Freitag, 02.12.2016
Drosselt die Opec die Ölmenge, steigt der Preis.

Fotoquelle: Curraheeshutter/Thinkstock/Getty Images

Schwarzes Gold: Die Entscheidung Opec die Ölmenge zu senken, hat zu einem Anstieg des Ölpreises geführt.

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Einsparpotentiale beim Rohstoffeinkauf bleiben ungenutzt

Rohstoffeinkäufer in Unternehmen geben mehr Geld aus als notwendig. Die „Rohstoffstudie 2016“ zeigt, dass das hohe Einsparpotential des niedrigen Rohölpreises nur von wenigen Unternehmen genutzt wurde.

Jedes dritte Unternehmen in vier europäischen Ländern hat laut einer Studie die Vorteile des niedrigen Rohölpreises nicht genutzt. Und das, obwohl fast 62 Prozent der vom Beratungsunternehmen Inverto befragten Führungskräfte davon ausgehen, dass der Preis des Rohstoffes bald wieder steigen wird.

Opec verknappt Angebot

Diese Einschätzung bestätigt ein aktueller Anlass: In ihrer Sitzung in dieser Woche haben sich die Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und Russland darauf verständigt, in den kommenden sechs Monaten 1,2 Millionen Barrel pro Tag weniger zu produzieren. Das Limit soll bei 32,5 Millionen Barrel täglich liegen. Nach der Bekanntgabe der Entscheidung stieg der Preis bereits auf 50 US-Dollar pro Barrel – ein Preissprung von 8,5 Prozent.

Ein Grund dafür, dass viele Unternehmer trotz des Szenarios nicht billiges Rohöl gekauft haben, ist das Ausbleiben von erwarteten Preissteigerungen in der vergangenen Jahren. Bei der Drosselung der Opec-Fördermenge handelt es sich um die erste seit 2008. Hinzu kommen aber auch fehlende Kenntnisse über den Einfluss des Ölpreises auf die Gesamtkosten, meint Lars-Peter Häfele, der Studienverantwortliche von Inverto. „Das gilt insbesondere für Branchen mit einem hohen Energiebedarf, etwa bei der Verarbeitung von Aluminium.“

Richtiger Einkaufszeitpunkt entscheidend

Neben dem Ölpreis sind es vor allem die Rohstoffpreise, die für 66 Prozent der befragten Unternehmen einen maßgeblichen Einfluss auf das Geschäftsergebnis haben. Die Wahl geeigneter Kaufzeitpunkte hat daher eine hohe oder sehr hohe Bedeutung (64 Prozent), vor allem bei Metallen und Energie.

Die Hälfte der Unternehmen sieht zusätzlich hohe Einsparpotentiale in der Optimierung der Einkaufszeitpunkte. Zu deren Bestimmung ziehen die Befragten vor allem Branchendienste sowie interne und externe Expertenmeinungen heran.

Gut die Hälfte stuft auch die Analyse von Fundamentaldaten wie Lagerbestände bei Produzenten und Spekulanten, Produktionskapazitäten und gesamtwirtschaftliche Entwicklungen als nützliches Werkzeug ein. Allerdings wendet in der Praxis nur rund ein Drittel der Rohstoffeinkäufer diese Erkenntnisse auch für die Entscheidungsfindung an.

Stabilisierung des Euro sorgt für Entspannung

Versorgungsengpässe bereiten den Einkäufern keine schlaflosen Nächten: Nur bei 6 von 25 Rohstoffen erwarten mehr als 10 Prozent der Einkäufer Versorgungsengpässe. Auch die Stabilisierung des Euros hat im laufenden Jahr zur Entspannung der Lage beigetragen.

61 Prozent der Befragten können fast 80 Prozent ihrer Rohstoffe in Euro beziehen und sind damit folglich nicht von Wechselkursschwankungen betroffen.

Die jährliche Rohstoffstudie von Inverto wurde 2016 zum siebten Mal durchgeführt. Dazu wurden mehr als 90 Geschäftsführer, Vorstände und Einkaufsleiter aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Großbritannien befragt. Rund die Hälfte der Befragten stammt aus dem Mittelstand.