Dienstag, 14.05.2013
Verschiedene Stellschrauben verhelfen dem Einkaufsmanagement zu Einsparungen im Einkauf.

ZF Friedrichshafen

Verschiedene Stellschrauben verhelfen dem Einkaufsmanagement zu Einsparungen im Einkauf. Auch Lieferanten können durch eigene Ideen dazu beitragen. Dies wird auch bei ZF Friedrichshafen praktiziert (unser Bild).

Einkauf
Einkauf und Beschaffung

Einkaufsmanagement: 10 Tipps für Einsparungen im Einkauf

Im Einkaufsmanagement finden sich viele Ansätze, um Einsparungen zu generieren. Die Analyse der Herstellkosten, eine cross-funktionale Zusammenarbeit oder Vertragsgestaltungen bieten gute Ansatzpunkte. Wir haben die 10 wichtigsten Tipps für Sie zusammengestellt.

Einsparungen im Einkaufsmanagement sind mit den Konjunkturwellen verknüpft. Große Unternehmen wie Deutsche Telekom oder ZF Friedrichshafen realisieren im Einkaufsmanagement umfassende Einsparungen. Auch kleine und mittlere Unternehmen setzen den Rotstift im Einkaufsmanagement an. Die Analyse der Herstellkosten, eine cross-funktionale Zusammenarbeit oder Vertragsgestaltungen bieten gute Ansatzpunkte. 10 Tipps für Einsparungen im Einkaufsmanagement.

Tipp 1: Im Einkaufsmanagement Marktmacht des Herstellers nutzen

Viele Einkäufer ärgern sich über die Monopolposition ihrer Lieferanten. Diese lässt sich jedoch auch in einen eigenen Vorteil ummünzen. Beispielsweise kann der Einkauf im Unternehmen dahingehend verhandeln, dass das vom Lieferanten bezogene Produkt für die Verwendung im Unternehmen günstiger bezogen wird. Wenn das einkaufende Unternehmen seinerseits dieses Produkt auch direkt an Kunden weiterverkauft, profitiert es von dem hohen Marktpreis. Dieser Methode wird gerne von IT-Unternehmen im Einkaufsmanagement angewendet.

Tipp 2: Im Einkaufsmanagement gemeinsame Innovations-Workshops mit Lieferanten durchführen

Wenn Einkauf, Qualitätsmanagement, Technik und Zulieferer an einem Tisch sitzen, lassen sich große Einsparungen realisieren. Lieferanten wissen in der Regel über ihre Produkte sehr gut Bescheid. Wenn für die Lieferanten eine Ergebnisbeteiligung herausspringt, ist die Bereitschaft für eine solche Zusammenarbeit sehr hoch.

Tipp 3: Im Einkaufsmanagement Herstellkosten analysieren

Eine Parallelkalkulation über die Herstellkosten in der Lieferkette ermöglicht es dem Einkaufsmanagement, fundiert Preise zu verhandeln. Überprüft werden in solchen Kalkulationen Löhne, Ausschussraten, Energie, Material und Overheads. Beispielsweise lässt sich die typische Ausschussrate einer Laserschneidemaschine  ermitteln. Dieser Durchschnittswert wird vom Einkaufsmanagement mit der typischen Ausschussrate der Laserschneidemaschine des Lieferanten verglichen. Falls der Ausschuss des Lieferanten zu hoch ist, besteht die Möglichkeit, mit dem Lieferanten nach Lösungen zu suchen, um seine Ausschussrate zu senken. Und damit auch die Preise für den Einkauf im Unternehmen.

Tipp 4: Im Einkaufsmanagement Lieferanten aktiv ansprechen

Diese Idee wird insbesondere im öffentlichen Sektor erfolgreich praktiziert. In Großbritannien haben die Kämmerer ihre Ausgaben erhöht, um neue, kostensparende Ideen aus den Reihen der Lieferanten zu fördern. Eine Befragung unter 100 Einkäufern in Großbritannien von Supply Management ergab, dass mehr Lieferanten aktiv auf den Einkauf zugehen, um Einsparungen im Einkaufsmanagement der Unternehmen zu realisieren. Der schottische National Trust konnte durch die Bündelung von Büromaterial und Einzelhandelsgütern zu den einzelnen Niederlassungen über 58.000 Euro einsparen. Diese Idee hatte der Lieferant an den Einkauf von National Trust herangetragen.

Tipp 5: Im Einkaufsmanagement Produktportfolio überprüfen

Die Deutsche Telekom hat ihr Produktportfolio von über 130 Geräten im Quartal auf rund 80 reduziert. Die Bündelung ist eines der wirksamsten Hebel im Einkaufsmanagement der Deutschen Telekom, die seit über 1,5 Jahren massiv im Einkauf einspart. Bei einem der großen Automobilbauer bereisten Projektteams die Zulieferwerke, um die Eigenfertigung von Subkomponenten zu überprüfen. Resultat war, das die Effizienz im Einkaufsmanagement wesentlich von dem Zeitpunkt abhing, an dem Varianten der Komponenten entstanden. Im Nachgang wurde ein Workshop aufgesetzt, um den Variantensprung möglichst weit nach vorne zu verlegen. Es entstand ein neues Konzept der Fließfertigung. Ziel-, Durchlauf- und Bearbeitungszeiten wurden neu definiert. Dadurch konnte eine Einsparung von 22 Prozent realisiert werden.

Tipp 6: Lieferant stützt Einkauf durch Supplier-managed Inventory

Der Lieferant übernimmt das Warenmanagement im Unternehmen („Supplier-managed Inventory). Er erhält Zugriff auf die Lagerbestandsdaten sowie auf Kundendaten. Gesteuert wird der Warenfluss über Verbrauchs- oder Abverkaufszahlen. Diese werden in der Regel in ein Konsignationslager elektronisch übermittelt. Ein expliziter Bestellvorgang findet im Einkauf nicht mehr statt. Bei einigen Unternehmen geht diese Form des Warenmanagements so weit, dass der Lieferant faktisch zum Inhaber des von ihm bestückten Teils des Lagers wird. Unterstützt wird der lieferantengesteuerte Bestand durch eProcurement. Im Einkauf im Unternehmen lassen sich über den lieferantengesteuerten Bestand Frachten optimieren. Unternehmen berichten von Einsparungen zwischen 3 und 4 Prozent.

Tipp 7: Einkauf stützt Lieferant: Business Cases auf Konferenzen vorstellen

Wer seine Lieferanten aktiv unter die Arme greift, erhöht seinen Verhandlungsspielraum. Das Online-Modeunternehmen Asos fördert die Verkaufsanstrengungen seiner besten Lieferanten. Dazu gehen Mitarbeiter von Asos auf Konferenzen und stellen ihre Zusammenarbeit mit dem Lieferanten vor. Der Lieferant profitiert durch neue Geschäftsbeziehungen, und der Einkauf im Unternehmen profitiert von deutlich günstigeren Konditionen, die ihm durch diese aktive Werbung gewährt werden. „Wenn Lieferanten mit uns gut zusammenarbeiten, helfen wir ihnen bei ihren Verkaufsanstrengungen, indem wir auf Konferenzen gehen und dort erzählen, welche tollen Dinge sie für uns tun“, erklärte Einkaufsvorstand Frederique Rammeloo auf der Konferenz ProcureCon Indirect Mitte April in London. Die Zusammenarbeit zwischen Asos und seinen Lieferanten geht so weit, dass gute Lieferanten die Marke Asos in Verkaufsgesprächen einsetzen dürfen.

Tipp 8: Im Einkaufsmanagement Zahlungsziele verlängern

Unkompliziert ist eine übergreifende Verlängerung der Zahlungsziele. Das Einkaufsmanagement schreibt alle Lieferanten mit der Erklärung an: „Wir haben unsere Standardzahlungsziele verlängert“. Darüber hinaus werden gleichzeitig alle Zahlungen auf zwei Zahlungskonditionen standardisiert, um im Einkauf im Unternehmen die Vorgänge zu vereinfachen. Erfahrungsgemäß stimmt die Hälfte der Lieferanten zu, die andere Hälfte verweigert sich. Durch Gespräche lässt sich von den Verweigerern nochmals die Hälfte umstimmen. Ein Viertel der angeschriebenen Lieferanten stimmt einer solchen Neuregelung nicht zu. Wie das Einkaufsmanagement damit umgeht, muss er selbst entscheiden.

Tipp 9: Einkaufsmanagement veröffentlicht Einkaufspreise

Eine Veröffentlichung der Einkaufspreise kann Wettbewerber ansprechen. Der ökologisch aufgestellte Betrieb Märkisches Landbrot veröffentlicht die Preise der Zulieferer auf der Website. Damit können sich Wettbewerber ein Bild über die Einkaufspreise des Unternehmens verschaffen und günstiger anbieten.

Tipp 10: Im Einkaufsmanagement Vertragslaufzeiten an Bedarf anpassen

Sehr genau sollten die Vertragslaufzeiten geprüft werden. Es kann vorteilhaft sein, Verträge über ein Jahr hinaus abzuschließen, wenn günstige Konditionen verhandelt wurden. Damit wird der Aufwand für Verhandlungen eingespart. Eine andere Vorgehensweise ist die gegenteilige Strategie: Kurze Vertragslaufzeiten ermöglichen einen Strategieschwenk im Einkaufsmanagement, wenn neue Hersteller in den Markt eintreten. Gerade bei neuen Herstellern kann es auch lohnend sein, mit ihnen gemeinsam Preise zu entwickeln und mit dem eigenen Vertrieb in die Verhandlungen zu gehen.