Dienstag, 28.07.2015

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Chinesische Mauer: Deutsche Unternehmen benötigen im Handel mit China Schutz gegen Betrug.

Einkauf
Risikoprüfung auch bei Gelegenheitskauf

Einkauf in China: Mehr Betrugsfälle

Beim Einkauf in China waren in den vergangenen Jahren immer wieder Betrugsfälle in den Handelsbeziehungen mit China bekannt geworden. Doch in den letzten Monaten hat die Häufigkeit solcher Fälle enorm zugenommen. In Sachen Vorsichtsmaßnahmen sparen Unternehmen oft an der falschen Stelle.

Der chinesische Markt ist für viele Einkäufer, und vor allem in mittelständischen Unternehmen, von großer Bedeutung. Doch lauern beim Einkauf in China unterschätze Gefahren, gerade in Bezug auf Wirtschaftskriminalität. Wie die Deutsche Botschaft in Peking mitteilte, ereigneten sich in den vergangenen Monaten immer mehr Betrugsfälle bei deutschen Unternehmen mit Handelsbeziehungen nach China. Zu den gängigsten Maschen der Betrügereien zählen oftmals altbekannte aber dennoch neu aufgezogene Taktiken wie  Späh- und Hackerangriffe oder Scheinfirmen.

Einkauf in China: Erst- und Gelegenheitskäufer gefährdet

„Basierend auf den uns vorliegenden Meldungen von geschädigten Unternehmen, sind am häufigsten Erst- und Gelegenheitskäufer von Betrugsfällen betroffen“ erklärt die Auslandshandelskammer (AHK) Greater China. „Diese Unternehmen versäumen es häufig, eine sorgfältige und ordentliche Risikoprüfung (Due Diligence, DD) des künftigen Geschäftspartners durchzuführen.“ Oftmals fände vor Ort außerdem keine Qualitätskontrolle bei der Produktion oder eine Prüfung der Ware statt.

Dennoch warnt die Deutsche Botschaft auch vor Übergriffen auf Unternehmen mit langjährigen Geschäftserfahrungen in und mit China und nennt an dieser Stelle eine Betrugsmasche, bei der die Täter einige Zeit und Energie aufwenden, um die Interna einer Gesellschaft auszuspähen. Dabei schalten sich die Hacker beispielsweise zwischen einen leitenden Manager und einen wichtigen Assistenzmitarbeiter und übernehmen zeitweise deren Kommunikation. Schließlich verschicken die Hacker im Namen des Managers  falsche Mails, die dem Mitarbeiter Anweisungen übermitteln, in denen er dringende Überweisungen zu tätigen habe.

Einkaufsprozesse mit Qualitätskontrollsystem

Auch wenn der chinesische Markt aufgrund der kulturellen Unterschiede, der Sprache sowie  anderer Gebräuche, häufig exotisch und unbekannt erscheine, sollten bei Einkaufsprozessen die gleichen Vorgehensweisen und Richtlinien angewandt werden, wie auch in anderen Ländern, wie die AHK Greater China weiter mitteilt. Dies beinhalte unter anderem die vorhergehende Prüfung von Lieferanten, der Fabrik sowie der Produktionsanlagen.

Zu beachten sei außerdem, dass chinesische Lieferanten die Abnahme von großen Stückzahlen gewohnt sind und daher eher selten bereit sind, kleinere Mengen zu produzieren. Bei der Auftragsfertigung in China sollte zwingend ein Qualitätskontrollsystem ein- und durchgeführt werden. Oft sparen Unternehmen hier an der falschen Stelle. Idealerweise sollte die Ware von eigenen Mitarbeitern oder einem Dienstleister direkt vor der Verschiffung geprüft werden. Es zeigt sich, dass geschädigte Unternehmen oft auf die Einholung einer Firmenauskunft, wie Überprüfung der Firmenlizenz sowie der Eigentumsverhältnisse, komplett verzichtet hatten.

Betrugs wird zu spät festgestellt

Bei Ankunft der Ware in Deutschland stellt das Unternehmen fest, dass minderwertige Waren, Ausschuss oder gar andere Waren als bestellt, alle jedoch ohne wirtschaftlichen Wert, im Container enthalten sind. Zu diesem Zeitpunkt ist es jedoch schon zu spät, denn in den meisten Fällen sind die als Verkäufer dargestellten Unternehmen gar nicht existent und die Bankkonten sehr häufig im Namen von Briefkastenfirmen aus Hong Kong eröffnet worden. Meist ist jeglicher Versuch, die Betrüger zu identifizieren und eine Rechtsverfolgung einzuleiten vermutlich aussichtslos.

„Bei Unternehmen, die im Vorfeld eine ordnungsgemäße Risikoprüfung durchgeführt haben, treten solche Probleme weniger häufig auf. Denn durch eine sorgfältige vorherige Prüfung des Auftragnehmers lassen sich im Vorfeld Risiken wie beispielsweise das Fehlen einer Exportlizenz oder die Beauftragung eines Lieferanten mit nur mangelhaften Produktionsanlagen, die nicht den gewünschten Qualitätsstandards entsprechen, vermeiden“, rät die AHK Greater China.

Langwierige Gerichtsverfahren in China

Falls ein Unternehmen feststellt, dass es Opfer einer Betrugsmasche geworden ist, stünde
grundsätzlich dem geschädigten Unternehmen der Rechtsweg in China offen. Die Empfehlung liegt nahe, im Vorfeld zu prüfen, wie hoch die Schadenssumme ist und wie aussichtsreich der Gang vor Gericht sein wird. „War der Auftragnehmer beispielsweise nicht ordnungsgemäß oder unter gefälschten Angaben registriert,  kann es unter Umständen schwer sein, ein entsprechendes Verfahren einzuleiten und das betreffende Unternehmen zu verklagen“, gibt die AHK Greater CHina zu bedenken.

Außerdem komme hinzu, dass Gerichtsverfahren in China sehr teuer und langwierig sein können, so dass sich die Anwalts- und Gerichtskosten schnell über mehrere tausend Euro summieren, bevor das Verfahren überhaupt eröffnet ist. „Beim Abschluss von Lieferantenverträgen empfiehlt sich daher, die Aufnahme von Schiedsklauseln vor chinesischen Schiedsgerichten.“

Info

Einkauf in China: Checkliste Vorsichtsmaßnahmen

  • Überprüfen, ob der Geschäftspartner eine vollständige und richtige Anschrift angegeben hat, und ob diese mit der angegebenen Bankverbindung und Telefonnummer übereinstimmt

  • Überprüfen, ob auf der Webseite des potentiellen Geschäftspartners (soweit er eine hat), der gleiche Unternehmensname und die gleiche Anschrift angegeben werden und ob die Angaben zum Unternehmen bzgl. der Geschäftstätigkeit mit dem Registrierungsdatum der Webseite übereinstimmen. Besonders bedenklich sind Webseiten, die erst kürzlich und nur für die Dauer eines Jahres registriert wurden.

  • Sich Dokumente vorlegen lassen, die die Echtheit des Unternehmens verifizieren können, wie den Gewerbeschein und den/die Pässe des/der Geschäftsführer

  • Unter Umständen eine Handelsregisterauskunft sowie einen ausführlichen Kreditreport und eine begleitenden Hintergrundprüfung einholen.

  • Aufsetzen eines Vertrages, der zumindest Angaben über die Parteien (inklusive Anschrift und gesetzlicher Vertreter) enthält, die Waren, Preis, Lieferart, Zahlweise und Warenqualität enthält. Der Vertrag soll mit dem Firmenstempel versehen werden.

Quelle: AHK Greater China