Montag, 08.06.2015
Für die Beschaffung in Vietnam werden mit den geplanten Freihandelsabkommen eine Reihe von Handelshemmnissen abgebaut.

Bildquelle: Aquir / Thinkstock / Getty Images

Für die Beschaffung in Vietnam werden mit den geplanten Freihandelsabkommen eine Reihe von Handelshemmnissen abgebaut.

Einkauf
Bei Schuhen unter die ersten drei weltweit aufgestiegen

Einkauf in Vietnam: Freihandel mit EU dürfte Boom bewirken

Mit dem Freihandelsabkommen Ende 2015 zwischen Vietnam und der EU wird das Land interessanter für den Einkauf. Besonders wettbewerbsfähig ist Vietnam bei Textilien und Schuhen. Medizintechnik könnte Potenzial entwickeln.

Der Einkauf in Vietnam stieg zwischen 2009 und 2014 um rund 162 Prozent. Damit lag Vietnam noch vor den Philippinen, Thailand oder Taiwan. Besonders stark nachgefragt werden von deutschen Einkäufern Textilien und Schuhe. Das Staatsunternehmen Vinatex prägt den Textilmarkt. Bei Lederschuhen ist Vietnam auf Platz 3 mit 8,7 Prozent weltweit hinter China und Italien aufgerückt. Medizintechnik verzeichnet gleichfalls ein größeres Interesse, bedingt durch das detailgetreue Arbeiten der Vietnamesen. Im Bereich der Elektrotechnik könnte es darüber hinaus Bewegung geben. Foxconn hat in Vietnam einige Produktionsstätten aufgebaut.

Durch das Freihandelsabkommen Ende 2015 entstehen Erleichterungen hinsichtlich Zöllen und anderen Handelsbarrieren. Vietnam erhält damit im Hinblick auf seine Wettbewerbsfähigkeit einen Vorsprung vor Malaysia und den Philippinen. Experten vermuten, dass die EFTA-Staaten hinterher ziehen werden. Die Schweiz hätte ein großes Interesse signalisiert. Vietnam verhandelt darüber hinaus ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Freihandelsassoziation, der Republik Korea, der Zollunion von Russland, Weißrussland und Kasachstan sowie über einen Beitritt zur Trans-Pacific Strategic Economic Partnership (TTP).

Einkauf in Vietnam: Zeit in den Vorlauf investieren

„Man findet gute Zulieferunternehmen“, sagt Marko Walde, Geschäftsführer der Deutschen Auslandshandelskammer Vietnam. „Das Interesse deutscher Einkäufer steigt deutlich, gerade von solchen Einkäufern, die bisher vor allem in China beschafft haben.“ Im Sinne einer Diversifizierung wird Vietnam als Alternative aufgebaut. Enttäuschungen im Alltag hätten noch vor den Kostensteigerungen in China auch dazu beigetragen, berichten Experten. Waren seien teilweise nicht verschifft worden, wenn sie schon im Hafen lagen, bevor der deutsche Einkäufer spontan einen höheren Preis zugesagt hätte. Auch ist das Interesse der chinesischen Betriebe an kleineren Chargen oft verhalten, berichten Einkäufer. Bei einem Einkauf von 50.000 T-Shirts sei man zwar nach wie vor gut in China aufgehoben, 5.000 Brautkleider seien aufgrund der höheren Detailtreue besser in Vietnam zu beschaffen.

„Zu Beginn von Verhandlungen ist es wichtig, eine persönliche Ebene zu schaffen und sich kennen zu lernen“, sagt Beate Hölters, Principal bei der Beratungsgesellschaft Inverto. Ein Gesprächseinstieg über Familie, Hobbies und die vietnamesische Kultur würde eine Geschäftsanbahnung erleichtern; ein Aspekt, der von deutscher Seite oftmals unterschätzt werde. Darüber hinaus spielen Titel und Status eine große Rolle als Folge der langen hierarchiegeprägten Einflussnahme Chinas. Der Vorlauf für den Einkauf braucht Zeit: „Bis zur ersten Probelieferung vergehen zwischen sechs und acht Monate", sagt Walde. Erste Kontakte laufen in der Regel über Markterkundungsreisen, Messen oder durch die Vermittlung von Institutionen.

„Beim Klima Risiko Index, einem Index, der zeigt, wie stark Länder von Wetterextremen wie Überschwemmung, Sturm und Hitzewellen betroffen sind, liegt Vietnam weltweit auf Rang 6“, ergänzt Hölters. Demnach stelle das Wetter ein hohes Risiko dar, Kambodscha nimmt dagegen Platz 37 ein, Tunesien Rang 168. Auch die Unruhen im Mai 2014 haben die Beziehungen zu deutschen Unternehmen getrübt. In mehreren Firmen fanden als Folge des Konflikts mit China um Inseln im Südchinesischen Meer Plünderungen statt.