Freitag, 13.09.2013
Einkauf
Seltene Erden sind Dauerbrenner

Einkauf muss Rohstoffmanagement absichern

Rohstoffmanagement: Die ruhigen Zeiten lassen sich zur Absicherung nutzen. Der Einkauf im Unternehmen sieht den Rohstoffmarkt derzeit gelassen. Die Rohstoffpreise drücken nicht mehr so stark auf das Unternehmensergebnis.

Gerade einmal ein Viertel der Unternehmer rechnet mit starken Schwankungen. Allerdings verschärft sich die Konkurrenzsituation auf dem Rohstoffmarkt. So sollte der steigende Bedarf aus den Schwellenländern nicht vernachlässigt werden. Ebenso können Streiks , der Nahost-Konflikt und die steigenden Spekulationen mit Rohstoffen die Preise künftig wieder in die Höhe treiben. Die derzeitige Entlastung ist daher wahrscheinlich nur von temporärer Natur.

Nach Angaben der befragten Einkäufer hat die Rohstoffpreissteigerung nicht mehr  maßgeblichen Einfluss auf das Betriebsergebnis der Unternehmen. Die Hälfte der Unternehmer sieht im erhöhten Wettbewerb und in schwindenden Absatzmärkten eine größere Gefahr. Die gesunkene Furcht vor Preisschwankungen von Rohstoffen ist einerseits auf die derzeit entspannte Lage zurückzuführen, andererseits versuchen Unternehmen sich aus der Rohstoffabhängigkeit zu befreien.

Rohstoffmanagement: Gefahr von Preisschwankungen

Der Einkauf im Unternehmen blickt derzeit zuversichtlich auf die zukünftige Versorgungssicherheit mit Rohstoffen. Grund dafür sind die Entspannungen auf den Rohstoffmärkten in den vergangenen Jahren. So rechnen in diesem Jahr lediglich 5 Prozent der von Inverto befragten Unternehmer mit Versorgungsengpässen bei Strom, im Vorjahr waren es noch über 26 Prozent. Auch die Verfügbarkeit von Energie und Seltene Erden bereitet den Unternehmen in diesem Jahr weniger Sorgen. Die Furcht vor Energieengpässen sank von 29 auf 17 Prozent, bei Seltenen Erden von 38 auf 26 Prozent.

Die Unternehmer fürchten allerdings in diesem Jahr verstärkt, dass es zu Engpässen bei Chemikalien und Agrarrohstoffen tierischen Ursprungs kommen könnte. Die Zahlen stiegen von 14 auf 20 Prozent und von 7 auf 12 Prozent. Jens Kiebler, Rohstoff-Experte bei Inverto, sieht hierauch externe Faktoren als Preistreiber: „Die Seltenen Erden sind ein Dauerbrenner.

Daneben sorgen immer wieder einzelne Rohstoffe kurzfristig für Verunsicherung. Hieran lässt sich der politische und mediale Einfluss auf das Rohstoffmanagement erkennen. So standen im letzten Jahr angesichts der gerade beschlossenen Energiewende vor allem Strom und Energie im Fokus. In diesem Jahr spielen Agrarrohstoffe und Milchpulver eine größere Rolle.“

Rohstoffmanagement gewinnt an Bedeutung

Die Rohstoffpreisschwankungen der letzten Jahre haben auch im Rohstoffmanagement ihre Spuren hinterlassen. Mittlerweile setzen 90 Prozent der Unternehmer auf stärkere Information über Rohstoffrisiken. Bereits 46 Prozent der Unternehmen haben dafür ein internes Berichtsystem eingeführt. Dennoch besteht für die Einkäufer der Unternehmen Potenzial zur stärkeren Vernetzung mit anderen Abteilungen mittels Jour Fixe und schriftlicher Dokumentation.

Deutsche Unternehmer fokussieren ihr Rohstoffmanagement derzeit stärker auf ein breitere Aufstellung bei den Rohstofflieferanten (61 Prozent), besseres Supply Chain Management (57 Prozent) und auf langfristige Preisstabilität in den Lieferverträgen (47 Prozenten). Zudem werden Materialreduktion und Substitution von Rohstoffen erprobt.

Auch in der internen Organisation besteht Handlungsbedarf für die Unternehmen. Inverto hat beobachtet, dass Einkäufer ihre Arbeit immer noch relativ isoliert von denen anderer Abteilungen durchführen. Dadurch geht wertvolles Know-how verloren, das vor allem für strategische Instrumente wie die Wertanalyse wichtig wäre.

Gerade einmal ein Drittel aller befragten Unternehmen vernetzt die Abteilungen und führt eine funktions- und abteilungsübergreifende Wertanalyse durch. „In Wertanalysen fließen sowohl betriebswirtschaftliche als auch technische Faktoren ein. Der Einkauf sollte hier die Rolle des Koordinators übernehmen“, sagt Kiebler.

Einkauf benötigt Know-how anderer Abteilungen

Ebenso erfordern Know-how-intensive Finanzinstrumente wie Hedging oder eine stärkere Einbindung der Einkäufer in andere Abteilungen. Zwei Drittel der Unternehmen gaben an, dass die internen Einkäufer für die Preisabsicherung zuständig seien, ihnen aber oftmals die dafür nötigen Kenntnisse fehlten. Ratsam wäre daher eine stärkere Anbindung des Einkaufs an die Finanzabteilung.
Generell sollten Unternehmen das momentane, ruhige Fahrwasser der Rohstoffmärkte ausnutzen, um ihre Einkaufsabteilung zentraler einzubinden und gegebenenfalls durch Qualifizierungsmaßnahmen stärker für abteilungsübergreifende Planungsvorhaben auszurüsten.