kleidungsstück. Neben den höheren Lohnkosten erwarten die Einkäufer auch höhere Material- und Rohstoffkosten. Aus diesem Grund seien Einkäufer fortwährend auf der Suche nach neuen Beschaffungsstandorten. Aktuell stammen rund 38 Prozent aller weltweiten Exporte im Textilbereich aus China.

Einkauf in China: Bangladesch macht China Konkurrenz

Hoch im Kurs steht an dieser Stelle vor allem Bangladesch: für mehr als die Hälfte der Befragten gehört Bangladesch zu den Top 3 der wichtigsten Beschaffungsländer der kommenden fünf Jahre, gefolgt von Vietnam, Indien und Myanmar. „Die Branche hat die Wichtigkeit von Arbeitsstandards und sozialen Bedingungen erkannt”, sagte McKinsey-Partner Achim Berg, der sich auf die Beratung von Modeunternehmen spezialisiert ist. Doch vor allem in Sachen Gebäudesicherheit und Brandschutz bestünde in Bangladesch noch Nachholbedarf. Eine realistische Alternative zu Bangladesch gibt es laut McKinsey noch nicht. 80 Prozent der befragten Einkäufer kündigten sogar an, den Beschaffungsanteil aus Bangladesch in den kommenden zwei Jahren sogar noch zu erhöhen, und mehr als 70 Prozent wollen die Auditierungsstandards für Gebäudesicherheit und Brandschutz überarbeiten.

China verlagert Schwerpunkt

Anton Pietsch, Geschäftsführer Standort Shanghai vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V., sieht dennoch keinen Rückgang beim Einkauf in China: „Letztlich unterstützt die chinesische Regierung sogar den Trend, dass Billig- und Massenware in Länder wie Vietnam oder  Bangladesch abwandern.“ Die Regierung wolle noch viel stärker in Qualität und Produktivität investieren. „Die meisten Unternehmen haben erkannt, dass China, speziell im Qualitätsbereich, enorm zugelegt hat. Die „Billiglohnländer“, wie unter anderem Vietnam, haben hier noch erheblichen Aufholbedarf.“
Außerdem betreffe der Trend zu höheren Lohnkosten vor allem die Ballungszentren wie Shanghai. „In der Provinz Sichuan, Hauptstadt Chengdu, mit neuen Werken von beispielsweise VW und Bosch sind die Lohnkosten rund 30 Prozent niedriger als in Shanghai und diesen Vorteil wollen die Unternehmen nutzen “.

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