Montag, 09.09.2013
Bei Stiebel Eltron ist der Einkauf von Rohstoffen ein komplexes Unterfangen.

Bildquelle: Stiebel Eltron

Bei Stiebel Eltron ist der Einkauf von Rohstoffen ein komplexes Unterfangen.

Einkauf
Einkauf von Rohstoffen

Einsparungen realisieren

Die Beschaffungsstrategie beim Einkauf von Rohstoffen ist bei Stiebel Eltron sehr ausgereift. Einkaufsleiter Stefan Hansmann erklärt, wie er mit den Lieferanten verhandelt und Einsparungen erzielt.

Operation Rohstoffeinkauf: Bei Stiebel Eltron überprüft der Einkauf die Preise der Produkte mit Daten und Fakten und schafft eine Argumentationsbasis für Verhandlungen. Jährlich werden trotz der Volatilitäten auf den Rohstoffmärkten somit Einsparungen realisiert.
Der Einkauf von Rohstoffen umfasst bei dem Hersteller für Haus- und Systemtechnik rund 9000 Positionen, in denen unterschiedliche Rohmaterialien enthalten sind. darunter Kupfer, Aluminium, Kunststoffe, Messing, Nickel, Silber und Stahl, die Einkaufsleiter Stefan Hansmann bezieht.

MuM: Wo sehen Sie das größte Potenzial, um im Einkauf von Rohstoffen gut abzuschneiden?
Hansmann: Auf jeden Fall während der Einführung einer neuen Komponeten, also ganz früh in einem Entwicklungsprojekt und während des Anfrageprozesses. Währenddessen verschaffe ich mir schon einen Überblick über die einzelnen enthaltenen Kostenkomponenten eines angefragten Teils. Durch die Offenlegung der Einzelpreise von mehreren Anbietern bekomme ich auch eine gute Benchmark-Studie.

MuM: Was enthalten solche Kalkulationen im Einzelnen?
Hansmann: Der Einkäufer von heute ist ein Kostenmanager. Der kümmert sich in enger Abstimmung mit den Lieferanten um größtmögliche Transparenz bereits im Anfragestadium und macht Preise damit detailliert vergleichbar. Wir fragen nach Material- und Fertigungskosten, aber auch die Gemeinkostenzuschläge beinhalten nicht selten unrealistische oder kaum nachvollziehbare Ansätze.

Einsparungen über Materialsubstitution

MuM: Preise niedrig halten ist eine Strategie. Was haben Sie in der Hinterhand?
Hansmann: Bei uns dauert die Qualifizierung der Lieferanten zwischen ein und zwei Jahren. Dann sind sie allerdings auch langfristig eingebunden. Während der Qualifizierungsphase interessieren wir uns daher auch dafür, ob ein Lieferant Preise langfristig halten kann. Kostensteigerungen während des Produktlebenszyklus können wir über Datenbanken abfragen und damit sehr detailliert monitoren.

MuM: Wie sieht das an einem konkreten Beispiel aus?
Hansmann:
Wenn ich die Kostenkomponenten kenne, kann ich auch beurteilen, ob die Preisbildung des Lieferanten realistisch ist. Beispielsweise hatten wir ein Angebot über 500.000 Messing-Drehteile. Nach dem uns vorliegenden cost-break-down war offensichtig, dass der Lieferant zu dem angebotenen Preis noch nicht einmal das Material beschaffen konnte. Während des Produktlebenszyklus würde sich der Lieferant aber seine fehlende Marge zurückholen und dann wird es schwierig, einen anderen zu qualifizieren.

MuM: Wie geht der Lieferant dann vor?
Hansmann: Der Lieferant konfrontiert uns im Laufe des Produktlebenszyklus regelmäßig mit Preiserhöhungsforderungen. Diese werden mit Steigerungen von Rohstoff-, Personal- und Energiekosten begründet.

MuM: Wo sind weitere Potenziale für Einsparungen beim Einkauf von Rohstoffen?
Hansmann: Wir sind hier ein sehr technikorientiertes Haus. Entsprechend sind wir auch bereichsübergreifend vernetzt. Materialsubstitution ist da ein wichtiges Thema. Ein Kupferrohr lässt sich beispielsweise durch ein Kunststoffrohr substituieren. Dafür ist die Zusammenarbeit zwischen Entwicklung und Einkauf wichtig. Quartalsweise überprüfen wir unsere Maßnahmen und sitzen in entsprechenden Teams zusammen. Die Ergebnisse bei den Einsparungen sind hierbei wesentlich besser als über Verhandlungsergebnisse im Einkauf.

Blick nach vorne richten beim Einkauf von Rohstoffen

MuM: In welcher Höhe liegen hierbei die Einsparungen?
Hansmann: Wenn Sie sich über die Technik nähern, ist der Hebel wesentlich höher und liegt bei uns zwischen 5 und 50 Prozent. Einsparungen über Verhandlungen betragen lediglich zwischen 1 und 3 Prozent.

MuM: Wie lässt sich eine zeitlich optimale Beschaffung in den volatilen Rohstoffmärkten planen oder organisieren?
Hansmann:  Man muss die Frage andersherum stellen: Gibt es den richtigen Zeitpunkt? Ich  meine, nein. Volatilitäten sind die neuen Realitäten. Viele börsengehandelte Rohstoffe sind spekulativ getrieben. Wir nutzen für unsere Planung Marktanalysen und orientieren uns an Börsenpreisen und Lagerbeständen und versuchen auf diese Weise unsere Zielpreise optimal zu erreichen.

MuM: Was hat sich bei Ihnen bewährt bei der Beschaffung von Rohstoffen?
Hansmann: Wir treffen keine mehrjährigen Vereinbarungen. Bei Börsenkursen setzen wir anhand unserer tagesaktuellen Beobachtungen Limits. Den tiefsten Kurs werden Sie nie treffen. Wir schauen nicht mehr in den Rückspiegel für unsere Einschätzungen sondern nur nach vorne.

MuM: Ein Beispiel aus der Praxis?
Hansmann:
In der Regel gilt, wenn die Chinesen aus ihrem New-Year-Urlaub zurückkommen, steigen die Preise für bestimmte Rohstoffe, weil ihre Nachfrage sprunghaft ansteigt. Genauso galt dies jahrelang für die Nachfrage aus Südeuropa zum Ende des Sommers nach den langen Sommerferien. Darauf kann man sich heute nicht mehr einstellen. In China werden heute aufgrund der geringen wirtschaftlichen Leistung und einer abgekühlten Weltwirtschaftviele Rohstoffe selber produziert, die früher in Europa eingekauft wurden.